Neubau
Klimavorreiter in historischer UmgebungIm mittelhessischen Braunfels entsteht ein Mehrfamilienhaus nach höchsten Energiestandards – mit Wärmepumpe, Photovoltaik und Schlossblick. Der Anspruch der beiden jungen Bauträger: ästhetisch, klimafreundlich und wirtschaftlich zugleich bauen.
Große Photovoltaik-Panels, zwei Luft-Wärmepumpen und ein malerischer Blick auf ein Schloss aus dem 13. Jahrhundert: Als Dmitrij Kiselev und Björn Strietzel die Dachterrasse des Mehrfamilienhauses präsentieren, ist ihnen der Stolz auf ihr Projekt anzusehen. Die jungen Bauträger sind für das entstehende Gebäude im hessischen Luftkurort Braunfels verantwortlich – vom Konzept über den Entwurf des Grundrisses bis zur Begleitung des Baus.
Es ist das dritte Gebäude, das die beiden auf diese Weise entwickelt haben. Dabei haben sie ihr Unternehmen „K&S Wohnbau“ erst 2021 gegründet. „Die Anfangszeit hat uns sehr geprägt“, erzählt Dmitrij Kiselev. Nur wenige Monate nach der Gründung begann der russische Angriffskrieg auf die Ukraine, und seine gravierenden Auswirkungen auf Energieversorgung und -preise trafen das junge Unternehmen hart. „Damals ist uns klar geworden, dass Wohngebäude unabhängig von fossilen Energien werden müssen. Deshalb haben wir uns entschieden, nur KfW-gefördert nach dem höchsten Nachhaltigkeitsstandard zu bauen – dem KfW 40 QNG .“
Die KfW-Förderung war für die Bauingenieure ein wichtiger Baustein, um die Wohnungen trotz der hohen energetischen Anforderungen wirtschaftlich attraktiv anbieten zu können – besonders als die Bauzinsen stark anstiegen. „Durch die Förderung können wir Wohnungen nach höchstem energetischem Standard bauen und sie gleichzeitig für die Käuferinnen und Käufer bezahlbar halten“, sagt Kiselev.
Ihr aktuelles Bauprojekt begann mit einer Online-Recherche: Ende 2024 entdeckten die beiden dabei das Grundstück in Braunfels mit Schlossblick. Nach nur einer Besichtigung vor Ort kauften sie es. „Das Grundstück ist nur fünf Minuten zu Fuß vom historischen Stadtkern und dem Schlosspark entfernt“, sagt Kiselev. „Deshalb haben wir uns bemüht, ein Gebäude zu entwickeln, das sich architektonisch organisch in den Ort einfügt und das man im besten Fall auch in 40 Jahren noch schön findet.“
Sehr wichtig war den beiden Geschäftspartnern Kiselev und Strietzel, die Nebenkosten im Mehrfamilienhaus für die späteren Eigentümer oder Mieter möglichst niedrig zu halten. Dafür musste die Gebäudetechnik – etwa die Lüftungsanlage und die PV-Anlage – exakt auf die energetische Gebäudehülle abgestimmt werden.
Um so unabhängig wie möglich von fossilen Energien zu sein, setzen die Bauträger auf eine Luft-Wasser-Wärmepumpe. Die Installation gestaltete sich zwar nicht ganz einfach, doch die Herausforderung ließ sich lösen: „Die Netzleistung am Grundstück war nicht ausreichend für eine Wärmepumpe“, sagt Björn Strietzel. „Wir mussten rund 150 Meter Straße öffnen lassen, um die nötige Stromversorgung sicherzustellen.“
Die Resultate zeigen, dass sich der Aufwand gelohnt hat: Der Endenergieverbrauch liegt bei 12,3 Kilowattstunden pro Quadratmeter – und damit bei nur einem Zehntel einer typischen Wohnung aus den 1980er-Jahren. Außerdem kann sich das Gebäude dank seiner Photovoltaik-Anlage und den Pufferspeichern im Keller fast autark mit Energie versorgen.
In jeder Wohnung sorgt eine engmaschig verlegte Fußbodenheizung für niedrige Vorlauftemperaturen. Über eine eigene Übergabestation lässt sich die Heizung individuell steuern. Ein weiterer Vorteil: Die Bewohner müssen nicht selbst lüften. Das übernimmt eine Lüftungsanlage. „So bleibt die Luftqualität konstant gut und gegenüber dem klassischen Lüften wird Energie eingespart“, erklärt Strietzel.
Allen, die ebenfalls nachhaltig bauen wollen, raten die Bauträger: Anforderungen an Energieeffizienz, Nachhaltigkeit und Gebäudetechnik sollten von Anfang an zusammengedacht werden. „Man muss den Entwurf frühzeitig mit allen Beteiligten abstimmen — also mit Architekten, Energieeffizienz-Experten, Fachplanern und den ausführenden Gewerken“, sagt Strietzel. Ansonsten gehe das Konzept im schlimmsten Fall später nicht mehr auf.
Mit einer sorgfältigen Planung aber lohnt sich klimafreundliches Bauen auch wirtschaftlich, betonen Kiselev und Strietzel. „Das wollen wir mit Gebäuden wie diesem zeigen.“
Klimafreundlicher Neubau – Wohngebäude
Haus und Wohnung energieeffizient und nachhaltig bauen
Das Förderprodukt 297 zielt auf die Erhöhung des Nachhaltigkeitsstandards bei der Schaffung neuen Wohnraums ab. Weitere Informationen dazu im Merkblatt.
Stand: 13. August 2026
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