Peter Altmaier
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„Start-ups entwickeln sich zum Jobmotor”

Der Bundesminister für Wirtschaft und Energie Peter Altmaier erzählt im Interview, wie die Bundesregierung den Technologiestandort Deutschland stärken möchte und welche Rolle Wagniskapital dabei spielt.

Zur Person
Peter Altmaier

Peter Altmaier ist seit 2018 Bundesminister für Wirtschaft und Energie. Derzeit ist er zugleich Vorsitzender des Verwaltungsrats der KfW.

Wie hat sich die Start-up-Szene in Deutschland in den letzten Jahren entwickelt? Welche Stärken und welche Schwächen sehen Sie?

Peter Altmaier: In den letzten Jahren haben sich Start-ups in Deutschland immer mehr zum Jobmotor entwickelt. Als Treiber für Innovationen geben sie der etablierten Wirtschaft wichtige Impulse. International hat der Start-up-Standort Berlin viel Aufmerksamkeit bekommen – andere Städte wie München, Hamburg und Köln und Regionen wie das „Silicon Saxony“ ziehen jetzt nach. Die Ideen sind da, auch an klugen Köpfen mangelt es meist nicht. Nachholbedarf sehe ich vor allem bei der Finanzierung, insbesondere bei großvolumigen Finanzierungsrunden in der Wachstumsphase.

Warum ist es aus Ihrer Sicht wichtig, Deutschland als Investitionsstandort für Wagniskapital zu stärken? Was tut die Bundesregierung, um Deutschland als Investitionsstandort für Wagniskapital attraktiver zu machen?

Die Förderung des deutschen Wagniskapitalmarktes ist kein Selbstzweck. Im Fokus unserer Agenda für Venture Capital (VC) stehen Start-ups und innovative Unternehmen. Deutschland ist auf ihren Input angewiesen. Um Erfolg zu haben, brauchen Start-ups ein attraktives Finanzierungsumfeld. Wagniskapital spielt dabei eine entscheidende Rolle. Denn digitale Lösungen und Geschäftsmodelle müssen schnell skaliert werden, um im Markt erfolgreich zu sein. Wir führen deshalb unsere erfolgreichen Förderinstrumente wie etwa den Hightech-Gründerfonds und coparion fort. Von der Gründung der KfW Capital erwarten wir uns jetzt weitere wichtige Impulse für den VC-Markt.

Venture Capital

Von Venture Capital wird gesprochen, wenn Investoren sich an jungen Unternehmen beteiligen, die sich noch nicht am Markt etabliert haben, aber vielversprechend sind. Der Investor unterstützt die Gründer mit Beteiligungskapital in der Hoffnung auf eine hohe Rendite. Da eine positive Entwicklung eines so jungen Unternehmens jedoch alles andere als sicher ist, muss immer auch mit einem Totalverlust gerechnet werden. Mit gutem Grund wird daher von Wagniskapitalfinanzierungen gesprochen. Mit einer Investition in einen Venture-Capital-Fonds, der sich nicht nur an einem, sondern an mehreren junge Unternehmen beteiligt, lässt sich das Risiko immerhin streuen.

Das ERP-Sondervermögen gehört zu den intelligentesten Finanzierungsinstrumenten der deutschen Nachkriegsgeschichte. Worin besteht Ihrer Meinung nach die besondere Stärke?

Das ERP-Sondervermögen unterstützt die deutsche Wirtschaft seit dem Jahr 1948 mit Finanzmitteln. Hierfür wurde nach Beendigung des Marshallplans das ERP-Sondervermögen zu einem revolvierenden Fonds für langfristige Investitionskredite ausgestaltet. Das heißt, die Mittel werden in Form von zinsgünstigen, langfristigen Krediten ausgegeben und fließen verzinst zurück, sodass sie im Anschluss für weitere Finanzierungen eingesetzt werden können. Die besondere Stärke des Sondervermögens liegt für mich deshalb zunächst in der Verlässlichkeit und Kontinuität, mit der wir die deutsche Wirtschaft unterstützen können. Gerade auch in Krisenzeiten.

Aus meiner Sicht liegt die besondere Stärke aber auch in der Entwicklung, die das ERP-Sondervermögen zwischenzeitlich genommen hat, um es als schlagkräftiges Instrument der Wirtschaftsförderung zu erhalten. So dienen mittlerweile erhebliche Kapitalbestandteile des Sondervermögens der KfW als Eigenkapital, und es ist uns somit gelungen, mit der KfW eine starke nationale Förderbank zu etablieren, um die wir auf der ganzen Welt beneidet werden. Zum anderen ist es uns gelungen, mit dem ERP-Sondervermögen dem so wichtigen Markt für Wagniskapital einen bedeutsamen Wachstumsschub zu geben.

Venture Debt

Venture Debt bezieht sich wie Venture Capital auf die Finanzierung eines jungen Unternehmens. Im Unterschied zu Venture Capital ist Venture Debt ein Fremdkapitalinstrument. Start-ups müssen regelmäßig Zins- und Tilgungszahlungen an die Investoren leisten.

Sehen Sie neben der Bereitstellung von Wagniskapital noch andere Möglichkeiten zur Stärkung des Technologiestandorts Deutschland?

Eine Möglichkeit ist die Stärkung von Sprunginnovationen. Die Bundesregierung hat im August Eckpunkte für die Gründung einer Agentur für Sprunginnovationen verabschiedet. Ab 2020 gehen wir von einem Finanzbedarf in Höhe von circa einer Milliarde Euro über zehn Jahre aus. Das Bundeswirtschaftsministerium wird sich vor allem mit Blick auf die wirtschaftliche Verwertung von Sprunginnovationen in die Agentur einbringen. Wir setzen Schwerpunkte auf den Transfer von Ideen in den Markt, das Scouting guter Ideen und der dazugehörigen Köpfe für wirtschaftsrelevante Zukunftsthemen und die Anbindung der Agentur an den European Innovation Council der EU.

Zusätzlich wird sich das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit dem Schwerpunkt Grundlagenforschung einbringen. Das operative Geschäft der Agentur, das heißt Ausschreibung und Durchführung von Wettbewerben und Spitzenprojekten, wird dann 2019/2020 starten.

Auf KfW Stories veröffentlicht am: Dienstag, 9. Oktober 2018