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KfW Research – Dossier

Mittelstand ist der Motor der deutschen Wirtschaft

Mittelständische Unternehmen sind entscheidend für Wachstum und Wohlstand einer Volkswirtschaft. Sie schaffen Arbeitsplätze, bilden junge Menschen aus und prägen durch Investitionen die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Die Vielzahl an kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) – dazu zählen kleine Handwerksbetriebe genauso wie Selbstständige oder traditionsreiche Familienunternehmen – , eine ausgewogene Branchenstruktur, die zahlreichen regional verankerten Firmen und ihre Innovationen sind wichtige Faktoren für die kontinuierliche Modernisierung und Zukunftsfähigkeit eines Landes. KfW Research analysiert mit seinen einzigartigen Umfragen, Studien und Statistiken die Bedürfnisse der mittelständischen Unternehmen in Deutschland.

Eigenkapitalausstattung im Mittelstand trotz Corona in der Gesamtsicht komfortabel

  • In der Corona-Krise hat sich der seit der Jahrtausend­wende im Mittelstand anhaltende Trend stetig steigender Eigen­kapitalquoten nicht fortsetzen können. Die Eintrübung der Ertrags­lage sowie die zur Über­brückung von Liquiditäts­engpässen aufgenom­menen Kredite haben die Kapitalstruktur der KMU belastet. Die Eigenkapital­quoten gaben moderat nach.
  • In der Gesamtsicht ist die Eigenkapital­ausstattung der kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland trotz des Ausbruchs der Corona-Krise weiterhin komfortabel. Der oftmals befürchtete massive Einbruch ist ausgeblieben. Im Jahr 2020 betrug die durchschnittliche Eigen­kapitalquote im Mittelstand rund 30 %. Seit 2002 ist die durchschnittliche Eigenkapital­quote im Mittelstand um fast 12 Prozent­punkte gestiegen. Eine negative Eigenkapital­quote weisen weiterhin nur 4 % der Unternehmen auf.

Mittelständische Investitionstätigkeit zunehmend von Dienstleistungen geprägt

  • Die Investitionen der mittelständischen Unternehmen in neue Anlagen und Bauten (Bruttoanlage­investitionen bzw. Neuinves­titionen) beliefen sich im Jahr 2020 auf rund 173 Mrd. EUR.
  • Dienstleistungen prägen dabei das Investitions­volumen stark. Im Jahr 2020 entfällt auf Dienstleistungs­branchen ein Anteil von 55 % an den Neuinvestitionen. Im Jahr 2004 lag der Dienstleis­tungsanteil gerade einmal bei 42 %.
  • Im Zuge der Corona-Krise gingen die Neuinves­titionen um 7 % zurück. Ausschlag­gebend für die aktuelle Entwicklung war, dass sehr viel mehr Investitions­projekte verschoben, abgebrochen oder in geringerem Umfang durchgeführt wurden als üblich. Zudem dominierten kleinere Investitions­vorhaben zur Krisen­anpassung.
  • Das durchschnittliche Investitions­volumen je Unternehmen lag 2020 bei 124.000 EUR (-22 %). Die Hälfte der Investitions­vorhaben hatte ein Volumen von weniger als 20.000 EUR.
  • Der Anteil des Mittelstands an allen Unternehmens­investitionen sinkt seit einiger Zeit und liegt aktuell bei 42 %. Seit 2008 gingen sieben Prozent­punkte verloren. Die Corona-Krise hat die Entwicklung weiter beschleunigt.

Bankkredite machen etwa ein Drittel der Investitionsfinanzierung von KMU aus

  • Der Mittelstand finanzierte im Jahr 2020 seine Investitionen zu 29 % über Bank­kredite. Dabei haben insgesamt 605.000 KMU Bankkredite zur Finanzierung ihrer Investitionen aufgenommen. Das Plus im Jahres­vergleich von ca. 200.000 Unternehmen ist auf die Notwendig­keiten in der Corona-Krise zurückzu­führen, rasch mit kleineren Projekten Anpassungen im Geschäfts­modell vorzunehmen (beispiels­weise Erfüllung von Hygiene­vorschriften).
  • Das Durchschnitts­volumen der im Jahr 2020 neu zur Investitions­finanzierung aufgenommenen Bankkredite lag bei 98.000 EUR. Etwa drei Viertel aller neu aufgenommenen Investitions­kredite hatten im Jahr 2020 einen Betrag von maximal 50.000 EUR.
  • Etwa die Hälfte der Mittelstands­finanzierung wird über Eigenmittel erbracht. Dazu zählen Rücklagen, Gewinne oder Cash Flow. Im Jahr 2020 entspricht dies einer Finanzierungs­höhe von 106 Mrd. EUR.
  • Auf Fördermittel entfielen 13 % der Investitions­finanzierung. Eher untergeordnete Bedeutung haben beispiels­weise Beteiligungskapital, Mittelstands­anleihen oder Mezzanine-Kapital (zusammengefasst als sonstige Quellen). Diese sind für viele KMU aufgrund hoher Transaktions­kosten nicht interessant.

Mittelstand ist überwiegend klein und dienstleistungsorientiert

  • 85 % der mittelständischen Unternehmen weisen lediglich einen Jahresumsatz von bis zu 1 Mio. EUR auf. Weniger als 0,4 % der Mittelständler hat einen Jahresumsatz von über 50 Mio. EUR. 81 % der KMU hat weniger als 5 Mitarbeiter.
  • Drei Viertel der Unternehmen findet sich in Dienstleistungsbranchen. Den höchsten Anteil mit 34 % weisen die unternehmens­nahen Dienstleistungen auf. Weniger als 7 % der KMU sind im Verarbeitenden Gewerbe tätig.
  • Rund 3 Mio. KMU haben ihren Sitz in Westdeutschland (82 %), bei rund 695.000 Mittelständlern, die ihren Sitz in Ostdeutschland haben.

Demografische Entwicklung hinterlässt sichtbare Folgen im Mittelstand

  • Die allgemeine demografische Entwicklung vollzieht sich im Mittelstand sehr rasch: Im Jahr 2019 waren bereits 51 % aller Unternehmens­inhaber und Selbstständigen 55 Jahre oder älter. Zum Vergleich: Im Jahr 2002 waren es lediglich 20 %. Zugleich lenken immer weniger junge Inhaber mittelständische Unternehmen.
  • Parallel rücken immer weniger junge Existenz­gründer nach. Die Gesamtzahl der Gründer hat seit der Jahrtausend­wende stark nachgelassen, von vormals jährlich über 1,5 Mio. (2001) auf nur noch 605.000. Demgegenüber stehen rund 260.000 Mittelständler, die in den kommenden zwei Jahren die Übergabe oder den Verkauf des Unternehmens an einen Nachfolger planen. Es besteht eine strukturelle Nachfolgelücke, die nur mit deutlich erhöhter Gründungs­tätigkeit verkleinert werden kann.

Auslandsengagement variiert mit Unternehmensgröße und Branche

  • Im Jahr 2019 hat ein Fünftel aller Mittelständler Auslands­umsatz erzielt. Diese rund 781.000 international aktiven Unternehmen erzielten insgesamt 596 Mrd. EUR in ausländischen Märkten.
  • Den größten Internationali­sierungsgrad hat das FuE-intensive Verarbeitende Gewerbe (35 %). Auslandsaktive Unternehmen erzielen fast 26 % ihres gesamten Umsatzes im Ausland. Europäische Märkte sind dabei für die meisten KMU wichtiger als das außereuropäische Ausland.

Kontakt

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