KfW Research – Dossier
Investitionen in DeutschlandInvestitionen sind der Schlüssel zu einer zukunftsfähigen Volkswirtschaft und daher ein wichtiges Querschnittsthema für KfW Research. Nur wenn Unternehmen, private Haushalte und der Staat entsprechend investieren, gelingt die Transformation zu einer klimaneutralen, digitalen und resilienten Volkswirtschaft. Produktivitätssteigernde Investitionen sind außerdem essenziell, um trotz der demografischen Alterung Wohlstand zu erhalten, beziehungsweise auszubauen. Welche Investitionssumme braucht es für die Klimaneutralität bis zur Mitte des Jahrhunderts? Warum investieren Unternehmen oder auch nicht? Wie entwickelt sich der Wohnungsbau? Wie hoch ist der Investitionsrückstand in den Kommunen und wie lässt er sich am besten beheben? Diese und andere Fragen beantworten wir mit unseren Studien.
In unserem Investitionsmonitor dokumentieren wir die Investitionsentwicklung in Deutschland und analysieren die Anzeichen für eine Trendwende anhand von Frühindikatoren.
Die Investitionstätigkeit in Deutschland verzeichnet eine durchwachsene Entwicklung. Die staatlichen Investitionen sind zum Jahresende 2025 sprunghaft gestiegen, die privaten Wohnbauinvestitionen haben nach langem Rückgang einen Wendepunkt erreicht. Dagegen mussten die Unternehmensinvestitionen im vierten Quartal einen deutlichen Rückschlag hinnehmen – trotz zuvor eher positiver Signale. Insgesamt investierten Unternehmen 2025 rund 491 Mrd. EUR in Deutschland, in private Wohnbauten flossen 271 Mrd. EUR, der Staat investierte 145 Mrd. EUR. Preis- und kalenderbereinigt gingen die Unternehmensinvestitionen im Jahresverlauf um 0,9 % zurück, im vierten Quartal allein um 1,8 %. Investitionsindikatoren aus den Unternehmen fallen aktuell gemischt aus. Die staatlichen Investitionen legten dagegen im Gesamtjahr um 7 % zu, im Schlussquartal sogar um 10 %. Die Wohnbauinvestitionen stiegen im vierten Quartal um 1,6 %, bei konsistenten Erholungssignalen aus den Frühindikatoren.
Mit ihren Ausgaben für Maschinen, Fahrzeuge, Wirtschaftsbauten sowie zunehmend auch für Geistiges Eigentum tätigen die Unternehmen den Großteil der Investitionen in Deutschland. Im Jahr 2024 waren sie für 55 % der Investitionssumme verantwortlich. Seit den 1990er-Jahren gehen die Unternehmensinvestitionen, relativ zum Bruttoinlandsprodukt, allerdings trendmäßig zurück. Dies hat vielfältige Ursachen, wobei die demografische Alterung gerade im Mittelstand eine große Rolle spielt. Bei IT-Investitionen gibt es bei vielen deutschen Unternehmen außerdem einen großen Nachholbedarf und es muss wesentlich mehr Geld für Klimaschutzmaßnahmen in die Hand genommen werden. Seit 2019 sind die preisbereinigten Unternehmensinvestitionen in Deutschland sogar deutlich gesunken. Die schwache gesamtwirtschaftliche Entwicklung, hohe Kosten für Energie und Löhne sowie die Bürokratiebelastung und der Fachkräftemangel gehören laut Unternehmensbefragungen derzeit zu den größten Investitionshemmnissen.
Auf den Staat gingen zuletzt nur etwa 15 % der gesamtwirtschaftlichen Investitionen zurück. Wegen des komplementären Charakters der Infrastruktur für die private Investitionstätigkeit spielen die öffentlichen Investitionen dennoch eine große Rolle für das Wachstumspotenzial der Volkswirtschaft. Innerhalb des Staates stemmen die Kommunen mit etwa 40 % den relativ größten Anteil der öffentlichen Investitionen; bei den öffentlichen Bauten allein ist es mit rund 60 % sogar die absolute Mehrheit. Das reicht von Straßen über Brücken, Tunnel und Kanäle bis hin zu Schulgebäuden und deren Ausstattung. Mit dem KfW-Kommunalpanel verfügt KfW Research über eine einzigartige Datengrundlage zu den kommunalen Aktivitäten. Den wahrgenommenen kommunalen Investitionsrückstand beziffert die aktuelle Ausgabe auf 215,7 Mrd. EUR.
Die ausreichende Verfügbarkeit qualitativ hochwertigen und bezahlbaren Wohnraums dort, wo er benötigt wird, ist eine zentrale gesellschaftliche Frage, denn ein Trend zur Urbanisierung, kleineren Haushalten und die Zuwanderung aus dem Ausland haben regional zu ausgeprägten Wohnungsknappheiten geführt. Zugleich entstehen durch die demografische Entwicklung Rückbaubedarfe in schrumpfenden Regionen sowie die Notwendigkeit für mehr Barrierefreiheit in den Wohnungen. Ein hoher Investitionsbedarf besteht außerdem für Klimaschutzmaßnahmen in Wohngebäuden, die für etwa ein Viertel der Treibhausemissionen in Deutschland verantwortlich sind. Mit rund 30 % hat der Wohnbau einen beträchtlichen Anteil an den gesamtwirtschaftlichen Investitionen. Seit dem Tief im Jahr 2005 haben die Investitionsausgaben für Wohnbauten zumeist schneller zugenommen als das nominale Bruttoinlandsprodukt. Dieser langjährige Aufwärtstrend hat sich in den fünf Jahren bis 2022 einschließlich nochmals beschleunigt, zuletzt allerdings nur noch weil die Preise für Bauleistungen weit kräftiger gestiegen sind als das allgemeine Preisniveau. Bereinigt um Preiseffekte schrumpften die Wohnbauinvestitionen 2023 schon das dritte Jahr in Folge, wobei erhebliche Kaufkraftverluste der privaten Haushalte, gestiegene Zinsen, teure Baumaterialien und teilweise auch ein Mangel an Fachkräften zentrale Ursachen sind.
Bei Umwelt- und Klimaschutzinvestitionen sind alle Sektoren – Unternehmen, Privathaushalte und der Staat – gefordert, damit die Transformation zu einer klimaneutralen und nachhaltigen Gesellschaft gelingt. Grüne Investitionen werden von uns daher in unterschiedlichen Zusammenhängen adressiert. Von den Klimaschutzinvestitionen in mittelständischen Unternehmen, den technologischen Lösungsansätzen in der Industrie, den Investitionsbedingungen in den Kommunen, bis hin zur Nutzungsbereitschaft von Energiewendetechnologien in privaten Haushalten. In einer von uns beauftragten Studie haben wir außerdem den gesamtwirtschaftlichen Investitionsbedarf berechnen lassen, der für das Erreichen der Klimaneutralität bis zur Mitte des Jahrhunderts notwendig wird. Was getan werden muss, um die für die Transformation erforderlichen Investitionen zu verwirklichen, erläutern wir in einem Positionspapier.
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