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KfW Research – Dossier

Digitalisierung

Chancen und Herausforderungen für Mittelstand und Gründer

Digitale Technologien stellen als „General Purpose Technologien“ eine wichtige Quelle für Neuerungen in breiten Teilen der Wirtschaft dar. Sie gelten daher als zentraler Treiber für Wettbewerbs­fähigkeit und Wachstum. Aus gesamt­wirtschaftlicher Sicht gilt die Digitalisierung als Hoffnungs­träger für ein Wieder­ansteigen der seit Jahren in vielen Industrieländern rückläufigen Produktivitäts­raten.

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Deutschland rangiert bei der Anwendung digitaler Technologien in der Wirtschaft im EU-Vergleich bestenfalls im Mittelfeld und auch die Entwicklung solcher Technologien zählt nicht zu den Stärken des deutschen Innovationssystems. Damit Deutschland zu anderen großen Ländern aufschließt, sind deutlich höhere Investitionen in diese Technologien notwendig.

Digitalisierung im internationalen Vergleich: Deutschland liegt bei IT-Investitionen weit hinten  (PDF, 227 KB, nicht barrierefrei)

Unternehmen, die Digitalisierung mit Innovationen kombinieren, gehen ihre Digitalisierung tiefgreifender und umfassender an als Unternehmen, die ausschließlich Digitalisierungsprojekte umsetzen, ansonsten aber vergleichbar sind

  • Mittelständler, die Innovations- und Digitali­sierungsprojekte angehen, geben mit 54 TEUR knapp zwei Drittel mehr für ihre Digitali­sierung aus als reine Digitalisierer
  • Die zuerst genannten Unternehmen führen auch jedes der abgefragten Digitalisierungs­projekte häufiger durch als reine Digitalisierer. Dies gilt insbesondere für anspruchsvolle Vorhaben, wie die Digitali­sierung von Produkten und Dienst­leistungen, der Einführung von digitalen Marketing- und Vertriebs­konzepten sowie der Digitalisierung des Workflows.
  • Von den abgefragten Digitalisierungs­aspekten führen Mittelständler mit Innovations- und Digitalisierungs­kategorien im Durchschnitt rund 2,4 Kategorien gleichzeitig durch, während dieser Wert bei den reinen Digitali­sierern nur 1,7 beträgt

Quelle:
Innovationen und Digitalisierung in Unternehmen bedingen sich gegenseitig  (PDF, 196 KB, nicht barrierefrei)

Digitalisierer mit Innovationen wachsen schneller als reine Digitalisiserer

  • Sowohl was Umsatz- als auch Beschäf­tigung angeht, wachsen Digitalisierer mit Innovationen am schnellsten
  • Digitalisierer mit Innovationen sowie reine Digitalisierer wachsen deutlich schneller als Unternehmen ohne Innovationen und Digitalisierungs­maßnahmen

Quelle:
Innovationen und Digitalisierung in Unternehmen bedingen sich gegenseitig  (PDF, 196 KB, nicht barrierefrei)

Entwicklung der Digitalisierungsaktivitäten in der Corona-Krise

  • Die Corona-Pandemie hat anfänglich zu einem Digitalisierungs­schub im Mittelstand geführt.
  • Auch nach knapp einem Jahr überwiegen mit 33 % jene Unternehmen, die ihre Digitalisierungs­anstrengungen gesteigert haben, gegenüber 5 % mit einer Drosselung der Digitalisierungs­aktivitäten.
  • Allerdings führt auch ein Drittel der Mittelständler unverändert keine Digitalisierungs­aktivitäten durch.

Quelle:
KfW-Digitalisierungsbericht Mittelstand 2020  (PDF, 937 KB, nicht barrierefrei)

Krisenbewältigung steht im Mittelpunkt der Digitalisierungsanstrengungen

  • Gerade Unternehmen, die spürbar – aber nicht existenziell – von der Krise betroffen sind, weiten ihre Digitalisierungs­anstrengungen häufiger aus als Unternehmen, die nicht oder nur geringfügig betroffen sind. Dies gilt auch für Unternehmen, die mit einer langen Krisendauer rechnen.
  • Dies zeigt, dass die Bewältigung der Corona-Krise das vorherrschende Motiv der Digitalisierungs­tätigkeit während Corona ist. Daher ist davon auszugehen, dass es sich bei den Digitalisierungs­maßnahmen um schnell umsetzbare Maßnahmen handelt, die auch schnell wirksam sind, und weniger um langfristige, strategisch angelegte Vorhaben.
  • Unternehmen, die in ihrer Existenz durch die Corona-Krise bedroht sind, dürften dagegen die finan­ziellen Mittel für Digitalisierungs­schritte fehlen.

Quelle:
KfW-Digitalisierungsbericht Mittelstand 2020  (PDF, 937 KB, nicht barrierefrei)

Große Unternehmen sind Vorreiter bei der Digitalisierung

  • Große Mittelständler weiten Digitalisierungs­aktivitäten deutlich häufiger aus als kleine (58 vs. 32 %).
  • Auch befinden sich unter den großen Mittel­ständlern kaum noch Unternehmen ohne Digitalisierungs­aktivitäten (6 %). Dagegen führen über ein Drittel der kleinen Unternehmen unverändert keine Digitali­sierungs­aktivitäten durch.
  • Die Gründe hierfür dürften sein, dass große Mittelständler zum einen seltener existenziell von der Krise betroffen sind als kleine. Zum anderen waren große Mittelständler bereits vor der Krise bei der Digitalisierung aktiver als kleine .

Quelle:
KfW-Digitalisierungsbericht Mittelstand 2020  (PDF, 937 KB, nicht barrierefrei)

FuE-Treibende weiten Digitalisierungsaktivitäten aus

  • Mit 54 % liegt der Anteil der Mittelständler, die ihre Digitalisierungs­aktivitäten ausweiten, deutlich höher als in Unternehmen ohne FuE.
  • Die ausgeprägteren Digitalisierungs­anstrengungen dieser Unternehmen stärken deren Resilienz in akuten Krisen und tragen auch nach einer Krise dazu bei, mit einer verbesserten Wettbewerbs­fähigkeit Boden gegenüber den Wettbewerbern gut zu machen.

Quelle:
KfW-Digitalisierungsbericht Mittelstand 2020  (PDF, 937 KB, nicht barrierefrei)

Vor Corona: Mittelständler seltener mit abgeschlossenen Digitalisierungsvorhaben

  • Unternehmen jeder Größenklasse haben im Zeitraum 2017–2019 seltener Digitalisierungs­vorhaben abgeschlos­sen als in der Vorperiode.
  • Mit zunehmender Unternehmens­größe steigt der Anteil der Digitalisierer deutlich.

Quelle:
KfW-Digitalisierungsbericht Mittelstand 2020  (PDF, 937 KB, nicht barrierefrei)

Digitalisierung der Schnittstellen zum Unternehmensumfeld am häufigsten

  • Der Kontakt zu Kunden und Zulieferern wird von Mittel­ständlern am häufigsten digitalisiert.
  • Auf Position 2 rangiert die Erneuerung von IT-Struk­turen und die Einführung neuer Anwendungen.
  • Die Digitalisierung von Produkten und Dienst­leistungen rangiert auf der letzten Position.

Quelle:
KfW-Digitalisierungsbericht Mittelstand 2020  (PDF, 937 KB, nicht barrierefrei)

18 Mrd. EUR gibt der Mittelstand 2019 für Digitalisierung aus

  • Die durchschnittlichen Digitalisierungs­ausgaben sind gegenüber dem Vorjahr leicht gestiegen.
  • Große Mittelständler geben rund das 17-fache der kleinen Mittelständler für ihre Digitalisierung aus.

Quelle:
KfW-Digitalisierungsbericht Mittelstand 2020  (PDF, 937 KB, nicht barrierefrei)

Ergreifen von Chancen überwiegt

  • Das Ergreifen von Chancen ist unverändert das mit Abstand wichtigste Motiv für die Digitalisierung (92 % der Nennungen).
  • Allerdings nimmt der Druck zur Digitalisierung aus dem Unternehmensumfeld zu. So steigt die Nennung eines allgemeinen Wettbewerbsdrucks am Markt hin zur Digitalisierung um 6 Prozentpunkte sowie eines Drucks zur Digitalisierung in der Wertschöpfungskette um 7 Prozentpunkte gegenüber der Befragung des Jahres 2017.

Quelle:
Unternehmensbefragung 2020 – Digitalisierung  (PDF, 654 KB, nicht barrierefrei)

Digitalisierungshemmnisse nehmen zu

  • Die drei am häufigsten genannten Digitali­sierungs­hemmnisse sind die Anforderung an Datensicherheit bzw. Datenschutz (46 %), fehlende IT-Kompetenzen im Unternehmen in Verbindung mit mangelnder Verfügbarkeit von IT-Fachkräften auf dem Markt (38 %) und Schwierigkeiten bei der Anpassung der Unternehmens- und Arbeitsorganisation (36 %).
  • Auf den weiteren Positionen folgen: Schwierigkeiten bei der Umstellung bestehender IT-Systeme (35 %) und eine mangelnde Qualität der Internetverbindung (30 %).
  • Anteil der Unternehmen, der keine Hemmnisse bei der Digitalisierung wahrnimmt, sinkt von 21 auf 13 %.

Quelle:
KfW-Unternehmensbefragung 2019 – Digitalisierung  (PDF, 593 KB, nicht barrierefrei)

Zugang zu Krediten für Digitalisierungsprojekte schwieriger als für Investitionen

  • Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Unternehmen seinen Kreditzugang als "schlecht" oder "sehr schlecht" bezeichnet, liegt für Unternehmen, die Kreditverhandlungen über Kredite für Digitalisierungs­vorhaben geführt haben, um gut zwei Drittel höher als für Unternehmen mit Kreditver­handlungen über Investitions­vorhaben (d. h. für Maschinen, Anlagen o. ä.).
  • Kredite für Digitalisierungsvorhaben werden jedoch nur selten nachgefragt.

Quelle:
Unternehmensbefragung 2018 – Digitalisierung nimmt Fahrt auf  (PDF, 545 KB, nicht barrierefrei)

Digitalisierung des Mittelstands im europäischen Vergleich

  • Für deutsche kleine und mittlere Unternehmen (KMU) mit 20–249 Beschäftigten hat Digitalisierung eine ähnlich hohe Priorität wie für ihre Wettbewerber in Frankreich, Spanien, Polen und dem Vereinigten Königreich. Allerdings gehen sie differenzierter vor und konzentrieren sich auf weniger Digitalisierungs­aktivitäten.
  • Anders als in den übrigen Ländern stellt der Druck des Wettbewerbs für die deutschen KMU eine weniger starke Antriebsfeder bei der Digitalisierung dar: Knapp die Hälfte von ihnen (48 %) ist überzeugt, dass sie neue digitale Technologien nutzen müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben, im europäischen Vergleich liegt dieser Anteil bei 54 %.
  • Fehlende digitale Kompetenzen sind für deutsche Mittelständler ein ähnlich starkes Hemmnis wie für KMU aus anderen Ländern. Dabei fehlen aus Sicht der KMU nicht nur Kenntnisse im Bereich der Software­entwicklung oder Webseiten­programmierung, sondern auch Management­kompetenzen für die Umsetzung digitaler Projekte und zum Teil grundlegende Kenntnisse der Dateneingabe und -verarbeitung.
  • Um ihr digitales Knowhow auszubauen, führen rund 58 % der deutschen Mittelständler interne Weiterbildungen ihrer Mitarbeiter durch – deutlich mehr als in anderen Ländern. Sie stoßen aber auch deutlich häufiger als ihre europäischen Wettbewerber an Grenzen, wenn es um die Rekrutierung neuer Mitarbeiter geht: In keinem anderen der befragten Länder wird der IT-Fachkräftemangel als so problematisch empfunden wie in Deutschland.

Quelle:
Going Digital – The Challenges Facing European SMEs  (PDF, 7 MB, nicht barrierefrei)

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