Illustration von Jan Weiler
Kolumne

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Die Panorama-Fotobox, die kombinierte Wasch- und Spülmaschine für engen Wohnraum oder die Dunstabzugsorgel: Unser Kolumnist Jan Weiler macht sich Gedanken über fehlenden Mut, Geschäftsideen umzusetzen.

Der Autor
Porträtfoto des Kolumnisten Jan Weiler

Jan Weiler ist Journalist gewesen, bevor er mit liebevoll-scharfsinnigen Beobachtungen auf sehr unterhaltsame Weise Bücher gefüllt hat. „Das Pubertier“ oder „Maria, ihm schmeckt’s nicht“ wurden Bestseller.

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Es gehört ziemlich viel Mut dazu, eine Firma zu gründen. Ich weiß das deswegen so genau, weil mir dieser Mut leider immer gefehlt hat. Ich habe mich einfach nicht getraut. Dabei hatte ich ziemlich viele gute Ideen.

Zum Beispiel die Panorama-Fotobox, die ich mal ersonnen habe. Das war im Grunde eine Passbildbude, aber ohne Rückwand. Ich dachte, es sei eine gute Idee, die man patentieren müsste, um dann überall auf der Welt solche Fotoboxen aufzustellen. In Pisa, am Eiffelturm, am Grand Canyon, vor Schloss Neuschwanstein. Die Kunden hätten sich allein oder zu zweit hineingesetzt und ein Foto vor berühmter Kulisse gemacht.

Ich hätte vor Ort Leute beschäftigt, die die Filme wechseln und das Gerät warten sollten. Dafür hätte ich sie am Gewinn beteiligt. Dann hätte ich Lizenzen vergeben und mich für jedes Foto mit zehn Pfennig beteiligen lassen. Ich rechnete: Bei täglich ungefähr zehn Millionen Fotos (ich dachte groß) wären das 365 Millionen Mark Lizenzgebühren pro Jahr. Ich wäre reich. Steinreich. Ich wäre 20 Jahre alt und ein gemachter Mann. Und bis zur Einführung des iPhone vergingen von da ab noch mal 20 Jahre. Bis zum Exitus meines Geschäftsmodells hätte ich annähernd vier Milliarden Euro verdient.

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Jan Weiler liest seine Kolumne vor (KfW Bankengruppe/Jan Weiler).

Bei anderer Gelegenheit ersann ich eine Bratpfanne für Schlemmerfilet à la Bordelaise und eine kombinierte Wasch- und Spülmaschine für enge Wohnungen. Nichts davon habe ich zur Marktreife gebracht, aber ich bin bis heute der Ansicht, dass jede dieser Ideen mich midasartig reich gemacht hätte. Wenn ich bloß den Mut besessen hätte, meine Träume Wirklichkeit werden zu lassen. Dann gäbe es wahrscheinlich auch heute in jedem besseren Haushalt meine Dunstabzugsorgel. Mit dem Abwind beim Kochen, so dachte ich einmal, könnte man Dudelsäcke oder Orgelnbeschicken. Dudelnd kochen hätte ein Trend werden können, wenn, ja wenn ich den Mut besessen hätte, meine Geschäftsideen durchzusetzen.

Ich habe auch einige Gastro-Konzepte ersonnen, weil ich die Ketten, die es schon gibt, nicht besonders mag. Das Essen ist meistens miserabel, und man kann sich auf seine Franchisenehmer nicht verlassen. Ich hätte also eine Restaurantkette aufgezogen, in der es ganz einfach: nichts zu essen gegeben hätte. Getränke ja, aber nichts zu essen außer Nüsschen und Chips. Ein Freund verdarb mir die Idee mit dem kleinlichen Hinweis, dieses Konzept würde bereits weltweit erfolgreich umgesetzt und nenne sich „Bar“. Besserwisser!

Quelle
Cover CHANCEN 2017

Dieser Artikel ist erschienen in CHANCEN Herbst/Winter 2017 „Mut“.

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Eine andere Idee hingegen harrt noch ihrer Umsetzung: eine Kette, in der es ausschließlich Diät-Essen gibt. Denn: Die meisten Menschen, die eine Diät machen, können nicht ausgehen. Besonders mittags ist das Leben für sie unangenehm, wenn sämtliche Kollegen loszischen, um zu essen, während sie mit ihrer Rohkostdose einsam am Arbeitsplatz hocken. Das muss nicht sein! In meinen Restaurants gibt es Speisekarten für jede gängige Diät: Brigitte, Montignac, Low Carb, Glyx, Atkins, Weight Watchers. You name it. Ich finde, das ist eine sehr gute Idee. Für alle Gäste, die nicht auf Diät sind, gibt es bei mir Pommes, Torte und Cola. Gut. Vielleicht ist Letztere keine ganz gute Idee, aber man will schließlich jeden mitnehmen. Der Name der Kette lautet: „Zur kleinen Kalorie“. Ich suche ab sofort solvente Partner. Na, haben Sie Mut?

Auf KfW Stories veröffentlicht am: Montag, 5. Juni 2017