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KfW Research

Frauen in Führungspositionen

Beim Thema Frauen in Führung hinkt Deutschland im internationalen Vergleich hinterher. Im mittleren Management wie auf Spitzenpositionen, in mittelständischen Unternehmen wie in großen Konzernen – Frauen sind hier zu Lande in Führungspositionen deutlich unterrepräsentiert. Die Ursachen sind dabei vielfältig und komplex. Die Rahmenbedingungen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf spiegelt sich darin ebenso wider wie gesellschaftliche Rollenbilder oder die Unternehmenskultur. Dabei gäbe es gerade für Deutschland ausreichend Gründe das Potenzial von Frauen in Führung stärker auszuschöpfen: Die generell schrumpfende Erwerbsbevölkerung und drohende Fachkräfteengpässe setzen Anreize. Nachhaltige Veränderungen lassen sich in jedem Fall nur durch gemeinsame Anstrengungen von Politik, Gesellschaft und Unternehmen erreichen.

Starke regionale Unterschiede bei Frauen in Führungspositionen

In Deutschland werden rund 28 % der Jobs im mittleren und höheren Management von Frauen besetzt. In den skandinavischen, baltischen und osteuropäischen Ländern liegt der Anteil der weiblichen Führungskräfte teilweise bei über 40 %. Europäische Schlusslichter sind Italien mit 22 und Luxemburg mit 16 %.

Auch außerhalb Europas gibt es starke Unterschiede beim Thema Frauen in Führung. Hervorzuheben sind hier insbesondere die USA. Hier sind vier von zehn Managern weiblich – und das trotz vergleichsweise schlechter Rahmen­bedingungen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Der Frauenanteil ist tendenziell umso geringer, je höher die Führungsposition und je größer das Unternehmen.

Talfahrt beim Chefinnenanteil im Mittelstand beendet

Der Anteil von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) mit einer Frau an der Spitze liegt aktuell bei 16,1 %. Seit dem Höchststand des Jahres 2013 nahm der Anteil frauengeführter KMU um etwas über 3 Prozentpunkte ab. Die Anzahl frauengeführter Unternehmen im Mittelstand liegt aktuell bei rund 613.000.

Frauen nutzen bei ihrem Schritt in die Selbstständigkeit häufiger bestehende Unternehmens­strukturen. Ein Drittel hat das Unternehmen übernommen, bei den Männern sind es 23 %. In der Branchensicht dominieren Dienstleistungen: 85 % der weiblichen Inhaber führen ein mittelständisches Dienstleistungs­unternehmen (Männer: 76 %).

Unterschiede bei den Ausbildungswegen

Die Akademisierung der weiblichen Inhaber nimmt zu: Fast die Hälfte der Frauen unter den Inhabern mittelständischer Unternehmen verfügt aktuell über einen tertiären Bildungs­abschluss (49 %). Bei den Männern sind es ebenfalls 49 % im Jahr 2018. Dabei ist der Anteil der Chefinnen mit einem Hochschul­abschluss in den letzten vier Jahren relativ stark gestiegen.

Über einen Meister- bzw. Technikerabschluss verfügen männliche Inhaber weitaus häufiger als Frauen. Der Unterschied ist in den vergangenen vier Jahren nochmals angewachsen. Im Jahr 2018 haben nur noch 11 % der Inhaberinnen einen solchen Abschluss, im Gegensatz zu 22 % bei den Männern.

Weniger Frauen als Existenzgründer

Vor allem die für Frauen sehr guten Arbeitsmarkt­aussichten führen häufiger zur Entscheidung gegen eine unternehmerische Selbstständigkeit. Die niedrige Gründungs­tätigkeit von Frauen bremst dann auch den Frauenanteil in den Chefetagen mittelständischer Unternehmen aus.

Die Erwerbsbeteiligung von Frauen hat seit der Jahrtausende stark zugenommen: Zwischen 2000–2017 ist die Erwerbstätigenquote von 61 auf 75 % gestiegen. Die Lücke in der Erwerbstätigen­quote zwischen Männern und Frauen hat sich seit der Jahrtausend­wende halbiert.

Unternehmerinnen haben mehr weibliche Beschäftigte

Die Geschlechterstruktur in den Führungs­positionen spiegelt sich auch in der Belegschaft wider: So ist der Frauenanteil an den Beschäftigten umso höher, je kleiner das Unternehmen ist. In Kleinst­unternehmen sind fast 60 % der Beschäftigten weiblich, in großen mittelständischen Unternehmen dagegen nur rund 40 %, in DAX-Konzernen sogar weniger als 36 %. Besonders hoch ist der Frauenanteil an den Beschäftigten im wissens­intensiven Dienstleistungs­sektor.

Unabhängig von Branche oder Größe haben Unterneh­merinnen mehr weibliche Beschäftigte. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass Chefinnen sich häufiger für familien­freundliche Arbeits­bedingungen einsetzen als ihre männlichen Kollegen.

Stand: Januar 2020

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