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Mehr Sicherheit für Auslandsgeschäfte

Jeder vierte Arbeitsplatz in Deutschland hängt heute davon ab, dass sich deutsche Produkte und Dienstleistungen auf den Weltmärkten durchsetzen. Im Interview erläutert Nadja Marschhausen, wie die KfW IPEX-Bank mit Exportkreditversicherungen dazu beiträgt, dass Deutschland auch zukünftig eine Exportnation der ersten Liga bleibt.

Exportgeschäfte mit Risikoländern können die unternehmerische Existenz bedrohen. Frau Dr. Marschhausen erklärt, wie eine Exportkreditversicherung für mehr Sicherheit sorgt (KfW Bankengruppe/Kazawa).

Mit Waren und Dienstleistungen im Wert von 1,3 Billionen Euro hat Deutschland 2018 mehr als je zuvor in seiner Geschichte exportiert. Gilt der Titel des „Exportweltmeisters“ noch als Selbstläufer und ist er beständiger als der des Fußballweltmeisters?

NADJA MARSCHHAUSEN: Schon 2008 sind wir von den Chinesen als Exportweltmeister überholt worden. Wir spielen aber auf jeden Fall weiterhin in der Champions League, sind eine bedeutende Exportnation, und Exporte sind nach wie vor der Motor für unsere Wirtschaft und die Arbeitsplätze in Deutschland. Deshalb sind die Bemühungen der Politik um die Exportförderung extrem wichtig. Jeder vierte Arbeitsplatz hängt davon ab. Das ist kein Selbstläufer und will hart erarbeitet sein. Deutsche Unternehmer müssen Güter produzieren, die als Produkt und vom Preis her attraktiv für den Weltmarkt sind. Die Regierung kann sie mit geeigneten Instrumenten, zum Beispiel mit einer Exportkreditversicherung, in ihrem Bestreben unterstützen, nach draußen zu gehen. Solche Exportkreditversicherungen werden im Auftrag der Bundesrepublik Deutschland von der Euler Hermes Aktiengesellschaft als Mandatar des Bundes bearbeitet.

Welche aktuellen politischen Krisen wirken auf die Exportwirtschaft ein?

Wir beobachten neue Kriegs- und Krisenherde in der Welt: Viele Schwellen- und Entwicklungsländer sind politisch instabil; Handelskonflikte lassen Zweifel an dem für den Außenhandel so wichtigen gegenseitigen Vertrauen aufkommen.

Und wie wirkt sich das konkret aus?

Als Exporteur muss man sich fragen, ob sich das Projekt vor Ort überhaupt noch verwirklichen lässt. Funktioniert der grenzüberschreitende Warenverkehr? Kommt man noch in das Land rein, ist man in der Lage, die eigenen Güter etwa vom Hafen zum Projektstandort zu transportieren? Ist der Besteller unter dem Exportkredit morgen und übermorgen noch in der wirtschaftlichen Lage zu bezahlen? Wenn wir hier bei der KfW IPEX-Bank von Exporten reden, reden wir ja von langfristigen Projekten, im Schnitt über 12 bis 15 Jahre.

Ab welcher Größenordnung sollten Firmen ihre Exporte absichern?

Ich empfehle eine Absicherung unabhängig von der Höhe des Betrags. Wenn einem Großunternehmen ein Projekt in Milliardenhöhe ausfällt, ist das genauso in Existenznot wie ein kleiner oder mittelständischer Unternehmer, der einen Auftragswert von einer halben Million Euro hat. Grundsätzlich wichtig ist es, den typisch notwendigen Vorlauf einer Exportfinanzierung zu bedenken: Bevor der Kreditvertrag unterschrieben wird, rechnen wir mit 12 bis 18 Monaten Bearbeitungszeit; nicht weil wir langsam sind, sondern weil wir das Finanzierungspaket sehr individuell und maßgeschneidert für die Bedürfnisse eines Kunden strukturieren.

Zur Person
Nadja Marschhausen

Nadja Marschhausen (47) ist Abteilungsleiterin Strukturierungsberatung der KfW IPEX-Bank, einer hundertprozentigen Tochter der KfW. Die promovierte Juristin arbeitet seit 19 Jahren in unterschiedlichen Arbeitsbereichen für den Spezialfinanzierer, der für Projekt- und Exportfinanzierungen zuständig ist. Zur Arbeit fährt sie mit dem Rennrad, in ihrem Büro hängen vergrößerte Fotografien von ihren Reisen. Der Blick trifft auf die fragile Schönheit der Korallen im Great Barrier Reef (Australien) und auf die majestätischen Formationen des Antelope Canyon in Arizona. Vor dem Fenster liegt das satte Grün des Frankfurter Palmengartens.

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Mal angenommen ich bin Unternehmerin und möchte für eine Industrieanlage in China meine Spezialmaschinen exportieren; wie funktioniert das?

Im Regelfall bittet Sie der chinesische Besteller, Ihrem Angebot auch ein Finanzierungsangebot einer Bank beizufügen, damit er die Gesamtkosten des Exportgeschäfts beurteilen kann. Sie wenden sich also an die KfW IPEX-Bank – wir prüfen, ob eine Finanzierung zunächst grundsätzlich machbar ist. Dafür müsste es sich zum Beispiel um deutsche oder europäische Lieferungen, Leistungen oder Güter handeln. Im zweiten Schritt prüfen wir die wirtschaftliche Lage Ihres Bestellers in China, ob er den Kredit störungsfrei zurückzahlen kann. Wichtig ist auch, die gegebenenfalls erforderliche Umwelt- und Sozialverträglichkeitsprüfung frühzeitig zu starten. Werden Sie mit dem chinesischen Besteller schließlich handelseinig, kümmern sich unsere Experten um die Beantragung einer Exportkreditversicherung bei Euler Hermes. Nach Verhandlung und Abschluss des Kreditvertrags zwischen der KfW IPEX-Bank und Ihrem chinesischen Besteller ist der Exportkreditauszahlungsreif für Ihren Auftrag nach China. Sie bekommen dann von uns das Geld für die Lieferung Ihrer Maschine ausgezahlt.

Was passiert, wenn der Kredit platzt?

Als Unternehmerin sind Sie davon zunächst nicht unmittelbar betroffen. In der Regel erhalten Sie als Exporteur nach der typischen Anzahlung je nach Lieferfortschritt alle weiteren Zahlungen direkt aus dem Exportkredit. Sobald es Störungen in der späteren Rückzahlung des Kredits seitens des Bestellers gibt, kümmern wir uns als Bank um alles. Solche Zahlungsstörungen teilen wir dem Bund mit und nehmen die Schadensabwicklung unter der Exportkreditversicherung vor.

Wie oft kommt es zu solchen Ausfällen?

Glücklicherweise ist dies der Ausnahmefall. Wenn ein Staat mittels einer Exportkreditversicherung in ein Exportgeschäft involviert ist, beobachten wir eine erhöhte Zahlungsmoral und Zahlungsdisziplin. Der Bund hat im Vorjahr Entschädigungen für Schadensfälle im Umfang von weniger als 0,5 Prozent des Gesamtvolumens gezahlt. Dank der intensiven Vorprüfungen treten die Schadensfälle also sehr selten auf.

Wir finanzieren

Die KfW IPEX-Bank ist der Spezialfinanzierer für die deutsche und europäische Exportwirtschaft.

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Wer trägt die Kosten?

Für die Exportkreditversicherung fällt eine Prämie an. Das sind Kosten, die im Zusammenhang mit einer Finanzierung entstehen und die zahlt in Ihrem Beispiel der Besteller in China. Ohne Versicherung könnte ich Ihnen nur eine Kreditlaufzeit von zum Beispiel fünf Jahren anbieten; mithilfe einer Exportkreditversicherung ist eine längere Laufzeit von beispielsweise zehn Jahren darstellbar. Das ist ein großer Vorteil für den chinesischen Besteller, denn er kann den Kredit über eine längere Laufzeit abbezahlen. Verwechseln Sie eine Exportkreditversicherung aber nicht mit einem Rundum-sorglos-Paket: Nur wenig riskante, vertretbare Projekte erhalten eine Versicherungszusage. Außerdem stellt der Bund Sie als Versicherte nicht komplett von Risiken frei, es sind in der Regel nur 95 Prozent gedeckt. Sie und Ihr chinesischer Kunde sitzen folglich als Risikopartner in einem Boot.

Cargohalle Addis Abeda
Starthilfe

Der Neubau des Cargo-Terminals von Ethiopian Airlines in Addis Abeba wurde von der KfW IPEX-Bank unterstützt.

Gibt es Länder, in denen es besonders kritisch ist zu investieren?

Tendenziell sind besonders Schwellen- und Entwicklungsländer von Krisenherden, Instabilitäten und größeren Risiken für die Abwicklung des Außenhandels geprägt. Gleichzeitig finden Sie dort gegenüber den etablierten Märkten aber auch neue Geschäftsmöglichkeiten und Wachstumspotenziale. Afrika und speziell die „Compact with Africa“-Initiative der G20 sind ein klassisches Beispiel: Der schwarze Kontinent ist traditionell eher ein Absatzmarkt und Rohstofflieferant. Für die Zukunft gefragt ist aber eine gleichberechtigte und auf Dauer angelegte Partnerschaft, die allen Beteiligten gleichermaßen zugutekommt. Dazu gehört, die Bedingungen für Handel und Privatinvestitionen zu verbessern und gleichzeitig die Grundlagen für Arbeitsplätze und Wohlstand der Bevölkerung zu schaffen.

Dann sind Exportkredite auch eine Art von Entwicklungshilfe, weil sonst niemand in diesen Ländern investieren würde?

Sie sind eine Hilfe dafür, dass sich dort auch eine heimische Industrie und damit Wohlstand entwickelt. Etwa der Ausbau der Schieneninfrastruktur Äthiopiens oder der Neubau des hochmodernen Cargo-Terminals von Ethiopian Airlines in Addis Abeba sind von uns finanzierte langlebige Investitionen, die dem Land helfen.

Sind politische Krisen für Sie heute ein größeres Geschäftsrisiko als zahlungsunfähige Geschäftspartner der deutschen Wirtschaft?

Das wird zunehmend so. Wir hatten viele Jahrzehnte, in denen wirtschaftliche Risiken im Vordergrund von Schadensfällen lagen. Es mehren sich jetzt wieder die Fälle, in denen es politische Risiken sind. Aber das ist nicht ungewöhnlich. Solche Zyklen waren auch schon in der Vergangenheit zu beobachten.

Was gefällt Ihnen ganz besonders an Ihrem Job?

Es ist nicht mehr leicht, heute Banker zu sein. Was mir jedoch an dieser Bank gefällt, ist der Bezug zur Realwirtschaft. Wir begleiten konkrete Projekte, wir sehen sie wachsen, man kann sie anfassen. Mich fasziniert deren Vielfalt, die volumenmäßig von Kreuzfahrtschiffen der deutschen Meyer-Werft bis hin zu Umrüstungen von Ambulanz- und Rettungswagen für Ghana reicht. Wir finanzieren in alle Himmelsrichtungen, ob es die weltweit größten Gas- und Dampfkraftwerke von Siemens in Ägypten sind oder argentinische Windparks mit Windenergieanlagen des dänischen Herstellers Vestas. Es macht stolz, auf Reisen auf etwas zu zeigen und sagen zu können: Da waren wir als Finanzierer mit dabei! Und ich bin sicher, dieses Gefühl wird anhalten, denn wir als KfW IPEX-Bank unterstützen mit unseren Krediten die realwirtschaftliche Entwicklung unserer Zukunft.

So funktioniert die deutsche Exportkreditversicherung („Hermesdeckung“):

Hermes Deckung

Auf KfW Stories veröffentlicht am: Dienstag, 17. September 2019