KfW Research
Nachfolge im deutschen MittelstandDas erfolgreiche Management der Unternehmensnachfolge ist und bleibt auch absehbar eine wesentliche Herausforderung für den Mittelstand in Deutschland. Allein bis Ende 2029 planen jährlich rund 109.000 Inhaberinnen und Inhaber kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) den Rückzug aus ihrem Unternehmen – und wollen das Unternehmen in die Hände eines Nachfolgenden legen.
Der anstehende Generationenwechsel wird viele Unternehmen vor Probleme stellen, denn zu gering ist die Zahl nachrückender Existenzgründer, die eine qualifizierte Nachfolge antreten können. Dabei ist der Bedarf an Nachfolgerinnen und Nachfolgern bereits jetzt hoch und wird zunehmen. Nicht zuletzt durch das hohe Alter vieler Chefinnen und Chefs der aktuellen Inhabergeneration. Bereits jetzt sind mit 57 % bereits mehr als die Hälfte der mittelständischen Unternehmerschaft 55 Jahre oder älter (+3 Prozentpunkte gegenüber 2024). Das sind über 2 Mio. Vor 20 Jahren waren es lediglich 20 %. Unternehmer und Unternehmerinnen, die tatsächlich eine Nachfolge innerhalb der kommenden zwei Jahre anstreben, sind im Durchschnitt bereits über 66,5 Jahre alt. Ein Viertel wird zum geplanten Rückzugszeitpunkt bereits über 70 Jahre alt sein. Aber nicht überall in Deutschland ist der Generationenwechsel im Mittelstand ein gleich drängendes Problem – es bestehen überraschend große regionale Unterschiede. Der höchste Anteil an älteren Inhabern weist der Mittelstand in Hessen, Brandenburg und Baden-Württemberg auf.
Es gibt eine zweite Seite: Nicht jeder Unternehmenslenker mit konkreten Rückzugsgedanken hat vor, sein Unternehmen überhaupt fortführen zu lassen, sondern bevorzugt eine Stilllegung. Das Nachfolge-Monitoring Mittelstand 2025 bestätigt den zuletzt beobachteten Trend hin zu mehr Stilllegungsplänen mittelständischer Unternehmen. Bewusste Geschäftsaufgaben ohne eine Nachfolgelösung werden nochmals häufiger ins Auge gefasst. Jedes vierte Unternehmen möchte diesen Weg nach Ausscheiden der Senior-Generation gehen – jährlich rund 114.000 bis Ende des Jahres 2029.
Ein zeitnah anstehender Generationenwechsel in der Inhaberschaft, gepaart mit einem hohen Alter des Unternehmers, hat erhebliche Folgen für die Investitionsbereitschaft. Ist die Nachfolge unklar, dann bleiben vermehrt Investitionen aus. Umgekehrt stärkt eine geklärte Nachfolge die Investitionsbereitschaft auch bei hohem Inhaberalter. Am stärksten ausgeprägt ist die Wirkung bei kurzfristig anstehenden Nachfolgen binnen 2 Jahren: Wenn die Nachfolge gesichert ist, dann löst dies ein durchschnittliches Investitionsplus von 40 % im Unternehmen aus.
Angesichts des fehlenden Gründerinnen- und Gründernachwuchses ist es naheliegend, dass die Schwierigkeit, geeignete Nachfolgekandidaten zu finden, die konstant mit Abstand am häufigsten genannte Hürde einer Unternehmensnachfolge ist (zuletzt 69 %). Bürokratische Fallstricke haben zuletzt aus Unternehmenssicht erheblich an Bedeutung gewonnen. Die rechtliche bzw. steuerrechtliche Komplexität der Nachfolge nehmen mittlerweile 45 % der Unternehmen als Hürde wahr. (+15 Prozentpunkte gegenüber 2024).
Die Einigung auf einen Kaufpreis nennen 30 % der Unternehmen als Hürde einer Unternehmensnachfolge. Die Durchschnittsbewertungen der angestrebten Kaufpreise haben dabei seit dem Jahr 2019 (dem Jahr der letztmaligen Erhebung) merklich angezogen, und zwar um rund +34 % für den Mittelstand insgesamt. Soll die Unternehmensnachfolge zwischen 2025 und 2029 vollzogen werden, liegt der durchschnittliche angestrebte Verkaufspreis eines mittelständischen Unternehmens bei rund 499.000 EUR. Preisbereinigt haben die Kaufpreisvorstellungen im Mittelstand rund 9,5 % seit 2019 zugenommen.
Stand: Januar 2026
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