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KfW Research – Dossier

Digitalisierung

Chancen und Herausforderungen für Mittelstand und Gründer

Digitale Technologien stellen als „General Purpose Technologien“ eine wichtige Quelle für Neuerungen in breiten Teilen der Wirtschaft dar. Sie gelten daher als zentraler Treiber für Wettbewerbs­fähigkeit und Wachstum. Aus gesamt­wirtschaftlicher Sicht gilt die Digitalisierung als Hoffnungs­träger für ein Wieder­ansteigen der seit Jahren in vielen Industrieländern rückläufigen Produktivitäts­raten.

Aktuell veröffentlicht

Mittelständische Unternehmen mit Digitalisierungsstrategie gehen die Digitalisierung aktiver an

Mittelständische Unternehmen mit einer unternehmens­weiten Digitalisierungs­strategie geben mehr für ihre Digitalisierung aus und führen breiter angelegte Digitalisierungs­aktivitäten durch. Auch nutzen sie häufiger anspruchsvolle digitale Technologien. Um die Potenziale der Digitalisierung besser zu erschließen, erscheint es dringend erforderlich, mittelständische Unternehmen für die strategische Bedeutung der Digitalisierung zu sensibilisieren.

Mittelständische Unternehmen mit Digitalisierungsstrategie gehen die Digitalisierung aktiver an (PDF, 142 KB, barrierefrei)

Nur wenige Unternehmen verfügen über eine Digitalisierungsstrategie

  • Mit 20 % verfügt nur ein vergleichsweise geringer Anteil mittelständischer Unternehmen aktuell über eine Digitalisierungs­strategie.
  • Der Anteil der Unternehmen, der seine Digitalisierung im Rahmen einer Strategie geplant angeht, nahm gegenüber 2019 nur moderat um 4 Prozentpunkte zu.
  • Verstärkte Anstrengungen müssen unternommen werden, um die Unternehmen für die strategische Bedeutung der Digitalisierung zu sensibilisieren.

Quelle:
Digitalisierungsstrategien in kleinen, regional agierenden und nicht-innovativen Unternehmen selten (PDF, 312 KB, barrierefrei)

Digitalisierungsstrategien vor allem in kleinen und nicht-innovativen Unternehmen selten

  • Die Unternehmensgröße hat einen wichtigen Einfluss darauf, ob ein Unternehmen über eine Digitalisierungs­strategie verfügt oder nicht.
  • Auch die Durchführung von Innovations­aktivitäten steht in ein einem engen Zusammenhang mit der Existenz einer Digitalisierungs­strategie.
  • Dies ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass Innovationen und Digitalisierung in ihrem Wesen verwandt sind: Beides bedeutet, etwas Neues zu schaffen oder im Unternehmen einzuführen. Die Unternehmen müssen daher ähnliche Fähigkeiten aufweisen, um die eine oder andere Tätigkeit erfolgreich durchzuführen.

Quelle:
Digitalisierungsstrategien in kleinen, regional agierenden und nicht-innovativen Unternehmen selten (PDF, 312 KB, barrierefrei)

Unternehmen mit Digitalisierungsstrategie gehen die Digitalisierung aktiver an

  • Die unzureichende Berücksichtigung der strategischen Perspektive der Digitalisierung dürfte wesentlich zum geringen Grad der Digitalisierung in mittelständischen Unternehmen beitragen.
  • Denn gerade die Implementierung einer Digitalisierungs­strategie ist eine zentrale Voraussetzung dafür, dass Digitalisierungs­maßnahmen von Unternehmen nicht nur punktuell, sondern aus einer ganzheitlichen Perspektive vorgenommen werden.
  • Mittelständische Unternehmen mit Digitalisierungs­strategie geben mehr für ihre Digitalisierung aus.
  • Auch nutzen diese Unternehmen beispielsweise anspruchsvolle Digitalisierungsanwendungen häufiger.

Quelle:
Mittelständische Unternehmen mit Digitalisierungsstrategie gehen die Digitalisierung aktiver an (PDF, 142 KB, barrierefrei)

Vielfältige Hemmnisse bremsen die Digitalisierung im Mittelstand

  • Eine mangelnde Qualität der Internet­verbindung stellt mit das wichtigste Digitalisierungs­hemmnis dar. Dies gilt nicht nur für Unternehmen im ländlichen Raum, sondern auch für Ballungsräume.
  • Fehlende IT-Kompetenzen und eine mangelnde Verfügbarkeit von IT-Fachkräften rangieren auf der dritten Position. Auch weitere Digitalisierungs­hemmnisse stehen mit unzureichenden Kompetenzen in einem Zusammenhang.
  • Der Mangel an geeigneten Finanzierungs­möglichkeiten behindert 22 % der Unternehmen. Damit werden Finanzierungs­engpässe zwar seltener als andere Digitalisierungs­hemmnisse genannt; sie werden von den Unternehmen jedoch als besonders problematisch wahrgenommen.

Quelle:
Vielfältige Hemmnisse bremsen die Digitalisierung im Mittelstand (PDF, 401 KB, nicht barrierefrei)

Entwicklung der Digitalisierungsaktivitäten in der Corona-Krise

  • Mit 35 % überwiegen auch nach gut anderthalb Jahren Pandemie jene Unternehmen, die ihre Digitalisierungs­anstrengungen gesteigert haben, gegenüber 6 % mit einer Drosselung der Digitalisierungs­aktivitäten.
  • Allerdings führt ein Viertel der Mittelständler unverändert keine Digitalisierungs­aktivitäten durch.

Quelle:
KfW-Digitalisierungsbericht 2021 (PDF, 1 MB, nicht barrierefrei)

Lange Pandemiedauer lässt Unternehmen erwarten, dass sich Nachfrage dauerhaft digitalen Angeboten zuwendet

  • Nach gut anderthalb Jahren Corona-Pandemie rechnet ein großer Anteil der mittelständischen Unternehmen mittlerweile damit, dass sich ihre Kunden merklich von ihnen abwenden, um stattdessen digitale Angebote zu nutzen.
  • 30 % der mittelständischen Unternehmen hält es für wahrscheinlich, dass ihre Kunden hin zu digitalen Produkten (inklusive Dienstleistungen) oder digitalen Vertriebs­wegen abwandern. Weitere 33 % rechnen zumindest in Teilen damit.
  • Gerade Unternehmen, die eine Abwanderung befürchten, intensivieren ihre Digitalisierungs­anstrengungen

Große Unternehmen sind Vorreiter bei der Digitalisierung

  • Große Mittelständler weiten unter Corona ihre Digitalisierungs­aktivitäten deutlich häufiger aus als kleine (62 vs. 32 %).
  • Auch befinden sich unter den großen Mittel­ständlern kaum noch Unternehmen ohne Digitalisierungs­aktivitäten (6 %). Dagegen führen 28 % der kleinen Unternehmen unverändert keine Digitali­sierungs­aktivitäten durch.
  • Große Mittelständler sind bereits vor der Krise bei der Digitalisierung aktiver als kleine.

Quelle:
KfW-Digitalisierungsbericht 2021 (PDF, 1 MB, nicht barrierefrei)

Innovative Unternehmen weiten Digitalisierungsaktivitäten aus

  • Mit 44 % liegt der Anteil der innovativen Mittelständler, die ihre Digitalisierungs­aktivitäten ausweiten, deutlich höher als in Unternehmen, die vor Corona keine Innovationen hervorgebracht haben.
  • Die ausgeprägteren Digitalisierungs­anstrengungen dieser Unternehmen haben deren Resilienz in der akuten Krise gestärkt und tragen nach der Krise dazu bei, mit einer verbesserten Wettbewerbs­fähigkeit Boden gegenüber den Wettbewerbern gut zu machen.

Quelle:
KfW-Digitalisierungsbericht 2021 (PDF, 1 MB, nicht barrierefrei)

Anteil der Mittelständler mit abgeschlossenen Digitalisierungsvorhaben steigt zu Beginn der Corona-Pandemie

  • Unternehmen jeder Größenklasse haben im Zeitraum 2018–2020 häufiger Digitalisierungs­vorhaben abgeschlos­sen als in der Vorperiode.
  • Mit zunehmender Unternehmens­größe steigt der Anteil der Digitalisierer deutlich.

Quelle:
KfW-Digitalisierungsbericht 2021 (PDF, 1 MB, nicht barrierefrei)

Mittelstand steigert Digitalisierungsausgaben auf 20 Mrd. EUR

  • Die durchschnittlichen Digitalisierungs­ausgaben sind gegenüber dem Vorjahr jedoch leicht gesunken.
  • Große mittelständische Unternehmen geben rund das 21-fache der kleinen Mittelständler für ihre Digitalisierung aus.

Quelle:
KfW-Digitalisierungsbericht 2021 (PDF, 1 MB, nicht barrierefrei)

Die Finanzierung von Digitalisierung und Investitionen unterscheidet sich deutlich

  • 87 % der Digitalisierungs­ausgaben werden aus internen Quellen finanziert. Bei den Investitionen beläuft sich dieser Wert auf lediglich 43 %.
  • Dafür machen Bankkredite nur 7 % bei der Digitalisierung, aber 34 % der Investitionen aus.

Quelle:
Die Finanzierung von Digitalisierung und Investitionen in mittelständischen Unternehmen im Vergleich (PDF, 199 KB, nicht barrierefrei)

Unternehmen, die Digitalisierung mit Innovationen kombinieren, gehen ihre Digitalisierung tiefgreifender und umfassender an als Unternehmen, die ausschließlich Digitalisierungsprojekte umsetzen, ansonsten aber vergleichbar sind

  • Mittelständler, die Innovations- und Digitali­sierungsprojekte angehen, geben mit 54 TEUR knapp zwei Drittel mehr für ihre Digitali­sierung aus als reine Digitalisierer
  • Die zuerst genannten Unternehmen führen auch jedes der abgefragten Digitalisierungs­projekte häufiger durch als reine Digitalisierer. Dies gilt insbesondere für anspruchsvolle Vorhaben, wie die Digitali­sierung von Produkten und Dienst­leistungen, der Einführung von digitalen Marketing- und Vertriebs­konzepten sowie der Digitalisierung des Workflows.
  • Von den abgefragten Digitalisierungs­aspekten führen Mittelständler mit Innovations- und Digitalisierungs­kategorien im Durchschnitt rund 2,4 Kategorien gleichzeitig durch, während dieser Wert bei den reinen Digitali­sierern nur 1,7 beträgt

Quelle:
Innovationen und Digitalisierung in Unternehmen bedingen sich gegenseitig (PDF, 196 KB, nicht barrierefrei)

Digitalisierer mit Innovationen wachsen schneller als reine Digitalisiserer

  • Sowohl was Umsatz- als auch Beschäf­tigung angeht, wachsen Digitalisierer mit Innovationen am schnellsten
  • Digitalisierer mit Innovationen sowie reine Digitalisierer wachsen deutlich schneller als Unternehmen ohne Innovationen und Digitalisierungs­maßnahmen

Quelle:
Innovationen und Digitalisierung in Unternehmen bedingen sich gegenseitig (PDF, 196 KB, nicht barrierefrei)

Zugang zu Krediten für Digitalisierungsprojekte schwieriger als für Investitionen

  • Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Unternehmen seinen Kreditzugang als "schlecht" oder "sehr schlecht" bezeichnet, liegt für Unternehmen, die Kreditverhandlungen über Kredite für Digitalisierungs­vorhaben geführt haben, um gut zwei Drittel höher als für Unternehmen mit Kreditver­handlungen über Investitions­vorhaben (d. h. für Maschinen, Anlagen o. ä.).
  • Kredite für Digitalisierungsvorhaben werden jedoch nur selten nachgefragt.

Quelle:
Unternehmensbefragung 2018 – Digitalisierung nimmt Fahrt auf (PDF, 545 KB, nicht barrierefrei)

Digitalisierung des Mittelstands im europäischen Vergleich

Deckblatt European SME Survey

  • Für deutsche kleine und mittlere Unternehmen (KMU) mit 20–249 Beschäftigten hat Digitalisierung eine ähnlich hohe Priorität wie für ihre Wettbewerber in Frankreich, Spanien, Polen und dem Vereinigten Königreich. Allerdings gehen sie differenzierter vor und konzentrieren sich auf weniger Digitalisierungs­aktivitäten.
  • Anders als in den übrigen Ländern stellt der Druck des Wettbewerbs für die deutschen KMU eine weniger starke Antriebsfeder bei der Digitalisierung dar: Knapp die Hälfte von ihnen (48 %) ist überzeugt, dass sie neue digitale Technologien nutzen müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben, im europäischen Vergleich liegt dieser Anteil bei 54 %.
  • Fehlende digitale Kompetenzen sind für deutsche Mittelständler ein ähnlich starkes Hemmnis wie für KMU aus anderen Ländern. Dabei fehlen aus Sicht der KMU nicht nur Kenntnisse im Bereich der Software­entwicklung oder Webseiten­programmierung, sondern auch Management­kompetenzen für die Umsetzung digitaler Projekte und zum Teil grundlegende Kenntnisse der Dateneingabe und -verarbeitung.
  • Um ihr digitales Knowhow auszubauen, führen rund 58 % der deutschen Mittelständler interne Weiterbildungen ihrer Mitarbeiter durch – deutlich mehr als in anderen Ländern. Sie stoßen aber auch deutlich häufiger als ihre europäischen Wettbewerber an Grenzen, wenn es um die Rekrutierung neuer Mitarbeiter geht: In keinem anderen der befragten Länder wird der IT-Fachkräftemangel als so problematisch empfunden wie in Deutschland.

Quelle:
Going Digital – The Challenges Facing European SMEs (PDF, 7 MB, nicht barrierefrei)

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Stand: Juli 2022

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