Gründer Schimanski mit Bienen
Gründen

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Eine Zukunft für Biene und Imker

Naturschützer beobachten weltweit einen starken Rückgang der Bienenpopulationen. Das wirkt sich nicht nur auf das ökologische Gleichgewicht, sondern auch auf den Berufsstand des Imkers aus. Um den Erhalt des Berufs und der Insekten zu sichern, hat Dieter Schimanski eine Geschäftsidee entwickelt: Unternehmen können bei ihm Bienenvölker leasen, die von Berufsimkern gepflegt werden. Mit seinem Start-up Bee-Rent gewann Schimanski den Sonderpreis Social Entrepreneurship des KfW Award Gründen 2019.

In unserem Video erzählt Gründer Dieter Schimanski, wie er auf die Idee kam, Bienen zu vermieten (KfW Bankengruppe/n-tv).

Bienen brauchen nicht viel Platz. Wenige Meter hinter dem Firmensitz von Bee-Rent in Ganderkesee bei Bremen wohnen 30 Bienenvölker auf 500 Quadratmetern Wiese – ein Zuhause für bis zu 1,5 Millionen Bienen. Honigbienen vermehren sich zwar schnell, aber je mehr es gibt, desto mehr Imker müssen sich um den Erhalt der Tiere kümmern. Ein Hobbyimker ist da schnell überfordert. „Zurzeit ist es zwar angesagt, Bienen zu halten, aber was passiert, wenn es das nicht mehr ist? Von 100 Imkern in Deutschland sind weniger als ein Prozent Berufsimker“, erzählt Dieter Schimanski, der Geschäftsführer von Bee-Rent. „Mit Bee-Rent schaffen wir wieder Stabilität. Nicht nur für Imker, sondern auch für Bienen.“

Unternehmen können ein oder mehrere Bienenvölker für einen monatlichen Betrag von 200 Euro für mindestens zwei Jahre bei Dieter Schimanski mieten. Die Bienenstöcke werden vom Geschäftsführer persönlich an einen vom Unternehmen ausgesuchten Standort geliefert. Mittlerweile stehen die Bee-Rent-Bienenkörbe zum Beispiel auf Krankenhausgeländen, auf Schulhöfen und auf den Flachdächern von Radio Bremen und dem Hauptsitz der KfW-Tochter DEG in Köln. Zehn- bis fünfzehnmal im Jahr kommen Imker aus der Region zu den Standorten und kümmern sich um die Insekten. Nach einem Jahr wird der erste Honig geerntet. Auf 20 bis 30 Kilogramm bringt es dabei jedes Bienenvolk.

Dieter Schimanski mit Hund und Bienen

Der Vertriebs- und Marketingexperte Dieter Schimanski verkaufte seine Werbeagentur und setzte mit vollem Einsatz auf sein Start-up Bee-Rent.

Bienen-Leasing als Geschäftsidee

Das Besondere an dem Konzept: Die Unternehmen erhalten den Honigertrag des eigenen Bienenvolks nach der Verarbeitung. Dazu beschriftet Bee-Rent die zuvor vom Kunden ausgesuchten Gläser mit individuellen Etiketten. Anders als bei normalen Imkern geht es nicht darum, so viel Honig wie möglich zu produzieren, sondern um die artgerechte Haltung und den Schutz der Bienen vor der Varroamilbe, einem Parasiten, der das Immunsystem der Insekten schwächt. Und auch wenn die Milbe nicht vollständig beseitigt werden kann, kennen fachkundige Imker zumindest verschiedene Methoden, um deren Ausbreitung einzudämmen.

Als Hobbyimker hat sich Dieter Schimanski schon von klein auf für den Erhalt der Honigbiene eingesetzt. Doch erst im Juli 2015 kam er auf die Idee, aus Bienen-Leasing ein Geschäft zu machen: „Es gibt viele Hobbyimker. Aber von der Biene leben, das können wenige. Wenn man die Biene und die Imker professionell unterstützen möchte, muss man die Honigbiene vermieten, dachte ich mir.“ Was als kleines Projekt neben seiner Arbeit begann, zeigte schon nach kurzer Zeit erste Erfolge. „Zuerst habe ich das aus Spaß gemacht und Bienenvölker mit meinem Audi Coupé ausgeliefert. Heute fahre ich einen VW Bus.“

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KfW Award Gründen

Der KfW Award Gründen (ehemals GründerChampions) zeichnete im Oktober 2019 die 16 Landessieger und einen Bundessieger für ihre Geschäftsideen aus.

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Doch Schimanski ist kein Anfänger. Auf eine professionelle Planung setzte er von Anfang an: „Ich habe einen Businessplan geschrieben und einen Finanzplan aufgestellt, um zu sehen, ob sich das Projekt betriebswirtschaftlich lohnt“, erläutert der routinierte Gründer. Bereits im Jahr 2004 wagte Dieter Schimanski den Schritt in die Selbstständigkeit und gründete eine Einkaufskooperation. 2012 kam seine Marketingagentur hinzu. Und dann, 2015, Bee-Rent. Viele Medien berichteten schon im Gründungsjahr vom Bienen-Leasing und brachten so den Stein ins Rollen. Es meldeten sich immer mehr Unternehmen, die eine Bienenbox mieten wollten.

Schimanski mit Honig

Das von den Bienen produzierte Wachs wird als Rohstoff eingeschmolzen und der Biene im kommenden Jahr als sogenannte Mittelwand zum Bauen wieder zur Verfügung gestellt.

Eine Perspektive für Imker

Mit den damaligen Kapazitäten wurde das Geschäft zur immer größeren Herausforderung – bis 2016 das Franchise-Konzept dazukam. Imker aus ganz Deutschland meldeten sich und wollten als Vertriebspartner Teil von Bee-Rent werden. Mittlerweile hat das Unternehmen deutschlandweit 25 Franchise-Imker. Um sich voll und ganz auf das boomende Bienengeschäft konzentrieren zu können, verkaufte Schimanski Anfang 2018 seine Anteile an der eigenen Marketingagentur, und seither kümmert er sich nur noch um Bee-Rent.

„Wir haben Imkermeister, die sich Bee-Rent anschließen, weil sie dadurch wieder eine Perspektive in ihrem Job sehen. Wir schaffen Zukunft für Menschen. Und damit auch für Bienen“, sagt Dieter Schimanski. Mit einem Ertrag von 100 Kilo Honig verdienen die Imker pro Bienenvolk 350 Euro im Jahr über den Großhandel. Bei Bee-Rent sind sie drei Jahre für die Pflege eines Bienenvolks verantwortlich und liefern die vollen Waben an das Unternehmen, damit der Honig produziert werden kann. Innerhalb dieser Zeit erhalten sie einen Betrag von knapp 1.524 Euro, also deutlich mehr als für den Verkauf des Honigs. Dieses Einkommen können die Imker als feste Basis einkalkulieren. Deshalb, glaubt Dieter Schimanski, biete sein Start-up eine gute wirtschaftliche Basis, die Imker leicht davon überzeuge, in das Konzept einzusteigen. Bei der Herstellung des Honigs im sogenannten Honigraum wird die Masse geschleudert, geklärt, gefiltert und anschließend gekühlt. Die gesamte Produktion wird von zwei Maschinen durchgeführt. Um die Produktionsmaschinen zu bekommen, musste sich Schimanski mit etlichen Herstellern aus unterschiedlichen Ländern zusammensetzen. „Mithilfe des Internets haben wir uns viele einzelne Bauteile bestellen können. Die Etikettieranlage bekamen wir zum Beispiel aus Italien und die Deckelaufdrehmaschine aus Dänemark.“ Was heute automatisiert erledigt wird, war zu Beginn aufwendige Handarbeit, erinnert sich Schimanski: „In den ersten Jahren habe ich mit meiner Frau noch 7.000 Gläser von Hand zugeschraubt und etikettiert. Heute schaffen wir 80.000 Gläser in einem Jahr.“

Finanziert hat Schimanski sein Start-up bisher größtenteils aus eigenen Mitteln. Nur einen Betriebsmittelkredit nahm er auf, um eine seiner Maschinen finanzieren zu können. Die großen Meilensteine stehen Bee-Rent noch bevor: Das Start-up will international werden. „Wir haben einen ersten Vertriebspartner in Luxemburg und Anfragen aus Frankreich, Österreich und den Niederlanden. Solche konzeptionellen Weichenstellungen sind sehr maßgeblich für die Zukunft eines Unternehmens. An der Umsetzung basteln wir noch ein bisschen“, sagt Dieter Schimanski.

Ein zusätzliches Angebot von Insektenhotels ist ebenfalls in Planung. Denn laut Schimanski sei es auch wichtig, die anderen Insekten zu schützen und ihnen den Wohnraum zu bieten, den sie alleine fast nicht mehr finden können. „Ich glaube, dass in unserer Gesellschaft ein großes Umdenken stattfindet. Natürlich muss jeder in puncto Nachhaltigkeit die eigene Positionierung finden. Aber mit Bee-Rent liefern wir etwas absolut Einmaliges.“

Auf KfW Stories veröffentlicht am 1. November 2019.