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Pressemitteilung vom 24.08.2021 / KfW

KfW-Konjunkturkompass: Das Wachstum ist zurück, aber die Bäume wachsen nicht in den Himmel

  • Dienstleistungssektor ist Treiber, Angebotsengpässe bremsen Industrieproduktion
  • KfW Research senkt deutsche Konjunkturprognose für 2021 auf 3,0 % (Vorprognose: 3,5 %), für 2022 BIP-Zunahme von 4,2 % (4,0 %) erwartet
  • Eurozonen-Wachstum 2021 bei 4,7 % (4,5 %), 2022 bei 4,3 % (unverändert)

Dank der zeitweise deutlich gesunkenen COVID19-Infektionszahlen hat sich die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal 2021 erholt, das Bruttoinlandsprodukt hat um 1,6 % zugelegt. Für das laufende dritte Quartal erwartet KfW Research ein kräftiges Wachstum, das weiterhin vor allem vom Dienstleistungssektor getrieben wird. Gleichzeitig begrenzen hartnäckige Angebotsengpässe im Produzierenden Gewerbe die Luft nach oben. Für das Gesamtjahr 2021 revidiert KfW Research daher die Konjunkturprognose nach unten und rechnet noch mit einem BIP-Wachstum von 3,0 % (Vorprognose 3,5 %, alle Raten preisbereinigt). Neben der wachstumshemmenden Materialknappheit ergibt sich ein Teil der Abwärtskorrektur auch aus der routinemäßigen Datenrevision des Statistischen Bundesamts, das anstatt der ursprünglich veröffentlichten -1,8 % für das erste Quartal 2021 mittlerweile einen BIP-Einbruch in Höhe von -2,0 % errechnet und auch mehrere Quartale des Vorjahres überarbeitet hat. Für das kommende Jahr ist KfW Research etwas optimistischer als bisher und erwartet eine Zunahme der Wirtschaftsleistung um 4,2 % (4,0 %).

„Das Wachstum ist zurück, aber die Bäume wachsen nicht in den Himmel“, fasst Dr. Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW zusammen. „Ein großer Wachstumsimpuls kommt aus dem Dienstleistungssektor, der auch schwungvoll ins Sommerquartal gestartet ist. Das Verarbeitende Gewerbe hingegen dürfte erst ab dem Jahresende wieder signifikant zum Wachstum beitragen. Bis dahin wird das mangelnde Angebot an Material und Vorprodukten insbesondere die Industrieproduktion, aber auch den Bau beschränken.“

Die aktuellen Engpässe erstrecken sich auf eine Vielzahl von Produkten. Besonders gravierend ist der Mangel an Chips bzw. Halbleitern, weshalb die Hersteller von elektrischen Ausrüstungen sowie von Kraftwagen und Kraftwagenteilen am stärksten betroffen sind. Auch wenn die Knappheiten sich hartnäckiger halten als zunächst erwartet, so sind sie doch ein vorübergehendes Wachstumshemmnis. Die aufgestauten Aufträge dürften sukzessive abgearbeitet werden. Infolgedessen dürfte vor allem das Verarbeitende Gewerbe dafür sorgen, dass die Quartalswachstumsraten im kommenden Jahr deutlich über dem langfristigen Durchschnitt liegen. Hinzu kommt ein erheblicher statistischer Überhang aus dem laufenden Jahr, sodass 2022 mit einem Wachstum von 4,2 % zu rechnen ist. Das Vorkrisenniveau, gemessen am BIP im vierten Quartal 2019, wird die deutsche Wirtschaft bereits im Herbst des laufenden Jahres leicht übertreffen.

Sorgen für die deutsche Konjunktur bereiten das nachlassende Impftempo und die Ausbreitung der Delta-Variante, wodurch die Infektionszahlen seit Juli wieder schnell und kontinuierlich steigen. Zusätzlicher Infektionsdruck dürfte außerdem nach Ende der Schulferien und aufgrund der Saisonalität im Herbst hinzukommen. Angesichts der Eingrenzbarkeit von Infektionsrisiken mit Masken, Tests und vor allem Impfungen sind pauschale Schließungen, etwa im Handel oder Gastgewerbe, allerdings inzwischen eher unwahrscheinlich. Hoffnung macht außerdem, dass einige Länder, wie etwa die Niederlande und Spanien, die erste Delta-Welle mit nur geringfügigen Einschränkungen brechen konnten.

Im Euroraum ist die Wirtschaft im zweiten Quartal noch etwas schneller gewachsen als in Deutschland. Wachstumslokomotiven waren vor allem die südeuropäischen Länder, wo die Eindämmungsmaßnahmen etwas früher gelockert wurden und Angebotsengpässe in der Industrie eine geringere Rolle spielen. Für den Rest des Jahres ist bei den meisten Euro-Ländern von einem ähnlichen Quartalsprofil wie in Deutschland auszugehen, denn durch die gemeinsame Impfstoffbeschaffung sowie die sehr expansiv ausgerichtete Geldpolitik der EZB wurden ähnliche Grundvoraussetzungen für die Überwindung der Corona-Krise geschaffen. KfW Research erwartet für den Euroraum im laufenden Jahr ein Wachstum von 4,7 %, 2022 dürfte die Wirtschaft dann um 4,3 % zulegen (Vorprognosen: 4,5 % bzw. ebenfalls 4,3 %).

Der aktuelle KfW-Konjunkturkompass ist abrufbar unter: www.kfw.de/konjunkturkompass

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