Porträts von Bernd Fertig, Joachim Prieß und Volker Schmidt
Covid-19 Response

Covid-19 Response

Wir stehen euch bei

Weltweit sind DEG-finanzierte Unternehmen von den Auswirkungen der Pandemie betroffen. Um die Folgen vor Ort zu mildern und ihre Kunden umsichtig durch die Krise zu begleiten, hat die KfW-Tochter verschiedene Covid-Response-Maßnahmen entwickelt. Drei Berichte aus Mittel- und Südamerika sowie Nordafrika.

Porträt von Bernd Fertig

Bernd Fertig ist Projektmanager und Geschäftsführer am Kompetenzzentrum Rettungswesen und Luftrettung der medDV in Lima, Peru.

Notfallmedizin für Peru

Peru ist sehr stark vom Coronavirus betroffen, auch viele Ärzte und Pflegekräfte infizieren sich. Allein im Regionalkrankenhaus der Stadt Iquitos im tropischen Regenwald sind 15 von 40 Ärzten an Covid-19 verstorben. Sowohl in den Krankenhäusern als auch beim Patiententransport mangelt es oft an wirksamen Maßnahmen zur Eindämmung der Infektionen.

2018 hatten wir mit Unterstützung der DEG aus Mitteln des develoPPP.de-Programms des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung mit dem Aufbau des Kompetenzzentrums für Rettungswesen und Luftrettung in Lima begonnen, ursprünglich wegen der vielen Schwerverletzten infolge von Busunglücken. Und gerade jetzt, wo das Zentrum wegen Corona besonders dringend gebraucht wird, ist es einsatzbereit! Neben hoch qualifiziertem Rettungsdienstfachpersonal bilden wir auch Multiplikatoren für die Behandlung von Corona-Patienten aus. Diese geben das erhaltene Wissen an bis zu 100.000 Kollegen und Kolleginnen weiter.

Wir fördern

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) fördert unternehmerische Maßnahmen, die die negativen Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie in Entwicklungs- und Schwellenländern abmildern über das Programm develoPPP.de.

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Mit Unterstützung der DEG konnten wir aus dem Kompetenzzentrum heraus auch spezielle Hilfsangebote für das Corona-Problem schaffen: Ende Mai haben wir 50 Beatmungsgeräte aus Deutschland eingeflogen. Sie wurden sofort vom Flughafen zu den Krankenhäusern gebracht, dort gab es extreme Mängel. In unseren Schulungen geht es um die zielgerichtete Behandlung und den Intensivtransport von Corona-Patienten. Oft wird zum Beispiel zu früh beatmet, dann haben die Patienten unter schweren Folgeproblemen zu leiden. Und viele Piloten hatten sich geweigert, überhaupt Corona-Patienten zu fliegen! Mehr als ein Drittel der Peruaner aber leben in extrem schwer zugänglichen Gebieten. Wer kritisch erkrankt, muss ausgeflogen werden – oder stirbt. Nun schirmen Folien den Bereich der Piloten von dem des Behandlungspersonals hermetisch ab. So wird das Virus beim Transport nicht weiterverbreitet.

Vielleicht tragen unsere Maßnahmen ein bisschen dazu bei, dass die Zahl der Neuinfektionen sinkt.

Porträt von Joachim Prieß

Joachim Prieß ist Geschäftsführer der Kaschke Components GmbH in Göttingen, Deutschland.

Arbeitsplätze sichern in Tunesien

Die Kaschke Components GmbH entwickelt und produziert kundenspezifische induktive Bauelemente, die Verwendung in elektrischen Kreisläufen unter anderem von Industrierobotern, Waschmaschinen, Elektroautos oder in der Medizintechnik finden. Seit über 40 Jahren produzieren wir in Tunesien. Aktuell haben wir dort fünf Werke mit insgesamt 1.800 Beschäftigten. 90 Prozent sind Frauen, die zum Teil schon in der zweiten Generation zur „Kaschke-Familie“ gehören.

Noch Ende Februar lief in Tunesien alles in gewohnten Bahnen. Als deutlich wurde, dass das Coronavirus auch dort in Erscheinung tritt, verordnete die tunesische Regierung am 16. März den Shutdown. Von einem Tag auf den anderen mussten alle Firmen ihre Tätigkeiten einstellen. Ausländische Unternehmen wurden verpflichtet, Löhne und Gehälter aller Mitarbeiter voll weiterzuzahlen, da es Lohnersatzleistungen in Tunesien nicht gibt. Der Shutdown endete Anfang Juni. In dieser Zeit war der Kredit über AfricaConnect – ein DEG-Programm, das europäische Unternehmen dabei unterstützt, in Afrika zu investieren – ein Segen. Unsere 900 befristeten Beschäftigten hätten sonst nicht weiter im Unternehmen gehalten werden können, über zwei Monate hätten sie kein Geld bekommen. Diese Frauen ernähren ihre Familien, sind daher auf ihre Arbeitsplätze angewiesen. Über den Kredit konnten wir alle Löhne weiterzahlen. Bei 1.800 Mitarbeitern steigt die Lohnsumme schnell auf ein bis zwei Millionen Euro.

Wir fördern

AfricaConnect unterstützt europäische Unternehmen bei bestehenden und geplanten Engagements in Afrika. Das Programm ist Bestandteil des Entwicklungsinvestitionsfonds. Die finanziellen Mittel dafür stellt das BMZ bereit.

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Bisher haben wir als mittelständisches Unternehmen keine Kredite für Tunesien bekommen – nicht einmal über den Weg der Bundesgarantie, bei der die Banken gegen große Risiken im Ausland abgesichert gewesen wären. Das Geld für Investitionen mussten wir stets aus der Liquidität in Deutschland ziehen. Um in Tunesien wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen wir viel investieren. Wir bilden Mitarbeiter aus und schaffen neue Arbeitsplätze. Mit AfricaConnect und der DEG haben wir zum ersten Mal wirkliche Unterstützung erfahren. Dieses Vertrauen und diese Flexibilität bei der Verwendung des Kredits inmitten einer so großen Krise haben uns sehr geholfen, unseren Mitarbeitern weiterhin eine Existenzgrundlage zu geben.

Porträt von Volker Schmidt

Volker Schmidt ist Agraringenieur und Projektmanager beim Öko-Importeur BioTropic in La Fortuna, Costa Rica.

Schutz für Erntehelfer in Costa Rica

In unserer Zweigniederlassung in Costa Rica produzieren und verarbeiten wir frischen Bio-Ingwer und frische Bio-Kurkuma und exportieren dann nach Europa. Die Produzenten sind Kleinbauern der Umgebung, insgesamt bewirtschaften sie 35 Hektar Land. Wir unterstützen sie beim Bio-Anbau und geben Abnahmegarantien – seit 2018 auch gefördert im Rahmen eines develoPPP.de-Vorhabens mit der DEG. Als Corona begann, bot die DEG von sich aus zusätzliche Hilfe an. Allein hätten wir nicht in der Form für die Sicherheit unserer Arbeiter sorgen können, wie es uns jetzt möglich ist.

Die Lage in Costa Rica ist dramatisch, und die Corona-Hotspots liegen gerade hier um La Fortuna herum. Viele Nicaraguaner kommen über die nahe gelegene grüne Grenze nach Costa Rica, um hier Arbeit zu finden oder Verwandte zu besuchen. In Nicaragua aber wütet das Virus. Die Menschen dort können nichts dafür, die Regierung nimmt es nicht ernst! Auch die Erntehelfer unserer Kleinbauern und die Frauen in der Packstation stammen aus Nicaragua.

Quelle
Titelbild des CHANCEN-Magazins Herbst/Winter 2020

Dieser Artikel ist erschienen in CHANCEN Herbst/Winter 2020 „Jäger des Virus“.

Zur Ausgabe

Mithilfe der DEG konnten wir aufwendige Schutzmaßnahmen realisieren, etwa den Umbau der Packstation, private Transportmöglichkeiten, den Bau von Besucherhäusern. Und natürlich sind wir nun in der Lage, Hygieneausrüstung bereitzustellen. Eine Mitarbeiterin besucht die Arbeiter zu Hause, verteilt Masken und stellt sicher, dass Seife und Desinfektionsmittel da sind. Bisher hatten wir Glück: Zwar waren schon Arbeiter von uns in Quarantäne, aber es gab noch keinen positiven Fall.

Durch die Corona-Krise haben in Costa Rica viele Menschen ihre Arbeit verloren, von einem Tag auf den anderen sind sie dann bettelarm. Für uns ist das Weiterarbeiten aufwendig und teuer geworden, aber auch dank der Unterstützung der DEG mussten wir niemandem kündigen. Unsere Arbeiter und Arbeiterinnen sind oft die einzigen, die in ihrer erweiterten Familie überhaupt noch Geld verdienen. Von ihren 60 Löhnen müssen jetzt über 600 Menschen satt werden.

Auf KfW Stories veröffentlicht am 29. Oktober 2020.