Zwei Mitarbeitende sitzen vor 4 Bildschirmen

    KfW Research

    Deutlicher Zusammenhang zwischen Digitalisierungs­anstrengungen und Produktivität

    Bei einem Pressegespräch in der KfW haben Frau Prof. Dr. Irene Bertschek, Leiterin des ZEW-Forschungsbereichs „Digitale Ökonomie“ und Dr. Dirk Schumacher, Chefvolkswirt der KfW, eine gemeinsame Studie des ZEW – Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschafts­forschung in Mannheim und von KfW Research vorgestellt. Zentrales Ergebnis dieser Studie ist, dass ein hoher Bestand an Digital-Kapital mit einer hohen Produktivität einhergeht. Die Digitalisierungs­aktivitäten und damit der Bestand an Digital-Kapital fallen im Mittelstand jedoch sehr unterschiedlich aus. Aktuell entwickeln sich die Digitalisierungs­aktivitäten im Mittelstand rückläufig, wie der im Pressegespräch ebenfalls vorgestellte KfW-Digitalisierungs­bericht Mittelstand zeigt.

    Stärker digitalisierte Unternehmen weisen eine höhere Produktivität auf

    Ein hoher Bestand an Digital-Kapital geht mit einer hohen Produktivität einher. So fällt die Produktivität im Durchschnitt um 0,159 % höher aus, wenn der Digitalkapital­stock um 10 % höher liegt. Dabei profitieren bereits stärker digitalisierte Unternehmen überdurch­schnittlich von zusätzlichen Digitalisierungs­ausgaben. Auch gelingt es höher digitalisierten Unternehmen eher zur Produktivitäts­grenze ihrer Branche aufzuschließen.

    Stärker digitalisierte Unternehmen weisen eine höhere Produktivität auf

    Portrait Prof. Dr. Irene Bertschek
    Prof. Dr. Irene Bertschek ist Leiterin des Forschungs­bereichs Digitale Ökonomie am ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim, Vorsitzende der Experten­kommission Forschung und Innovation (EFI) und Professorin an der Justus-Liebig-Universität Gießen.
    „Der Bestand an Digital-Kapital in einem Unter­nehmen steht in einem klaren Zusammen­hang zur Höhe der Produktivität. Je digitaler ein Unternehmen bereits aufgestellt ist, umso mehr profitiert es von zusätzlichen Digitalisierungs­ausgaben. Offensichtlich sind stärker digitalisierte Unternehmen eher in der Lage, die Produktivitäts­potenziale der Digitalisierung auszu­schöpfen, als weniger digitalisierte Unternehmen. Dieses Ergebnis zeigt, dass erst einmal ein Grundstock an digitalem Kapital und an Erfahrung im Umgang mit den Technologien vorhanden sein muss, bevor Erfolge zu sehen sind.
    Es gilt, gezielte Anreize zur Stärkung der Digita­lisierungs­anstrengungen zu setzen. Ein Ansatzpunkt ist die Kooperation mit digitalen Start-ups, von deren technolo­gischem Know-how insbesondere kleine und mittlere Unternehmen profitieren können. Von zentraler Bedeutung ist zudem die Verbesserung und regelmäßige Aktualisierung der Digital­kompe­tenzen. Sie sind Voraussetzung dafür, dass Unter­nehmen die Vorteile der Digita­lisierung für sich erschließen können. Die Inte­gration von IT-Wissen in schulische, berufliche und aka­demische Aus­bildungs­inhalte ist ein Weg, um die digitale Vor­bildung zu stärken.“

    Prof. Dr. Irene Bertschek

    Link zum Discussion Paper (engl. Sprache) des ZEW Mannheim

    KfW-Digitalisierungsbericht Mittelstand 2025

    Die Digitalisierungsaktivitäten im Mittelstand verlieren deutlich an Schwung. Die zentralen Untersuchungsergebnisse des aktuellen KfW-Digitalisierungsberichts Mittelstand sind:

    • 30 Prozent der Unternehmen haben zuletzt Digitalisierungsprojekte durchgeführt. Damit sinkt dieser Anteil auf den Vor-Corona-Wert.
    • Auch die Digitalisierungs­ausgaben entwickeln sich rückläufig.
    • Die digitale Kluft zwischen großen und kleinen Mittelständlern ist weiterhin groß.

    KfW-Digitalisierungsbericht Mittelstand 2025

    KfW-Chefvolkswirt Dr. Dirk Schumacher
    Dr. Dirk Schumacher ist seit April 2025 Chefvolkswirt der KfW Bankengruppe und leitet die volkswirtschaftliche Abteilung KfW Research.
    „Der durch die Corona-Krise ausgelöste Schub in der Digitalisierung ist zum Erliegen gekommen. Das ist sicherlich auch auf die schwierige konjunkturelle Lage zurückzuführen, die das Investitionsverhalten der Unternehmen hemmt. Um konkurrenzfähig zu bleiben, müssen Unternehmen in ihre Digitalisierung investieren. Die Investitionen sollten kontinuierlich und in ausreichender Höhe vorgenommen werden, um dauerhafte Wirkung zu entfalten und die Unternehmen wirklich nach vorne zu bringen. Digitalisierung ist oftmals die technologische Basis, die Innovationen in Unternehmen erst ermöglicht. Deutschland benötigt dringend innovative Unternehmen.
    Investitionen in die Digitalisierung zahlen sich mittel- bis langfristig aus. Aus wirtschafts­politischer Perspektive bietet es sich daher an, die Unternehmen für die Notwendigkeit der Digitalisierung zu überzeugen und gezielte Anreize zur Stärkung der Digitalisierungs­anstrengungen mittelständischer Unternehmen zu setzen. Da insbesondere in kleinen und mittleren Unternehmen die finanziellen Ressourcen oftmals knapp sind, stellt die finanzielle Förderung einen wichtigen Ansatzpunkt dar.“

    Dr. Dirk Schumacher

    Kontakt

    KfW Research, KfW Bankengruppe, Palmengartenstr. 5-9, 60325 Frankfurt,

    Folgen Sie KfW Research auf