Bauarbeiter auf der Baustelle eines neuen Flughafens
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Remote Monitoring in Afghanistan

Um Gutachter seltener in Gefahrengebiete schicken zu müssen, setzt Projektmanagerin Johanna Joerges das Remote Monitoring Tool ein. Zum Beispiel in Afghanistan. Mithilfe der App kommt sie an Daten und Statistiken, um den Fortschritt von Infrastrukturprojekten vor Ort bewerten zu können.

Zur Person
Portrait von Johanna Joerges auf dem Balkon eines Frankfurter Unternehmens

Johanna Joerges ist Projektmanagerin für den Bereich „Governance and Peace Asia“ im Geschäftsbereich KfW Entwicklungsbank.

Ich bin Starthelfer für …

… das Remote Monitoring Tool. Das ist eine App, die uns hilft, kleine Infrastrukturprojekte in riskanten Gebieten zu realisieren – ohne dabei unsere Monitoring Consultants in Gefahr zu bringen. Die App nutzen wir vor allem bei dem Stabilisierungsprogramm Nordafghanistan. Die Sicherheitslage hat sich bekanntlich sehr verschlechtert, so dass unsere Kollegen, die wir vereinzelt noch ins Land schicken, ihrer Arbeit kaum noch nachgehen können.

Wem nützt das Projekt?

In erster Linie der lokalen Bevölkerung. Dank der App sind wir nicht gezwungen, die Bauprojekte abzubrechen. Und uns nützt das Remote Monitoring, weil wir aus der Ferne kontrollieren können, welche Fortschritte die Projekte machen. Dies unterstützt uns auch dabei, das Auswärtige Amt, als Auftraggeber des Programms, zeitnah und präzise zu informieren.

Wie funktioniert das Monitoring?

Bei jedem Projekt arbeiten wir mit einer lokalen Organisation, einer NGO, zusammen. Deren Mitarbeiter überwachen die Arbeit vor Ort. Sie geben die Informationen, die wir brauchen, in die App auf ihren Smartphones ein. Das sind vor allem Fotos und Einschätzungen, mit denen die Kollegen die einzelnen von uns definierten Bauphasen dokumentieren.

Landkarte Afghanistan
Nordafghanistan

Seit 2010 finanziert die KfW im Auftrag des Auswärtigen Amts ein Stabilisierungsprogramm für Nordafghanistan, bei dem zum ersten Mal das App-basierte Remote Monitoring eingesetzt wird. 374 Infrastrukturprojekte werden derzeit auf diese Weise erfasst, darunter 146 Schulen und 19 Gesundheitszentren. Im Schnitt werden etwa 300.000 Euro in jedes Bauvorhaben investiert.

Wir besitzen außerdem sämtliche geographischen Koordinaten, so dass wir sichergehen können, welche Fotos von welcher Baustelle stammen. Aber das Remote Monitoring kann noch mehr.

Zum Beispiel?

Die App liefert uns interessante Statistiken. Wir können auf einen Blick sehen, wo es Verzögerungen gibt oder welche Projekte fertig sind. Vorher musste ich für diese Informationen viel herumtelefonieren. Außerdem hat die lokale Bevölkerung die Möglichkeit, über die App direkt Feedback zu geben.

Hat die KfW die App entwickelt?

Nein, das Tool war bereits auf dem Markt und wurde schon von anderen Hilfsorganisationen genutzt. Der Anbieter hat es allerdings auf unsere Bedürfnisse zugeschnitten.

Die größte Herausforderung?

Wir mussten bei den lokalen NGO sehr für diese App werben – immerhin ist dies eine ganz neue Art der Kontrolle. Aber die App nützt auch den Mitarbeitern vor Ort, denn sie können so gegenüber anderen Geldgebern Erfahrung mit dem Remote Monitoring nachweisen.

Die KfW fördert

Der Geschäftsbereich KfW Entwicklungsbank fördert weltweit zahlreiche Projekte in Krisenherden.

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Was macht Ihnen Freude?

Den Menschen vor Ort fehlt es meist an ganz einfachen Dingen: gute Straßen, damit sie im Notfall schnell ins Krankenhaus kommen, oder stabile Schulgebäude, in denen die Kinder auch im Winter lernen können. Es ist schön, das zu realisieren.

Quelle
Cover CHANCEN Erfolg in der digitalen Welt

Dieser Artikel ist erschienen in CHANCEN Frühjahr/Sommer 2017 „Erfolg in der digitalen Welt“.

Zur Ausgabe

Wie geht es weiter?

Auch wenn ich die App fortführen will, kann nichts den persönlichen Kontakt ersetzen. Ich hoffe, dass wir irgendwann unsere Teams wieder gefahrlos in die ganze Region schicken können.

Auf KfW Stories veröffentlicht am: Mittwoch, 14. Juni 2017

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