Mitarbeiterinnen des Unternehmens Fichtner Water & Transportation
Afghanistan

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Aufklärung für sauberes Wasser

Viele Familien in Kabul haben keinen Zugang zu sauberem Wasser. Die staatliche Wasserbehörde versorgt dort gerade mal rund 16 Prozent der Haushalte. Nun wird über die Wasserversorgung der afghanischen Hauptstadt aufgeklärt und der Zugang zu sauberem Wasser ausgebaut.

Video: In Kabul wird über die Wasserversorgung der afghanischen Hauptstadt aufgeklärt und der Zugang zu sauberem Wasser ausgebaut (KfW Bankengruppe/Breuer).

Es ist bereits das zehnte Haus, an dem Zeban Nikzada und Halima Sadat um 8.30 Uhr an diesem Morgen klopfen. „Dürfen wir kurz mit Ihnen über Ihre Wasserversorgung sprechen?“, fragt Halima Sadat, als ein Mann das Tor zu seinem Innenhof in der Kabuler Nachbarschaft Taimani öffnet. Der Mann bittet die Frauen herein, die in den Händen Broschüren und ein Clipboard tragen, auf dem sie alle wichtigen Informationen notieren: Wer wohnt hier? Woher bekommt der Haushalt sein Wasser? Und ist die Familie beim staatlichen Wasserversorger registriert?

Zeban Nikzada und Halima Sadat arbeiten für eine Aufklärungskampagne des staatlichen Unternehmens für Wasserver- und Abwasserentsorgung (AUWSSC), die von der weltweit tätigen Ingenieurgesellschaft Fichtner Water & Transportation durchgeführt wird. Finanziert von der KfW, USAID und der französischen Entwicklungsagentur AFD arbeitet AUWSSC daran, die Wasserversorgung der afghanischen Hauptstadt auszubauen.

Das ist dringend nötig. Zugang zu sauberem Wasser ist ein Menschenrecht. Und obwohl sich die Versorgungslage in Afghanistan seit dem Sturz der Taliban 2001 kontinuierlich verbessert hat, versorgt die Wasserbehörde in Kabul derzeit nur 16 Prozent der Haushalte. Die Mehrheit der Bevölkerung greift auf private Anbieter zurück oder besitzt eigene Brunnen. Andere Familien haben gar keinen Wasseranschluss. Die circa vier Millionen Einwohner der Hauptstadt haben überdies damit zu kämpfen, dass der Grundwasserspiegel seit Jahren kontinuierlich sinkt. Viele Familien müssen immer tiefere Brunnen graben, um überhaupt noch an Wasser zu gelangen. Ein weiteres Problem ist die Qualität des Wassers: Es ist oft von Bakterien kontaminiert. Viele Menschen trinken es trotzdem, weil sie an die mindere Qualität gewöhnt sind oder sich sauberes Wasser nicht leisten können.

Beraterinnen für Wasserversorgung in Kabul

Halima Sadat (links), Zeban Nikzada (Mitte) und eine weitere Kollegin besuchen die Einwohner von Kabul und befragen sie zu ihrer Wasserversorgung. Die Frauen arbeiten für eine Aufklärungskampagne des Unternehmens Fichtner Water & Transportation.

Sauberes Trinkwasser für 90.000 Einwohner

Diese Probleme geht die Wasserbehörde als Partner der KfW jetzt an. In einem Projekt, das der Geschäftsbereich KfW Entwicklungsbank im Auftrag der Bundesregierung mit 67,9 Millionen Euro unterstützt – insgesamt engagieren sich KfW, USAID und AFD mit rund 94 Millionen Euro –, sollen nahezu 90.000 weitere Einwohner Kabuls Zugang zu sauberem Trinkwasser bekommen. Dafür arbeiten die Kooperationspartner an einem Drei-Stufen-Plan. Im Südosten von Kabul, an der Grenze zur Provinz Logar, wurden in den ersten beiden Phasen elf Brunnen gebohrt. Das Wasser wird aus den Brunnen über eine Zwischenpumpstation zu einem der Hauptreservoire in der Innenstadt von Kabul geleitet. Dort wird es über primäre und sekundäre Leitungen und letztendlich Hausanschlüsse verteilt.

Diesem Projekt gilt die Aufklärungsarbeit der Mitarbeiterinnen von Fichtner: Sechs Tage die Woche befragen sie Haushalte in den Stadtvierteln Kabuls. In Zweierteams gehen sie von Tür zu Tür und informieren die Menschen über die Möglichkeit, sich an die neue Trinkwasserleitung anschließen zu lassen. Sie erläutern, was im Hygienebereich zu beachten ist, registrieren, wo neue Anschlüsse gelegt werden müssen, beantworten Fragen und haben ein offenes Ohr für spezielle Anliegen zum Thema Wasserversorgung. 15 Haushalte besucht jedes Team pro Tag. Seit dem Start des Projekts 2016 haben die Teams rund 9.000 Haushalte erreicht.

Einer der Hauptverantwortlichen, der den Bau des Großprojekts überwacht, ist Ingenieur Hamid Abdul Tapand. Tapand arbeitet für AUWSSC und sorgt dafür, wie er sagt, „dass alles nach Plan läuft“. Im Bau befinden sich noch die Pumpstation und das Reservoir. Mindestens zweimal die Woche fährt Tapand zu den Baustellen, um den Fortschritt der Arbeiten zu überprüfen und die Einhaltung der Qualitätsstandards sicherzustellen. Der Weg zu der Pumpstation im Südosten Kabuls führt vorbei an Lehmhütten und grünen Feldern, auf denen Kürbis, Mais, Karotten und Zucchini angebaut werden. „Der Vorteil der Brunnen in dieser Lage ist, dass hier die Grundwassererneuerung teilweise über den Fluss erfolgt und damit stabiler ist“, erklärt Tapand die Wahl des Standorts. Sieben der bereits gebohrten Brunnen im Umland werden in der aktuell laufenden Phase mit Pumpen und elektromechanischer Ausrüstung versehen, 40 bis 60 Meter tief verläuft im Durchschnitt der Grundwasserspiegel. Auch die Rohre sind bereits verlegt: von den Brunnen zur Pumpstation und von der Pumpstation in die Stadt zum Reservoir – „11.962 Meter exakt“, sagt Tapand. Der Ingenieur liebt Zahlen und Daten. Er notiert sie sich fein säuberlich in seinem Notizbuch, das er immer bei sich trägt.

Ingenieur Hamid Abdul Tapand
„Wenn die Menschen sauberes Wasser haben, wird ihr Leben leichter, ihre Gesundheit besser.“

Hamid Abdul Tapand, Ingenieur des staatlichen Unternehmens AUWSSC

Ingenieur Hamid Abdul Tapand

Ingenieur Hamid Abdul Tapand zeigt von einem Hügel in der Innenstadt über Kabul.

Sicherheitslage erschwert Projekte

Auf der Baustelle der Pumpstation arbeiten rund 40 Männer bei 30 Grad und staubiger Luft. Tapand beaufsichtigt die Arbeiten und unterhält sich mit dem Polier der Baufirma. Es ist ihm wichtig, in jeden Schritt involviert zu sein. „Wenn ein Bauunternehmen angibt, bisher 60 Meter Rohre verlegt zu haben, prüfe ich es nach“, sagt er. Häufig werde der Fortschritt übertrieben dargestellt, was zu Komplikationen in der weiteren Planung führe. Bislang war geplant, das Projekt bis 2021 zu beenden. Tapand schätzt, dass sich das Fertigstellungsdatum auf das Jahr 2022 verschieben könnte. Das ist nicht unüblich in einem Land wie Afghanistan. Politische Umbrüche, die Koordination verschiedener Unternehmen und vor allem die prekäre Sicherheitslage machen Großprojekte wie dieses zu einer großen Herausforderung.

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Auch der Bau des Reservoirs in der Kabuler Innenstadt hat sich aufgrund von politischen Differenzen um den genauen Standort verzögert. Doch inzwischen schreitet der Bau der beiden Wasserspeicher voran, die mehr als 5.000 Kubikmeter Wasser fassen werden. Sie liegen auf dem Hügel von Wazir Akbar Khan, im Zentrum von Kabul. Von hier aus kann man die ganze Stadt überblicken. Genau das tut Tapand am Nachmittag. Er deutet auf die Häuser in der Ferne, die bald mit hygienisch einwandfreiem Wasser versorgt werden. „In Afghanistan haben wir immer mit Problemen zu kämpfen“, sagt er, „aber wenn die Menschen erst einmal sauberes Wasser haben, wird ihr Leben leichter, ihre Gesundheit besser. Und zu diesem besseren Leben tragen wir mit unserer Arbeit jeden Tag einen Teil bei.“

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Alle Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen verabschiedeten im Jahr 2015 die Agenda 2030. Ihr Herzstück ist ein Katalog mit 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung, den Sustainable Development Goals (SDGs). Unsere Welt soll sich in einen Ort verwandeln, an dem Menschen ökologisch verträglich, sozial gerecht und wirtschaftlich leistungsfähig in Frieden miteinander leben können.

Auf KfW Stories veröffentlicht am 13. Februar 2020.