KfW Research – Dossier
Mittelstand ist der Motor der deutschen WirtschaftMittelständische Unternehmen sind entscheidend für Wachstum und Wohlstand einer Volkswirtschaft. Sie schaffen Arbeitsplätze, bilden junge Menschen aus und prägen durch Investitionen die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Die Vielzahl an kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) – dazu zählen kleine Handwerksbetriebe genauso wie Selbstständige oder traditionsreiche Familienunternehmen – , eine ausgewogene Branchenstruktur, die zahlreichen regional verankerten Firmen und ihre Innovationen sind wichtige Faktoren für die kontinuierliche Modernisierung und Zukunftsfähigkeit eines Landes. KfW Research analysiert mit seinen einzigartigen Umfragen, Studien und Statistiken die Bedürfnisse der mittelständischen Unternehmen in Deutschland.
22. Oktober 2026
KfW-Mittelstandspanel 2026
Mittelstand in guter Position, den Aufschwung in Deutschland mitzutragen
Eine reale Wachstumsdynamik im Mittelstand ließ auch im abgelaufenen Jahr noch auf sich warten. Die Unternehmen sind aber für den Aufschwung gut aufgestellt. Das zeigen die Ergebnisse des KfW-Mittelstandspanels 2026. Erhöhte Gewinnmargen werden eingefahren und stärken bei stabiler Kostensituation die Kapitalstruktur. Die Eigenkapitalausstattung bleibt auf hohem Niveau stabil und begünstigt den Zugang zu Fremdfinanzierung. Auch die Schuldentragfähigkeit ist weiterhin hervorragend. Trotz des finanziellen Spielraums entfaltete sich aber erneut keine Investitionsdynamik. Dabei könnten die Unternehmen mehr investieren, haben ihre Pläne aber häufiger auf Eis gelegt. Hohe Preise, unsichere wirtschaftliche Entwicklung und Bürokratie werden aktuell als große Investitionshemmnisse wahrgenommen.
Weitere Informationen zum KfW-Mittelstandspanel
Solides finanzielles Fundament im Mittelstand – Eigenkapitalausstattung bleibt stabil
- Das Eigenkapitalpolster des Mittelstands ist weiterhin auf hohem Niveau. Die Kapitalstruktur ist im Aggregat stabil. Die Eigenkapitalquote für den gesamten Mittelstand lag zuletzt weiter bei durchschnittlich 30,7 %.
- Erfreulich sind die strukturellen Entwicklungen: Der Anteil der Unternehmen mit einer negativen Eigenkapitalquote hat sich nochmals verringert (von 6 auf 4 %). Ebenso zeigt sich eine positive Entwicklung bei der Verteilung. Mehr Unternehmen haben ein üppiges Eigenkapitalpolster (Eigenkapitalquote von mindestens 30 Prozent: 51 %) und weniger eine sehr niedrige Eigenkapitalausstattung (Eigenkapitalquote unter 10 Prozent: 24 %).
- Seit 2002 ist die durchschnittliche Eigenkapitalquote im Mittelstand um rund 13 Prozentpunkte gestiegen.
Der Mittelstand zeichnet sich durch eine stabile Ertragslage auch in schwierigen Zeiten aus
- Die mittelständischen Unternehmen weisen generell eine stabile Ertragslage auf. Die durchschnittliche Vorsteuer-Umsatzrendite im Mittelstand lag im Jahr 2025 bei 7,5 % und zeigte somit eine spürbare Erholung im Vergleich zu den Vorjahren. Die Erholung der Umsatzrenditen ist auch auf etwas nachlassenden Kostendruck im vergangenen Jahr zurückzuführen.
- Fast zwei Drittel der Unternehmen weisen eine sehr hohe Profitabilität von zehn Prozent und darüber auf (59 %). Der Anteil von Unternehmen mit einer negativen Umsatzrendite, d. h. diese Unternehmen erzielen Verluste, lag die vergangenen Jahre recht stabil bei 10–12 %. Historisch gesehen sind dies gute Werte. Im Krisenjahr 2009 beispielweise mussten 16 % der Unternehmen Verluste hinnehmen und im Jahr 2006 waren es sogar 21 %.
Die Investitionstätigkeit im Mittelstand bleibt verhalten
- Die Investitionen der mittelständischen Unternehmen in neue Anlagen und Bauten (Bruttoanlageinvestitionen bzw. Neuinvestitionen) beliefen sich im Jahr 2025 auf rund 218 Mrd. EUR. Die Neuinvestitionen nahmen damit nominal um 1,4 % zu. Preisbereinigt allerdings sank das Investitionsvolumen erneut um rund 3,7 %. Die durch robuste Profitabilität erzielten, und vermehrt einbehaltenen, Gewinne gehen zulasten zusätzlicher Investitionstätigkeit.
- Besonders hemmend auf die Investitionsneigung wirken nach wie vor das Preisniveau (für Material, Energie und Löhne) (63 %), die gesamtwirtschaftliche Entwicklung Deutschlands (51 %) sowie gesetzliche Vorgaben (58 %). Finanzierungskosten bzw. -konditionen rangieren weiter hinten.
- Die Bereitschaft der Unternehmen, Investitionsvorhaben anzugehen bleibt weiterhin schwach. Der Anteil von Unternehmen mit durchgeführten Investitionsprojekten lag im Jahr 2025 bei 40 % – zumindest ein leichter Anstieg um einen Prozentpunkt im Vergleich zum Vorjahr. Rund 1,51 Mio. mittelständische Unternehmen haben Investitionsprojekte getätigt.
- Das durchschnittliche Investitionsvolumen je Unternehmen lag 2024 nominal bei 187.000 EUR. Die Hälfte der Investitionsvorhaben hatte ein Volumen von weniger als 29.000 EUR. Die sinkenden Werte beider Kennzahlen zeigen einen auch in der Breite der mittelständischen Unternehmenslandschaft geringeren Mitteleinsatz an.
- Im Durchschnitt hatte ein einzelnes Investitionsprojekt eines Mittelständlers im Jahr 2025 ein Volumen von 56.000 EUR – bei durchschnittlich rund drei Einzelvorhaben je investierendem Unternehmen. Im Median allerdings, der weniger durch Ausreißer bestimmt wird, liegt der Umfang eines Einzelvorhabens bei gerade einmal 15.000 EUR.
- Der Anteil mittelständischer Unternehmen an den Neuinvestitionen aller Unternehmen in Deutschland sank im Jahr 2025 um einen Prozentpunkt auf aktuell 45 %.
Bankkredite machen etwa ein Drittel der Investitionsfinanzierung von KMU aus
- Der Mittelstand finanzierte im Jahr 2025 seine Investitionen zu 32 % über Bankkredite (84 Mrd. EUR). Insgesamt lag die Zahl der Unternehmen mit Bankkrediten im Finanzierungsmix ihrer Investitionen bei 667.000. Der Anteil der Investoren, die Kredite zur Investitionsfinanzierung nutzen, ist auf 24 % gesunken. In der Langfristbetrachtung hat sich der Anteil investierender Mittelständler, die zur Finanzierung ihrer Investitionen Bankkredite einsetzen, in den letzten 20 Jahren merklich verringert (2004: 40 %).
- Das Durchschnittsvolumen der im Jahr 2025 neu zur Investitionsfinanzierung aufgenommenen Bankkredite lag bei 126.000 EUR. Ganze 56 % aller im Jahresverlauf aufgenommenen Investitionskredite lagen im Jahr 2025 bei maximal 20.000 EUR, und 81 % aller aufgenommenen Kredite hatten einen Betrag von maximal 100.000 EUR.
- Über die Hälfte der Mittelstandsfinanzierung wird über Eigenmittel erbracht (54 %). Dazu zählen Rücklagen, Gewinne, Cashflow, konzerninterne Finanzierungen oder Gesellschaftereinlagen. Im Jahr 2025 entspricht dies einer Finanzierungshöhe von 141 Mrd. EUR. Die hohe Bedeutung der Eigenmittel erklärt sich in weiten Teilen aus der meist eher geringen Investitionssumme mittelständischer Unternehmen. Oftmals sind für die Finanzierung dieser Volumen Fremdmittel schlicht nicht notwendig oder Aufwand und Kosten einer Fremdmittelfinanzierung zu hoch.
- Auf Fördermittel entfielen 12 % der Investitionsfinanzierung. Eher untergeordnete Bedeutung haben beispielsweise Beteiligungskapital, Mittelstandsanleihen oder Mezzanine-Kapital (zusammengefasst als sonstige Quellen). Diese sind für viele KMU aufgrund hoher Transaktionskosten nicht interessant.
Mittelstand ist überwiegend klein und dienstleistungsorientiert
- 82 % der mittelständischen Unternehmen weisen lediglich einen Jahresumsatz von bis zu 1 Mio. EUR auf. Runde 0,5 % der Mittelständler haben einen Jahresumsatz von über 50 Mio. EUR.
- Die durchschnittliche Größe eines mittelständischen Unternehmens in Deutschland im Jahr 2025 lag bei 8,0 Vollzeitäquivalent-Beschäftigten (Medianwert: 2,5) bzw. bei etwa 9,8 Erwerbstätigen (Medianwert: 3). 81 % der KMU Unternehmen haben weniger als 5 Mitarbeiter.
- Im Median erzielten mittelständische Unternehmen im Jahr 2025 einen Umsatz von rund 300.000 EUR und einen Vorsteuergewinn von rund 45.000 EUR.
- Über drei Viertel der Unternehmen findet sich in Dienstleistungsbranchen (78,3 %). Den höchsten Anteil mit 34 % weisen die unternehmensnahen Dienstleistungen auf. Rund 5 % der KMU sind im Verarbeitenden Gewerbe tätig.
Mittelständisches Auslandsgeschäft zuletzt mit Stagnation
- Im Jahr 2024 hat etwa ein Fünftel aller Mittelständler – rund 819.000 Unternehmen – Umsätze im Ausland erzielt (von 20 auf 21 %). Mit 699 Mrd. EUR lagen die mittelständischen Auslandsumsätze im Jahr 2024 nominal um 0,2 % über dem Wert des Vorjahres. Das reale Wachstum fiel angesichts der hohen Inflationsraten in den vergangenen Jahren negativ aus und lag 2024 bei -2,9 %, nach bereits -6,5 % im Jahr 2023.
- Den größten Internationalisierungsgrad weist das Verarbeitende Gewerbe auf, mit einem Anteil auslandsaktiver Unternehmen von 46 %.
- Auslandsaktive Mittelständler erzielen gut 27 % ihres gesamten Umsatzes im Ausland. Der Anteil des Auslandsumsatzes ist dabei 2024 in nahezu allen Größenklassen und Branchen gesunken. Europäische Märkte sind dabei für die meisten KMU wichtiger als das außereuropäische Ausland.
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