Volle Regale im Fundbüro am Flughafen Frankfurt
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Das Online-Fundbüro

Mit ihrem Start-up-Unternehmen „Have it Back“ wollen drei Gründer die Lost-and-Found-Branche revolutionieren. Sie betreiben eine Meta-Suchmaschine, die Funde und Verluste aufspürt. Dafür wurde „Have it Back“ kürzlich mit dem KfW Award Gründen ausgezeichnet.

Gesucht – gefunden!

Wie die Meta-Suchmaschine von Have it Back Fundsachen aufspürt (KfW Bankengruppe/n-tv).

Das „Zentrale Fundbüro“ liegt im vierten Stock eines betagten Bürohauses im Frankfurter Industriestadtteil Fechenheim. An drei Bildschirmarbeitsplätzen arbeiten drei Männer. Wenn sie aus dem Fenster schauen, sehen sie auf die Skyline aus Banken und Bürotürmen, der Frankfurt den Beinamen Mainhattan verdankt. Der Ausblick ist großartig, die Kulisse passt. Sie erinnert an die USA, an das Land, in dem sich ganz wesentlich der Erfolg des Zentralen Fundbüros entscheiden wird. Das Ziel ist eindeutig: „Wir wollen“, sagt Antonio Vega, „global die Nummer eins sein“.

Seit 2015 beschreiten Markus Schaarschmidt (34), Antonio Vega (32) und Tobias Freyberg (54) den Weg zum Weltmarktführer. Ihre Branche: Lost and Found. Jedem Menschen kommt in seinem Leben unterwegs immer mal wieder was abhanden. Oft ist es etwas Wichtiges wie das Smartphone mit den Urlaubsbildern, der Laptop mit den Firmendaten, der Teddy vom Jüngsten, die Ohrringe zum Hochzeitstag, die Schlüssel für alle Türen oder, der Klassiker, die Brieftasche mit sämtlichen Karten. Alles Fälle fürs Zentrale Fundbüro, wie das Start-up in Deutschland noch heißt, während es im weltweiten Netz unter haveitback.com firmiert, Have it Back.

Das Gründer-Trio von Have it Back
Die Gründer

Tobias Freyberg, Antiono Vega und Markus Schaarschmidt wollen mit ihrem Online-Fundbüro Weltmarktführer werden.

Schaarschmidt und Vega kennen sich seit Schulzeiten und haben, während sie noch studierten, schon an Start-ups gebastelt. Eine Webcam-Abdeckung für PC/Laptop war so ein Versuch. Aber da mussten sie sich auch um Produktion und Vertrieb der Metallplättchen kümmern. Das missfiel ihnen, sie hofften auf eine reine IT-Geschäftsidee. Die kam, als Schaarschmidt seinen Rucksack mit wichtigen Inhalten an einer Haltestelle vergaß und merkte, dass ihm das Netz bei der Suche nach seinen Utensilien keine Hilfe war.

Das Zentrale Fundbüro ist eine Meta-Suchmaschine. Auf ihr finden sich privat gemeldete Funde und Verluste, aber auch die Daten der kommunalen Fundbüros, die im Internet vertreten sind. Alles in allem stehen auf haveitback.com schon 6,3 Millionen Einträge (Stand Januar 2018) aus fast allen Ländern der Erde, mehr als eine Million jeweils aus den USA, Großbritannien und Deutschland.

„Das Thema ist ja nicht so sexy“, sagt Freyberg, der im Alter von 54 Jahren den Sprung ins kalte Start-up-Wasser wagte, „aber wir haben es mit der Plattform sexy gemacht“. Davon zeugen viele gerahmte Auszeichnungen und Urkunden an einer Wand des Büros, darunter der KfW Gründen Award 2017. „Der steht in der Bedeutung ganz oben“, sagt Schaarschmidt, „da wurden auch Deutsche im Silicon Valley drauf aufmerksam.“

Have it Back - das Zentrale Fundbüro für Funde und Verluste
24-Stunden-Service

Eine Umkreissuche hilft Nutzern beim noch schnelleren Auffinden verlorener Gegenstände.

Einmal gepackt von ihrer Idee, merkten die Informatiker Schaarschmidt und Freyberg und der Marketingexperte Vega bald: Viele Länder (wie Griechenland) kennen keine Fundbüros. Andere (wie Frankreich) stellen Fundsachen nicht online. Und in dritten (wie Deutschland) dominiert im Fundbürowesen noch die Excel-Liste. Und Excel-Listen stehen für „Neulandsverweigerer“ (Schaarschmidt). Dass man sich auf der Suche nach einem liegengelassenen Handy wieder und wieder durch ein Fundverzeichnis kämpfen muss, ist für ihn und seine Kollegen Technik von vorgestern.

Auf der „Have it back“-Webseite ordnet die selbst geschriebene Software gesuchte und gefundene Gegenstände (oder auch Haustiere) Kategorien und Orten auf der Landkarte zu. Neue Einträge werden automatisch mit den alten aus der Datenbank abgeglichen. Eine Umkreissuche erhöht die Trefferwahrscheinlichkeit. Ein Wanderer beispielsweise gibt vielleicht ein Fundstück nicht dort ab, wo der Besitzer losgelaufen oder angekommen ist, sondern an seinem eigenen Zielort. Und noch ein Vorteil: „Have it Back“ hat immer auf, ein Fundamt nicht.

„Wir wollen global die Nummer eins sein.“

Antonio Vega, Gründer von „Have it back“

KfW Award Gründen

Der KfW Award Gründen (ehemals GründerChampions) zeichnete im Oktober 2017 die 16 Landessieger und einen Bundessieger für ihre Geschäftsideen aus. Einen Überblick über alle Gewinner und weitere Informationen zum Wettbewerb finden Sie hier.

Mehr erfahren

Schaarschmidt und Vega haben 2016 und 2017 Plätze in vielmonatigen Mentoring- und Coaching-Programmen für Start-ups in Kalifornien ergattert, im German Accelerator der Bundesregierung und im StartX der hoch angesehenen Universität Stanford. Die amerikanischen Ausbilder im Silicon Valley rieten ihnen dringend: Konzentriert euch auf den Tourismus. Auf Fluglinien und Flughäfen, Bahnen und Bahnhöfe, auf Tourbusse und Hotelketten. Der Kreis der Interessenten müsste in dieser Branche auch deshalb so groß sein, weil in Staaten wie Deutschland beispielsweise Verkehrsbetriebe gesetzlich verpflichtet sind, eigene Fundbüros zu unterhalten. „Wir senken die Kosten und erhöhen die Kundenzufriedenheit“, preist Vega das Webprodukt potenziellen Kunden aus der Reise- und Urlaubswelt an.

Have it Back - das Zentrale Fundbüro für Funde und Verluste
Moderne Technik

Für die Meta-Suchmaschine kommt modernste Technik zum Einsatz.

Mit der US-Firma Hallmark Aviation, die unter anderem Gepäck an US-Flughäfen abfertigt, sind die Frankfurter Jungunternehmer bereits im Geschäft. Ein Kontrakt mit einem Flughafen im Rhein-Main-Gebiet soll dieser Tage folgen. Der Verkauf von Lizenzen an der eigenen Software ist eine Einnahmequelle. Hauptsächlich verdient „Have it Back“ derzeit nach den Worten Schaarschmidts noch am Verschicken gefundener Gegenstände.

Immerhin können die drei von ihren Erlösen schon leben, auch weil sie auf der Kostenseite „sehr schlank aufgestellt“ sind, wie Schaarschmidt sagt. Für die weitere Expansion will man Wagnis-Kapital einwerben. Es gilt, das Bilderkennungsprogramm auf der Webseite zu optimieren, das die Dokumentation eines Fundes wie auch die Suche vereinfacht und beschleunigt, und in Vertrieb und Marketing zu investieren.

Einzigartig ist das Frankfurter Start-up nach eigener Einschätzung schon jetzt, niemand sonst vernetze in der internationalen Lost-and-Found-Branche Privatpersonen, Unternehmen und Ämter. Oder, wie Schaarschmidt sagt: „Wir setzen auf der Welt den Standard“. Die Drei vom Zentralen Fundbüro müssen jetzt noch dafür sorgen, dass sich das überall rumspricht.

Auf KfW Stories veröffentlicht am: Dienstag, 27. Februar 2018