Pressemitteilung vom 20.05.2026 / KfW, KfW Research

KfW Research: Immer weniger Mittelständler suchen eine Bankfiliale auf

  • 47 Prozent der mittelständischen Unternehmen besuchten 2024 mindestens ein Mal eine Bank oder Sparkasse, so wenige wie nie zuvor
  • Entwicklung ist seit Jahren negativ, hat sich aber verlangsamt
  • Im Schnitt benötigt ein Unternehmen knapp 17 Minuten, um zu einer Filiale zu gelangen – in Ostdeutschland teils deutlich länger

Mittelständische Unternehmerinnen und Unternehmer in Deutschland suchen immer seltener eine Bankfiliale auf. Im Jahr 2024 nahmen erstmals weniger als die Hälfte der Unternehmen, nämlich 47 Prozent, mindestens einen Geschäftstermin in einer Bank- oder Sparkassenfiliale wahr. Drei Jahre zuvor waren es 50 Prozent, im Jahr 2017 noch 65 Prozent. Der Rückgang der Filialbesuche geht somit weiter, die Dynamik hat sich aber im Vergleich zu den Vorerhebungen verlangsamt.

In absoluten Unternehmenszahlen ausgedrückt zeigt sich: 1,8 Millionen Mittelständler besuchten 2024 eine Bank- oder Sparkassenfiliale – 60.000 weniger als 2021 und 620.000 weniger als im Jahr 2017. Unternehmen, die ihren Weg noch in eine Filiale fanden, besuchten diese dann im Schnitt 3,15 Mal. Zusammengerechnet ergibt sich somit für das Jahr 2024 eine Zahl von etwa 5,7 Millionen Geschäftsterminen von Mittelständlern mit Kreditinstituten und damit rund 700.000 weniger als 2021 und fast vier Millionen weniger als 2017.

Das sind Ergebnisse einer Sonderauswertung zum KfW-Mittelstandspanel. Für das repräsentative Mittelstandspanel werden kleine und mittlere Unternehmen sämtlicher Wirtschaftszweige mit einem Jahresumsatz von bis zu 500 Millionen Euro befragt.

Die Gründe für den Rückgang der Filialkontakte sind mannigfaltig.

„Die Bereitschaft im Mittelstand, überhaupt Investitionen anzugehen, stagniert seit vielen Jahren. Wenn die Unternehmen dann Investitionen vornehmen, verzichten sie immer häufiger auf eine Bankfinanzierung. Dadurch benötigen sie auch seltener Kontakt zu Kreditinstituten“,

sagt Dr. Dirk Schumacher, Chefvolkswirt der KfW. Zudem:

„Banken und Sparkassen digitalisieren sich immer stärker, die Unternehmen fragen vermehrt digitale Angebote nach. Auch dadurch entfällt die Notwendigkeit, Filialen aufzusuchen.“

Ein weiterer Grund dürfte sein: Die Zahl der Bankfilialen sinkt seit Jahren. Seit der Jahrtausendwende haben die Banken und Sparkassen hierzulande 69 Prozent ihrer Zweigstellen geschlossen. Dies umfasst Filialen sowie Außenstellen mit Selbstbedienungsterminals und zusätzlicher persönlicher Beratungsmöglichkeit.

Für Mittelständler ist es dadurch zeitlich auch etwas aufwendiger geworden, eine Filiale zu erreichen – der Mehraufwand ist aber moderat. Im Jahr 2024 benötigte ein mittelständischer Unternehmer im Schnitt 16,7 Minuten vom Firmensitz bis zur nächstgelegenen Filiale; 2021 waren es noch 15,5 Minuten. Dabei sind die Unterschiede im urbanen und im ländlichen Raum gering: In der Stadt benötigten Unternehmen im Schnitt 16,5, auf dem Land 17,1 Minuten.

Die Spannbreite zwischen den Bundesländern ist hingegen größer. Besonders in den ostdeutschen Ländern müssen die Unternehmen deutlich längere Distanzen zur nächsten Bankfiliale zurücklegen. In Mecklenburg-Vorpommern und in Brandenburg fast 23 Minuten – in Bremen dagegen nur etwas über 13 Minuten, in Hamburg und Bayern gut 15 Minuten.

Die komplette Studie ist zu finden unter Fokus Volkswirtschaft | KfW

Eine Grafik zu der Spannbreite zwischen den Bundesländern können Sie downloaden unter Deutschlandkarte - Anfahrtszeiten

Die Grafik zeigt auf einer Deutschlandkarte die durchschnittliche Anfahrtszeit, die Mittelständler je Bundesland zur nächstgelegenen Hausbankfiliale benötigen.
Diese Karte zeigt, wie viele Minuten Mittelständler in den Bundesländern benötigen, um die nächste Filiale ihrer Hausbank zu erreichen.
Portrait von Nina Luttmer

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