KfW Research – Dossier
KonjunkturWirtschaftliches Wachstum verläuft nicht gleichmäßig, sondern in Zyklen: Phasen konjunktureller Unter- und Überauslastung der gesamtwirtschaftlichen Kapazitäten wechseln sich ab. Der Analyse solcher Zyklen und der Prognose konjunktureller Wendepunkte kommt eine wichtige Bedeutung zu. Denn die Konjunktur setzt den wirtschaftlichen Rahmen, in dem private Haushalte, Unternehmen und Staat ihre Entscheidungen etwa im Hinblick auf ihren Konsum oder ihre Investitionen treffen. Auch Geld- und Fiskalpolitik sollten je nach Phase im Konjunkturzyklus unterschiedlich ausgerichtet sein. KfW Research analysiert die Konjunktur in Deutschland und der Eurozone und veröffentlicht vierteljährlich eigene Prognosen zum realen Wachstum des Bruttoinlandsprodukts.
Kommentare KfW Research
09.06.2026 | Industrieproduktion Deutschland
„Mit dem Stagnieren der Industrieproduktion (ohne Bau) und dem Rücksetzer beim Auftragseingang in der Industrie hat sich die Lücke zwischen Auftragseingang und Produktion im April wieder etwas geschlossen. Zoomt man etwas heraus, erkennt man aber noch eine beachtliche Kluft, was an die großen Angebotsengpässe von 2021/2022 erinnert. Gleichzeitig liegt der Anteil der Industrieunternehmen mit produktionshemmenden Materialengpässen laut ifo-Umfrage aber noch bei nur 13,8 Prozent während zur gleichen Zeit im Jahr 2022 Werte von 75 Prozent erreicht wurden. Noch scheinen die nur langsam produktionswirksam werdenden Rüstungsaufträge eine größere Rolle zu spielen als die Lieferengpässe. Dennoch wird die Industrieproduktion wohl erst eine positive Trendwende hinlegen, wenn die Straße von Hormus wieder offen ist. Die umfragebasierten Konjunkturdaten aus der Industrie sind im Mai überwiegend nach unten gegangen.“
Dr. Philipp Scheuermeyer
08.06.2026 | Vorabkommentar EZB-Sitzung am 11. Juni
„Die EZB wird die Zinsen am Donnerstag voraussichtlich um 0,25 Prozentpunkte erhöhen. Die Kommunikation aus dem EZB-Rat war sehr eindeutig. Dieser Schritt soll ein Signal an die Finanzmärkte, aber auch an die Unternehmen und Haushalte sein, dass die EZB die Inflationsdynamik sehr genau im Auge hat. Die Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Konjunktur und die Preisentwicklung bleibt sehr hoch. Eine starke Verlangsamung der Konjunktur in den kommenden Monaten würde der EZB die Arbeit abnehmen – und weitere Zinsanhebungen unnötig machen. Es wird deshalb am Donnerstag kein klares Signal für eine weitere Straffung der Geldpolitik geben. Vielmehr wird Präsidentin Lagarde sich vor allem im Konjunktiv ausdrücken und die Notwendigkeit für weitere Daten betonen, um Klarheit über den künftigen Kurs zu erlangen.“
Dr. Dirk Schumacher
Konjunktur
Ein hartnäckiger Energiepreisschock
2. April 2026
Der durch den Krieg im Nahen Osten ausgelöste Energiepreisschock wird stärker und nachhaltiger ausfallen als wir dies zu Beginn des Krieges in unserem Basis-Szenario angenommen hatten. Wir revidieren deshalb unsere Wachstumsprognose für Deutschland für das Jahr 2026 auf nur noch 0,9 % (0,6 % ohne Kalendereffekt), gegenüber einer Vorkriegsprognose von 1,5 %. Wir unterstellen hierbei, dass die Straße von Hormus im Laufe des April wieder graduell passierbar wird. Eine längere Blockade würde die Rezessionsgefahr deutlich steigen lassen.
Deutschland: Aufschwung bei kurzer Blockade der Straße von Hormus noch nicht gefährdet
11. März 2026
Der Krieg im Nahen Osten und der damit verbundene Anstieg des Öl- und Gaspreises stellen ein klares Risiko für unsere Wachstumsprognose für Deutschland von 1,5 % im Jahr 2026 dar. Wir gehen in unserem Basis-Szenario von einer mehrwöchigen Blockade der Straße von Hormus aus und einer anschließenden Normalisierung des Öl- und Gaspreises im Laufe des 2. Quartals. In diesem Szenario wäre der negative Wachstumseffekt gering, während die Inflation um etwa einen halben Prozentpunkt höher ausfallen könnte. Eine längere Blockade, die sich weit ins 2. Quartal erstreckt, würde allerdings das Wachstum in diesem Jahr auf unter 1 % drücken.
Deutschland: Aufschwung bei kurzer Blockade der Straße von Hormus noch nicht gefährdet
KfW-Konjunkturkompass
Iran-Krieg dämpft die Wachstumsaussichten
27. Mai 2026
Die deutsche Wirtschaft ist mit einem Wachstum von 0,3 % im Vorquartalsvergleich solide ins Jahr gestartet. Der Iran-Krieg trübt nun aber die Konjunkturaussichten: KfW Research erwartet für das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Deutschland 2026 nur noch eine Zunahme von 0,7 %, gefolgt von 1,3 % 2027. Auch für den Euroraum haben wir die Prognosen für das reale BIP spürbar nach unten korrigiert, die Inflationsprognose indes nach oben: 2026 dürfte bei der Verbraucherpreissteigerung sowohl für Deutschland als auch den Euroraum jeweils eine Drei vor dem Komma stehen.
KfW-ifo-Mittelstandsbarometer
Mittelständische Unternehmen sind entscheidend für Wachstum und Wohlstand einer Volkswirtschaft. KfW Research analysiert mit seinen einzigartigen Umfragen, Studien und Statistiken die Bedürfnisse der mittelständischen Unternehmen in Deutschland. Die Indikatorfamilie KfW-ifo-Mittelstandsbarometer basiert auf einer größenklassenbezogenen Auswertung der ifo Konjunkturumfragen, aus denen unter anderem der bekannte ifo Geschäftsklimaindex berechnet wird. Dabei werden monatlich rund 9.500 Unternehmen aus den Wirtschaftsbereichen Verarbeitendes Gewerbe, Bauhauptgewerbe, Großhandel, Einzelhandel sowie Dienstleistungen (ohne Kreditgewerbe, Versicherungen und Staat) zu ihrer wirtschaftlichen Situation befragt, darunter rund 8.000 Mittelständler.
Stabilisierung mit Fallstricken
28. Mai 2026
Nach zwei deutlichen Rückgängen in Folge stabilisiert sich das mittelständische Geschäftsklima im Mai: Es steigt sogar leicht um 0,5 Zähler auf nun -21,6 Punkte. Dabei tragen sowohl die Lagebeurteilung als auch die Geschäftserwartungen zur leichten Stimmungsaufhellung bei. Allerdings wird die Verbesserung zum größten Teil von den Dienstleistern getragen.
Aktuelles KfW-ifo-Mittelstandsbarometer
Grunddatensatz zum aktuellen KfW-Ifo-Mittelstandsbarometer
Wachstumspotenzial Deutschlands
Deutschland im Wachstumstief: Wie weiter?
KfW Research Chartbook
Das deutsche Wirtschaftswachstum ließ während der vergangenen fünf Jahrzehnte im Trend immer weiter nach und ist in der ersten Hälfte der 2020er-Jahre sogar ganz zum Erliegen gekommen. Vorausblickend setzt die Verrentung der Babyboomer den Arbeitsmarkt zunehmend unter Druck. Eine Rückkehr zu einem durchschnittlichen Wachstum von 1 %, wie im Koalitionsvertrag als Mindestanspruch formuliert, ist realistisch, aber auch ambitioniert. Hierzu bedarf es gleichzeitiger substanzieller Fortschritte in allen für das Wachstum relevanten Bereichen. (Juli 2025)
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