KfW Research – Dossier
KonjunkturWirtschaftliches Wachstum verläuft nicht gleichmäßig, sondern in Zyklen: Phasen konjunktureller Unter- und Überauslastung der gesamtwirtschaftlichen Kapazitäten wechseln sich ab. Der Analyse solcher Zyklen und der Prognose konjunktureller Wendepunkte kommt eine wichtige Bedeutung zu. Denn die Konjunktur setzt den wirtschaftlichen Rahmen, in dem private Haushalte, Unternehmen und Staat ihre Entscheidungen etwa im Hinblick auf ihren Konsum oder ihre Investitionen treffen. Auch Geld- und Fiskalpolitik sollten je nach Phase im Konjunkturzyklus unterschiedlich ausgerichtet sein. KfW Research analysiert die Konjunktur in Deutschland und der Eurozone und veröffentlicht vierteljährlich eigene Prognosen zum realen Wachstum des Bruttoinlandsprodukts.
Kommentare KfW Research
07.10.2026 | Produktion des deutschen produzierenden Gewerbes August 2026
Der Industrieproduktion werden dieses Jahr immer wieder Knüppel zwischen die Beine geworfen. Im August waren es die niedrigen Pegelstände des Rheins, einem zentralen Transportweg der deutschen Wirtschaft. Insofern sind die heutigen Zahlen, ganz abgesehen von der starken Bauproduktion, bemerkenswert gut. Die deutsche Wirtschaft ist also doch nicht im Schlick des Niedrigwassers ausgerutscht. Und im Trend füllen sich – wenn auch unter starken Schwankungen – die Auftragsbücher immer weiter, vor allem die des Verarbeitenden Gewerbes. Besonders gut sieht es aus im Wirtschaftszweig „Sonstiger Fahrzeugbau“, der von den zunehmenden Rüstungsausgaben profitiert, im wichtigen Maschinenbau und in der sogenannten Digitalisierungsbranche. Letztere umfasst Datenverarbeitungsgeräte sowie elektronische und optische Erzeugnisse wie zum Beispiel Laser, die zur Herstellung von Halbleitern benötigt werden. Diese Entwicklung zeigt, dass der Boom rund um KI und Rechenzentren auch Deutschland erfasst hat. Perspektivisch wird vor diesem Hintergrund die gesamte Produktion steigen und die Freude am Wachstum hierzulande hoffentlich schon bald zurückkehren.
Dr. Sebastian Wanke
Konjunktur
Ein hartnäckiger Energiepreisschock
2. April 2026
Der durch den Krieg im Nahen Osten ausgelöste Energiepreisschock wird stärker und nachhaltiger ausfallen als wir dies zu Beginn des Krieges in unserem Basis-Szenario angenommen hatten. Wir revidieren deshalb unsere Wachstumsprognose für Deutschland für das Jahr 2026 auf nur noch 0,9 % (0,6 % ohne Kalendereffekt), gegenüber einer Vorkriegsprognose von 1,5 %. Wir unterstellen hierbei, dass die Straße von Hormus im Laufe des April wieder graduell passierbar wird. Eine längere Blockade würde die Rezessionsgefahr deutlich steigen lassen.
Deutschland: Aufschwung bei kurzer Blockade der Straße von Hormus noch nicht gefährdet
11. März 2026
Der Krieg im Nahen Osten und der damit verbundene Anstieg des Öl- und Gaspreises stellen ein klares Risiko für unsere Wachstumsprognose für Deutschland von 1,5 % im Jahr 2026 dar. Wir gehen in unserem Basis-Szenario von einer mehrwöchigen Blockade der Straße von Hormus aus und einer anschließenden Normalisierung des Öl- und Gaspreises im Laufe des 2. Quartals. In diesem Szenario wäre der negative Wachstumseffekt gering, während die Inflation um etwa einen halben Prozentpunkt höher ausfallen könnte. Eine längere Blockade, die sich weit ins 2. Quartal erstreckt, würde allerdings das Wachstum in diesem Jahr auf unter 1 % drücken.
Deutschland: Aufschwung bei kurzer Blockade der Straße von Hormus noch nicht gefährdet
KfW-Konjunkturkompass
Wachstum wider alle Belastungen
25. August 2026
Trotz der Belastungen, die aus dem Iran-Krieg resultieren, ist die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal um 0,3 % im Vorquartalsvergleich gewachsen. Auch der Trend beim Auftragseingang des Verarbeitenden Gewerbes zeigt weiterhin nach oben, und die Stimmungsindikatoren präsentieren sich wieder freundlicher. KfW Research rechnet deshalb nun für das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Deutschland im Jahr 2026 mit einem aufwärtsrevidierten Wachstum von 1,1 % und für 2027 mit 1,5 %. Für den Euroraum wurden die BIP-Prognosen ebenfalls erhöht, die Inflationsprognose indes etwas zurückgenommen.
KfW-ifo-Mittelstandsbarometer
Mittelständische Unternehmen sind entscheidend für Wachstum und Wohlstand einer Volkswirtschaft. KfW Research analysiert mit seinen einzigartigen Umfragen, Studien und Statistiken die Bedürfnisse der mittelständischen Unternehmen in Deutschland. Die Indikatorfamilie KfW-ifo-Mittelstandsbarometer basiert auf einer größenklassenbezogenen Auswertung der ifo Konjunkturumfragen, aus denen unter anderem der bekannte ifo Geschäftsklimaindex berechnet wird. Dabei werden monatlich rund 9.500 Unternehmen aus den Wirtschaftsbereichen Verarbeitendes Gewerbe, Bauhauptgewerbe, Großhandel, Einzelhandel sowie Dienstleistungen (ohne Kreditgewerbe, Versicherungen und Staat) zu ihrer wirtschaftlichen Situation befragt, darunter rund 8.000 Mittelständler.
Stimmung steigt immer weiter
29. September 2026
Das mittelständische Geschäftsklima steigt im September zum fünften Mal in Folge und notiert nun bei -8,1 nach zuvor -12,5 Punkten. Erneut verbessern sich gleichzeitig Lagebeurteilung und Geschäftserwartungen auf Sicht von sechs Monaten. Bemerkenswert ist darüber hinaus, dass die Export- und die Beschäftigungserwartungen der kleinen und mittleren Unternehmen weiter anziehen - erstere liegen jetzt sogar schon über ihrem langjährigen Durchschnittswert. Die Konjunkturerholung ist damit kaum noch aufzuhalten.
Aktuelles KfW-ifo-Mittelstandsbarometer
Grunddatensatz zum aktuellen KfW-Ifo-Mittelstandsbarometer
Wachstumspotenzial Deutschlands
Deutschland im Wachstumstief: Wie weiter?
KfW Research Chartbook
Das deutsche Wirtschaftswachstum ließ während der vergangenen fünf Jahrzehnte im Trend immer weiter nach und ist in der ersten Hälfte der 2020er-Jahre sogar ganz zum Erliegen gekommen. Vorausblickend setzt die Verrentung der Babyboomer den Arbeitsmarkt zunehmend unter Druck. Eine Rückkehr zu einem durchschnittlichen Wachstum von 1 %, wie im Koalitionsvertrag als Mindestanspruch formuliert, ist realistisch, aber auch ambitioniert. Hierzu bedarf es gleichzeitiger substanzieller Fortschritte in allen für das Wachstum relevanten Bereichen. (Juli 2025)
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