Die fünf Gründer von Betterspace
Energieeffizienz

Energieeffizienz

Wegbereiter für das digitale Hotel

Betterspace will Hotels auf dem Weg in die digitale Zukunft begleiten. Angefangen hat alles mit der Steuerung von Heizungen. Ein Porträt des Start-ups, das gute Ideen wie am Fließband produziert.

Porträt der fünf Gründer von Betterspace
Quintett

Dr. Siwanand Misara, Benjamin Köhler, Gerhard Weiß, Robert Böhl und Alexander Spisla (v.l.n.r.) gehören zum Gründer-Team von Betterspace.

Ein erster Platz ist immer eine unglaubliche Bestätigung. Stefan Frankfurth, Eigentümer des Hotels Emstaler Höhe, räumte ihn im Juli 2017 in der Kategorie „Tourismus- und Freizeitwirtschaft“ beim Wettbewerb „We do digital“ ab. Ein Preis, den er nicht zuletzt auch dem Start-up Betterspace zu verdanken hat.

In dem Hotel wurde eine intelligente, digitale Heizungssteuerung, genannt iQ Roomcontrol, installiert. Bis zu 30 Prozent der Heizungskosten spart diese neue Technik ein. „Am meisten hat mich gefreut, dass es unser Kunde war, der sich für diesen Preis beworben hat, und nicht wir“, sagt Benjamin Köhler, Mitgründer von Betterspace. „Für mich war das ein Zeichen des Vertrauens.“

Der 29-Jährige trägt Dreitagebart, T-Shirt, enge Jeans und Sneaker. Er sitzt in der Beletage einer alten Stadtvilla im Kasseler Norden, das Herkules-Monument und der Bergpark Wilhelmshöhe liegen gleich um die Ecke. Rund um das Haus gibt es viel Grün, alte Bäume, im Garten stehen eine Tischtennisplatte und ein Grill. Neben Köhlers Schreibtisch stehen Umzugskartons. Erst vor ein paar Tagen ist Betterspace aus dem Gründerzentrum Science Park in der Kassler Innenstadt in die neuen Büros gezogen. Die alten Räumlichkeiten waren zu klein geworden. Einen zweiten Standort hat Betterspace schon länger im thüringischen Ilmenau. Damit nicht genug: „Wir wollen weiter wachsen“, erklärt der Unternehmer. Er ist einer der drei Gründer von Betterspace, zuständig für den Vertrieb und das Marketing. Gerhard Weiß und Siwanand Misara heißen seine Mitstreiter bei dem Start-up.

Lesen Sie unter der Bildergalerie weiter.

Am Anfang von Betterspace gab es die Produktidee, ein schlüssiges Vermarktungs- und Vertriebskonzept fehlte allerdings. Gerhard Weiß und Siwanand Misara hatten zusammen beim Kasseler Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) gearbeitet. Gemeinsam entwickelten sie das Konzept für die Heizungssteuerung, die bis heute das Kernprodukt von Betterspace geblieben ist.

An der Kasseler Universität trafen sie auf Benjamin Köhler, der damals noch studierte und als studentische Hilfskraft bei einer Gründungsberatung der Hochschule arbeitete. Er beriet Misara und Weiß bei der Firmengründung – und stieg schon bald mit ein. Ein Gründerstipendium machte die ersten Schritte leichter, im November 2015 wurde aus dem Projekt Betterspace schließlich eine GmbH. Ihre Kunden fanden sie in der die Hotellerie.

„Gerade in Hotels ist es wichtig, genau zu wissen, ob ein Zimmer gerade geheizt werden muss oder nicht“, sagt Köhler. iQ Roomcontrol findet genau das heraus. Dabei wird die Heizungssteuerung mit der Hotelsoftware verknüpft. So erkennt das System zum Beispiel, wenn in einem Zimmer, das gar nicht belegt ist, die Heizung auf Hochtouren läuft. Oder es schlägt Alarm, wenn die Raumtemperatur trotz laufender Heizung niedrig bleibt – weil die Gäste die Fenster aufgerissen haben. Das System kann aber genauso gut auch dafür sorgen, dass ein Raum bereits wohlig warm ist, wenn die Hotelgäste anreisen. Unter dem Strich kümmert sich iQ Roomcontrol um Energieeffizienz und Komfort.

Bei Betterspace gehört Teamwork zum Alltag
Teamgeist

Der Austausch mit Kollegen hat bei Betterspace einen großen Stellenwert.

„Die Idee hat sich geformt, wurde immer konkreter, und dann hatten wir auch schon die ersten Kunden“, erinnert sich Gerhard Weiß, 28 Jahre alt, an die Anfangstage von Betterspace. „Wir sind schnell zu einem Team gewachsen, weil wir das Abteilungsdenken hinter uns gelassen haben“, sagt er.

Der Austausch untereinander sei das Wichtigste in einem Betrieb, der sich so dynamisch wie Betterspace entwickelt. Ein Ritual, mit dem dieser gepflegt wird, ist das „Stand up“. Einmal in der Woche kommen dafür alle Mitarbeiter – stehend – zusammen und besprechen, was in den kommenden Tagen ansteht, welche Probleme zu lösen sind, welche Erfolge es gab. „Wir lernen unglaublich viel voneinander“, sagt Benjamin Köhler.

Digitale Gästemappen im Portfolio

„Die Digitalisierung ist ein Riesenthema in der Hotellerie, doch viele tun sich damit noch schwer“, sagt Weiß. Ziel von Betterspace ist es, ihre Firma zur ersten Anlaufstelle für alle Hotelbetreiber zu machen, die die digitale Transformation ihres Hauses in Angriff nehmen wollen. Darum haben sie ihr Produktportfolio auch stark erweitert: Angeboten werden heute etwa auch Tablets, die als digitale Gästemappen genutzt werden können, interaktive Displays für die Hotellobby und die Installation von Voice-over-IP-Telefonen und WLAN-Lösungen. Ab sofort ist auch die Steuerung von Klimaanlagen möglich.

„Die Digitalisierung ist ein Riesenthema in der Hotellerie, doch viele tun sich damit noch schwer.“

Jörg Weiß, Mitgründer von Betterspace

Die KfW fördert

Mit dem ERP-Digitalisierungs- und Innovationskredit, dem BMUB-Umweltinnovationsprogramm oder dem ERP-Mezzanine für Innovation finden Gründer bei der KfW verschiedene Förderprodukte für innovative Vorhaben.

Mehr erfahren

„Wir wollen ein ganzheitlicher Anbieter sein und mehr möglich machen als nur Insellösungen“, sagt Benjamin Köhler. Ihm ist „nicht das schnelle Geschäft“, sondern der Aufbau von langfristigen Kundenbeziehungen wichtig. Der Kundenkreis des Unternehmens ist seit der Gründung bereits kräftig angewachsen – auf über 200 Betriebe. Dazu zählen große Hotelketten genauso wie Vermieter von einzelnen Ferienwohnungen.

Die größere Produktpalette ermöglicht vor allem die Fusion der Firmen Betterspace und SD Concept aus Ilmenau in Thüringen im Oktober 2016. Die Gründer von SC Concept, Alexander Spisla und Robert Böhl, haben sich auf digitale Gästekommunikation in der Hotellerie konzentriert. Ihr Unternehmen firmiert nun unter der Marke Betterspace. Trotz Wachstumskurs soll der Start-up-Geist aber nicht auf der Strecke bleiben. „Wenn man das nicht lebt, dann hat man keinen Erfolg“, ist Weiß überzeugt. „Würden wir und unsere Mitarbeiter hier auf einen Nine-to-five-Job bestehen, dann wären wir noch lange nicht so weit.“

Quelle
Cover CHANCEN Erfolg in der digitalen Welt

Das Start-up Betterspace ist Teil der Fotostrecke „Unsere Gründer" in CHANCEN Frühjahr/Sommer 2017 „Erfolg in der digitalen Welt“.

Zur Ausgabe

Das hat auch die Jury des KfW-Award GründerChampions überzeugt. Betterspace wurden als Landessieger 2016 in Hessen ausgezeichnet. „Seit fast 20 Jahren verleiht die KfW Bankengruppe diesen Preis an Unternehmen, die zukunftsweisende Trends zur gelebten Praxis werden lassen“, sagt Christian Buhr, KfW-Abteilungsleiter für Unternehmensfinanzierung, Gründung und Bildung. „Gerade Betterspace vereint die drei Förderschwerpunkte der KfW – Energiesparen, Existenzgründung und Innovation – in besonderem Maße.“

Auf KfW Stories veröffentlicht am: Mittwoch, 9. August 2017