Solarkraftwerk Zaatari
Gesellschaftlicher Zusammenhalt

Gesellschaftlicher Zusammenhalt

Grüner Strom für Zaatari

Ein Solarkraftwerk mit der Größe von 33 Fußballfeldern versorgt ein Flüchtlingslager in der Wüste Jordaniens mit Strom. Dies gibt nicht nur den syrischen Familien ein Gefühl der Normalität, sondern entfacht ein reges Stadtleben.

Grüne Energiequelle für Zaatari

Solarfeld für ein Flüchtlingslager (KfW Bankengruppe/Thomas Schuch).

Eine der größten Städte Jordaniens heißt Zaatari. Sie ist rasend schnell gewachsen. Vor sieben Jahren gab es sie noch gar nicht, vor sieben Jahren war hier nur Sand und Geröll. Dann kamen ein paar Familien und blieben in Zelten. Heute leben etwa 80.000 Menschen in Zaatari, Syrer, keine Jordanier. Zaatari, wenige Kilometer südlich der Grenze zu Syrien gelegen, ist nur auf die Landkarte gekommen, weil Millionen Syrer des Bürgerkrieges wegen ihr Land verlassen mussten.

Nach wie vor ist Zaatari ein Flüchtlingslager, aber eben auch schon eine Stadt. Mit einer Hauptstraße, die ihre Bewohner „Champs-Elysées“ nennen, an der Geschäfte, Lokale und Betriebe liegen, 3.000 alles in allem. Die Menschen wohnen in Containern und Zelten. Zaatari hat etwa so viele Einwohner wie beispielsweise Konstanz, sie leben aber zusammengedrängt auf einem Zehntel der Fläche der Bodensee-Stadt.

Solarkraftwerk Zaatari
Die Bewohner

Die Menschen in der Flüchtlingsstadt versuchen, sich ein normales Leben aufzubauen. Kaum einer weiß, wie lange er noch bleiben wird.

Im November 2017 haben sich die Lebensbedingungen in Zaatari, einem der größten Flüchtlingscamps der Welt, entscheidend verbessert. Eine Photovoltaik-Anlage ist in Betrieb gegangen, die größte in einem Flüchtlingslager des UNHCR, des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen, und die zweite überhaupt erst in einem UNHCR-Camp. Die erste, kleinere, läuft seit Frühjahr 2017 im Flüchtlingslager Azraq, ebenfalls in Jordanien.

In nur sechs Monaten errichteten jordanische und syrische Arbeitskräfte das Sonnenkraftwerk an der Peripherie von Zaatari. Finanziert hat die Anlage ganz überwiegend die KfW Entwicklungsbank mit Mitteln der Bundesregierung, die hierfür 15 Millionen Euro bereitgestellt hat. Damit hat die KfW in dieser Region zum ersten Mal eine Solarstrom-Anlage in einem Flüchtlingslager finanziert, wie Cornelia Dinter berichtet, die bei der KfW Entwicklungsbank für die Palästinensischen Gebiete und Jordanien zuständig ist.

Solarkraftwerk Zaatari
Die Dimensionen

30.000 Solarmodule bedecken eine Fläche, die so groß ist wie 33 Fußballfelder.

Im Auftrag der Bundesregierung unterstützt die KfW weitere Vorhaben in Zaatari, die die Lebensbedingungen im Camp verbessern. So engagiert sie sich bei der Trinkwasserversorgung und der Abwasserentsorgung, aber auch im Bildungsbereich. In der Lagerstadt besuchen nach UNHCR-Angaben mehr als 21.000 Mädchen und Jungen eine Schule.

Die Syrerin Ilham, Mutter von drei Kindern, freut sich über die verbesserte Stromversorgung im Lager: „Jetzt kann ich tagsüber Wäsche waschen, nachts trocknet sie schlecht“. Und: „Meine Kinder müssen nach Einbruch der Dunkelheit nicht draußen spielen, sondern können Fernsehen gucken oder lernen.“

Solarkraftwerk Zaatari
Der Nebeneffekt

Strom, der bei Sonnenschein produziert, aber im Lager nicht gebraucht wird, fließt ins jordanische Netz.

Die stellvertretende Hochkommissarin des UNHCR, die US-Amerikanerin Kelly T. Clements, erläutert, warum Strom für Flüchtlinge im Lager so wichtig ist: „Beleuchtung bedeutet mehr Sicherheit auf der Straße und Kinder können abends lernen.“ Für Flüchtlinge ist es überdies außerordentlich wichtig, ihre Mobiltelefone ständig aufladen zu können, bilden die Geräte doch die einzige Verbindung zu ihren Verwandten und Freunden, die noch in umkämpften Gebieten in Syrien leben oder die es auf der Flucht in irgendein anderes Land verschlagen hat. Strom erlaube es den Camp-Bewohnern vor allem, „ein würdevolleres Leben zu führen“.

Die Photovoltaik-Anlage in Zaatari besteht aus 30.000 Solarmodulen. Sie sind in Reihen am Rande der Flüchtlingsstadt aufgestellt auf einer Fläche, die so groß ist wie 33 Fußballfelder. Das 12,9 Megawatt-Kraftwerk liefert bis zu 14 Stunden Strom pro Tag, zwar immer noch nicht ausreichend für die „Rundum-Versorgung“, sagt Frau Dinter, aber fast doppelt so lange wie zuvor.

Solarkraftwerk Zaatari
Die Innenstadt

Etwa 3.000 Geschäfte, Lokale und Betriebe reihen sich aneinander entlang der Hauptstraße der Flüchtlingsstadt.

Die Anlage hat weitere Vorzüge. In Jordanien ist Strom teuer. Er wird überwiegend aus fossilen Rohstoffen produziert, diese müssen importiert werden. Die Stromkäufe für Zaatari hatten den Lager-Betreiber UNHCR bis Ende vergangenen Jahres bis zu 800.000 US-Dollar pro Monat gekostet. Mit dem Einsatz der erneuerbaren Energie spart das Flüchtlingshilfswerk jetzt pro Jahr rund 5,5 Millionen US-Dollar bei den Stromausgaben und kann diese Mittel für andere Hilfen verwenden.

Und schließlich profitiert auch die jordanische Gesellschaft vom Sonnen-Kraftwerk im Flüchtlingscamp. Das Energieministerium des Königreichs hat sich am Bau der Anlage finanziell beteiligt und betreibt sie. Strom, der bei Sonnenschein produziert, aber im Lager nicht gebraucht wird, fließt ins jordanische Netz. Weil Zaatari nun weniger Strom aus fossilen Brennstoffen benötigt, reduziert sich Jordaniens CO2-Ausstoß um 15.000 Tonnen pro Jahr. Dieser „Gewinn“ bringt das Land seinen ökologischen Zielen näher. Jordanien will bis 2020 zehn und bis 2025 20 Prozent seines Stromverbrauchs aus regenerativen Quellen bestreiten.

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Der Geschäftsbereich KfW Entwicklungsbank fördert weltweit zahlreiche Projekte im Energiesektor.

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Das gute Beispiel macht Schule. Die KfW Entwicklungsbank verbindet in einem weiteren Projekt in Jordanien Flüchtlingshilfe und nachhaltige Stromerzeugung. Sie finanziert im Auftrag der Bundesregierung eine Photovoltaik-Anlage, von der Gemeinden im Norden Jordaniens profitieren sollen. Dort leben besonders viele Flüchtlinge. Die geförderten Maßnahmen kommen jedoch in gleicher Weise der lokalen Bevölkerung zu Gute.

Auf KfW Stories veröffentlicht am: Donnerstag, 12. April 2018