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Pressemitteilung vom 01.06.2021 / KfW

KfW-ifo-Fachkräftebarometer: Fachkräftemangel nimmt im Frühjahr deutlich zu

  • Fast ein Viertel aller Unternehmen beklagen Beeinträchtigung der Geschäftstätigkeit aufgrund von fehlendem Fachpersonal
  • Betroffenheit verdoppelt sich im Vergleich zum Vorjahr, weitere Engpässe stehen bevor
  • Mittelstand stärker betroffen als Großunternehmen

Der Fachkräftemangel in Deutschland nimmt im Frühjahr 2021 weiter zu – trotz des Lockdowns mit Einschränkungen des Geschäftsbetriebs vieler Unternehmen. Im April 2021 sahen sich 23,7 % aller Firmen durch Fachkräftemangel beeinträchtigt. Damit hat die Fachkräfteknappheit noch nicht wieder ganz das Ausmaß vor der Covid19-Pandemie erreicht (29,1 % im ersten Quartal 2020), der Trend zeigt aber steil nach oben. Im Vergleich zum Vorjahresmonat hat sich der Fachkräftemangel sogar verdoppelt (11,9 %) – allerdings gab es zu Beginn der Corona-Krise im April 2020 noch deutlich weitergehende Eindämmungsmaßnahmen als zurzeit.

Zugenommen hat der Fachkräftemangel seit Jahresbeginn in allen Wirtschaftsbereichen. Am stärksten macht er sich aktuell im Bauhauptgewerbe bemerkbar (25,5 % ggü. 18,2 % im Januar 2021). Im Verarbeitenden Gewerbe stieg der Anteil der durch fehlendes Fachpersonal beeinträchtigten Unternehmen von Januar bis April von 14,9 % auf 19,4 %, im Handel von 11,8 % auf 15,9 % und im Dienstleistungsbereich von 25,2 % auf 26,4 %. Blickt man tiefer in die Branchen, so war der Fachkräftemangel im April bei Rechts- und Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern am größten (54,8 %), gefolgt von Architektur- und Ingenieurbüros (42,1 %) sowie Dienstleistungen der Informationstechnologie (37,2 %).

Ein Blick auf die Größenklassen zeigt, dass mittelständische Unternehmen häufiger mit Fachkräftemangel zu kämpfen haben als große Firmen. Im April 2021 meldeten 24,1 % der kleinen und mittleren Unternehmen, dass Fachkräfte-mangel ihre Geschäftstätigkeit behindere. Bei den großen Unternehmen waren es 22,9 %. Vor allem im Verarbeitenden Gewerbe fehlt es dem Mittelstand erheblich häufiger an Fachkräften (24,5 %) als großen Unternehmen (11,9 %). Im Dienstleistungsbereich sind dagegen erheblich mehr große Unternehmen betroffen (30,5 %. ggü 25,9 %)

Der Anstieg des Fachkräftemangels ist zum einen auf die wieder zunehmende Arbeitskräftenachfrage im Zuge der konjunkturellen Erholung seit dem Sommer zurückzuführen. Zum anderen ist das Arbeitskräfteangebot erheblich knapper geworden, weil die Nettozuwanderung aus dem Ausland pandemiebedingt weitgehend versiegt ist.

„Ohne Gegensteuern kann sich der Fachkräftemangel von einer gravierenden Herausforderung zu einem regelrechten Wachstumshemmnis auswachsen“, sagt Dr. Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW. „Denn gleichzeitig zum demografisch bedingten Rückgang des Erwerbspersonenpotentials steht Deutschland vor enormen Herausforderungen. Es sind dicke Bretter zu bohren, von der Genesung der Wirtschaft nach der Corona-Krise über die Bewältigung des digitalen Strukturwandels und beschleunigten Umbaus zur Klimaneutralität bis hin zum Abbau der stark gewachsenen Staatsschulden, erheblich steigenden Finanzierungslasten in Sozialversicherungen sowie nötigen Investitionen in mehr Krisenfestigkeit. Fehlen der Wirtschaft fachkompetente Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in erheblichem Umfang, so wird es schwer werden, all dies erfolgreich zu bewältigen. Der Sicherung des Fachkräftepotenzials muss daher oberste Priorität eingeräumt werden.“ Hierfür stünden drei Hebel zur Verfügung: 1. Bedarfsgerechte Qualifizierung und lebenslange Weiterbildung. 2. Qualifizierte Zuwanderung fördern, etwa durch erleichterte Anerkennung von Qualifikationen, sowie das Angebot von Deutschkursen und Ausbildungsgängen für Ausländer, wenn es an inländischen Bewerbern mangelt. Und 3. Höhere Erwerbsbeteiligung, wie es etwa der Sachverständigenrat hinsichtlich der Veränderung der Regelaltersgrenze vorschlägt. .

Das KfW-ifo-Fachkräftebarometer erscheint zweimal jährlich, jeweils im Frühsommer und im Herbst. Die aktuelle Ausgabe ist abrufbar unter:
KfW-ifo-Fachkräftebarometer

Zur Konstruktion und Interpretation des KfW-ifo-Fachkräftebarometers
Für das KfW-ifo-Fachkräftebarometer wertet KfW Research die ifo Konjunkturumfragen aus, aus denen unter anderem auch der bekannte ifo-Geschäftsklimaindex berechnet wird. Im Fachkräftebarometer wird über den Anteil der Unternehmen in Deutschland berichtet, die angeben, dass ihre Geschäftstätigkeit derzeit durch Fachkräftemangel behindert wird. Hierzu werden einmal pro Quartal rund 9.000 Unternehmen aus den Wirtschaftsbereichen Verarbeitendes Gewerbe, Bauhauptgewerbe, Handel sowie Dienstleistungen (ohne Kreditgewerbe, Versicherungen und Staat) befragt, darunter rund 7.500 Mittelständler. Neben einem Gesamtindikator zum Fachkräftemangel in der deutschen Wirtschaft sowie Indikatoren für verschiedene Sektoren und Regionen, können die Daten auch unternehmensgrößenbezogen nach Mittelständlern und Großunternehmen getrennt ausgewertet werden. Dabei zählen grundsätzlich diejenigen Unternehmen zu den Mittelständlern, die nicht mehr als 500 Beschäftigte haben und maximal 50 Mio. EUR Jahresumsatz erzielen. Zur Erhöhung der analytischen Trennschärfe müssen diese quantitativen Abgrenzungen allerdings beim Einzelhandel (maximal 12,5 Mio. EUR Jahresumsatz), beim Bauhauptgewerbe (bis zu 200 Beschäftigte) und bei den Dienstleistungen (maximal 25 Mio. EUR Jahresumsatz) enger gezogen werden. Alle Unternehmen, die mindestens einen dieser Grenzwerte überschreiten, werden als Großunternehmen klassifiziert.

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