Haussanierung
Vom Gründerzeithaus zum ZukunftsbauTillmann vermietet ein Mehrfamilienhaus von 1900. Mit Förderung der KfW lässt er das "Worst Performing Building" jetzt komplett sanieren – zum Effizienzhaus 70 EE. Wie es dazu kam und was er anderen Saniererinnen und Sanierern rät.
Den Ausschlag gab eine Rechnung: 180 Euro Heizkosten für eine 45 Quadratmeter große Wohnung. „Als mir mein Mieter aus dem ersten Stock gesagt hat, dass er so viel zahlt, bin ich aus allen Wolken gefallen“, sagt Tillmann. „In dem Moment stand für mich fest, dass ich das Haus komplett sanieren muss.“
Das war keine leichte Entscheidung. Das Gebäude, das Tillmann privat vermietet, ist Baujahr 1900, über 330 Quadratmeter groß – und ein "Worst Performing Building". Es hat also die niedrigste Energieeffizienzklasse. So werden die sechs Wohnungen etwa mit Gasetagenheizungen beheizt und die Holzfenster sind zum Teil einfach verglast.
Gekauft hat Tillmann das Haus 2020. In den letzten Jahren stellte ihn das Gebäude vor einige Herausforderungen. Es kam zu Schimmelschäden im zweiten Obergeschoss. Ein Gutachter entdeckte eine Kältebrücke – und empfahl, die betroffene Wohnung von innen zu dämmen. Tillmann dachte darüber nach. Aber als er kurz darauf von den hohen Heizkosten in der Wohnung im ersten Stock hörte, entschied er sich gegen eine Teilsanierung. „Einzelmaßnahmen hätten an dem Kernproblem der mangelnden Energieeffizienz nichts geändert“, erklärt er.
Schnell war Tillmann klar, dass er diese Investition nicht aus Eigenkapital finanzieren kann. Deshalb beantragte er den Wohngebäude-Kredit der Bundesförderung für effiziente Gebäude (261) und erhielt für jede der sechs Wohnungen eine Förderung. „Der KfW-Kredit war für mich essenziell. Ohne die KfW-Förderung hätte ich mir diese Sanierung nicht leisten können“, sagt er.
Seit Ende 2025 wird das Gebäude zu einem Effizienzhaus 70 EE saniert. Das Dachgeschoss hat Tillmann schon 2023 ausgebaut. Als Nächstes werden die Holzfenster im ganzen Haus ausgetauscht, nach dem Sommer folgt die Dämmung der Außenfassade. Derzeit verlegen Handwerker eine Fußbodenheizung in den Wohnungen – aus statischen Gründen in Trockenbauweise. Zusätzlich wird eine kontrollierte Wohnraumlüftung installiert. „Wir haben hier einen Altbau mit Holzbalkendecken. Deshalb müssen wir das Gewicht, das auf den Böden lastet, gering halten. Dafür ist es ideal, die Fußbodenheizung in Trockenbauweise zu verlegen", sagt Heizungsbauer Jochen Fuchs.
Bald wird eine zentrale Wärmepumpe mit Frischwasserstation die Gasetagenheizungen ersetzen. Für Tillmann ist dieser Schritt besonders wichtig. „Die vergangenen Jahre haben mir gezeigt: Ein steigender Gaspreis könnte sich massiv auf mich und meine Mieterinnen und Mieter auswirken“, sagt er. „Deshalb möchte ich unabhängig von fossilen Energien werden. Ich denke auch über Photovoltaikanlagen nach. Dann könnten wir in dem Haus eigenständig Wärme erzeugen.“
Allen, die ihr Haus sanieren wollen, rät Tillmann, sich kompetente Handwerksunternehmen aus der Region zu suchen, die viel Erfahrung mit ähnlichen Gebäuden haben. Er selbst wird bei der Sanierung von Architekt Ilija Duin-Juric unterstützt.
„So ein Altbau hält oft Überraschungen bereit. Aus diesem Grund sollte man schon beim Hauskauf einen Fachplaner dazunehmen, um Schwachstellen zu prüfen. Zudem sollte man 10 bis 20 Prozent finanziellen Puffer einplanen.“
Während die Wohnung im Erdgeschoss (links) für die Sanierung vorbereitet wurde, hat die Wohnung im 1. Obergeschoss bereits neue Fenster und Dämmung erhalten. Die Fußbodenheizung verlegen die Heizungsbauer in Trockenbauweise, da im Altbau Besonderheiten bei der Deckenlast zu berücksichtigen sind. In einigen Wochen werden die Sanierungsarbeiten im Erdgeschoss ähnlich fortgeschritten sein.
Die Gasthermen in den Zwischengeschossen (links) werden ersetzt durch Wärmepumpe und Fußbodenheizung. Die dafür benötigte Technik in den einzelnen Wohnungen kann in der Wand verbaut werden und nimmt dadurch keinen zusätzlichen Raum ein.
Das Erdgeschoss möchte Tilmann künftig selbst nutzen, doch noch ist einiges zu tun und für Tillmann ist das Riesenprojekt neben Job und Familie nicht leicht zu stemmen. Trotzdem überwiegt für ihn der Spaß an dem Vorhaben: „Bei der Sanierung spüre ich, dass ich etwas zu unserer Zukunft beitragen kann – und das treibt mich an.“
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Stand: 19. August 2026
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