Ehepaar Schulz vor ihrem Hotel Seerose
Corona-Kredite

Corona-Kredite

Ins Hotel kehrt Zuversicht ein

Der Usedomer Hotelier Gerd Schulz erhielt eine schnelle Zusage für einen der KfW-Corona-Kredite. Doch es ist nicht der einzige Baustein, mit dem der rege Manager sein Lebenswerk vorerst rettete. Auch kreatives Unternehmertum war im Spiel.

Srand vorm Hotel Seerose

Das Premiumgrundstück für sein Hotel am Rande des Loddiner Oststrands kaufte Gerd Schulz bereits 1991.

Drei Jahre, bevor die Corona-Krise losbrach, hat Gerd Schulz eine Versicherung für sein Hotel abgeschlossen. Es handelte sich um eine sogenannte Betriebsschließungsversicherung. Sie soll vor Ausfällen schützen, die durch unvorhergesehene Katastrophen verursacht werden. Ein Sturm, denkt sich Schulz, könnte sein Hotel treffen. Schließlich liegt es direkt am Usedomer Ostseestrand. Ein Brand wäre auch nicht abwegig. Beides kreuzt er an auf dem Formular. Nur das Kästchen, hinter dem „Epidemien“ steht, lässt er leer. „Dass eine globale Seuche wie Corona mich und die gesamte Branche treffen könnte, lag damals jenseits meiner Vorstellungskraft.“

Nun kämpft Gerd Schulz mit seinem Strandhotel Seerose – wie 6.600 andere Betriebe aus dem Gastgewerbe Mecklenburg-Vorpommerns, der Kernbranche des Bundeslandes – ums Überleben. Gegründet vor 23 Jahren und seitdem von 57 auf 112 Zimmer gewachsen, steht das besonders bei Familien und Ruheständlern beliebte Urlaubsdomizil mit dem Vier-Sterne-Superior-Standard erstmals leer. Doppelt tragisch: Nachdem 2019 das beste Jahr der Hotelgeschichte gewesen war, deutete sich an, dass 2020 den Rekord noch einmal toppen würde. Der gelernte Diplom-Ingenieur Schulz berichtet von vollen Buchungskalendern und einer überdurchschnittlich hohen Auslastung. Sogar die Umsätze aus den Wintermonaten Januar und Februar lagen um 120 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Dann kam Corona. Die mit der Pandemie verbundenen Schutzmaßnahmen der Politik ließen die Träume jäh zerplatzen. Der 18. März 2020 war für 90 Prozent der 73 Angestellten der letzte Arbeitstag. „Da hatten wir noch volle Hütte“, sagt Schulz. „Das lief wie ein Länderspiel.“ Bezahlte er seine Belegschaft für den März erst regulär weiter, musste er sie ab 1. April in Kurzarbeit schicken. Nur eine Notbesetzung aus Rezeptionisten, Haustechnik und Buchhaltung ist noch vor Ort.

Gerd Schulz, Hotel Seerose
„Nach fünf Tagen gaben die Kreditgremien grünes Licht.“

Gerd Schulz, Hotelier

Die Kurzarbeit, die staatliche Mittel verspricht, um Entlassungen zu vermeiden, ist das eine. Bereits am 19. März, dem Tag, an dem die so untypische Ruhe ins Hotel einzog, machte sich Gerd Schulz daran, an einem weiteren Teil des Rettungsschirms für sein Lebenswerk zu arbeiten. Sein Ziel: einen der KfW-Corona-Hilfskredite genehmigt zu bekommen. Hierbei profitierte das Gesellschafter-Trio aus Gerd Schulz, seiner Frau Brigitte und seinem Sohn Sebastian von dem engen und vertrauensvollen Verhältnis zur Hausbank, der Deutschen Bank. „Nur zwei betriebswirtschaftliche Auswertungen, die ich meinem dortigen Berater zur Verfügung stellte, genügten“, erinnert sich der Hotelier. „Nach fünf Tagen gaben die Kreditgremien grünes Licht.“

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Hoteliers Frau und Herr Schulz

Das Ehepaar Schulz zeigt sich gerührt von der Solidarität mancher Stammgäste.

Zügige Zusage fürs „gefestigte Unternehmen“

Joachim Frommer ist die Vertrauensperson von Gerd Schulz auf der Seite der Finanzwirtschaft, Senior Betreuer Firmenkunden bei der Deutschen Bank. „Zum Zeitpunkt des ersten Beratungsgesprächs im März 2020 stand bereits der KfW-Unternehmerkredit zur Auswahl für den Antragsteller. „Den konnte ich besten Gewissens empfehlen“, berichtet Frommer. „Als gefestigtes Unternehmen erfüllte unser Kunde alle Förderkriterien. Die zügige Beantragung mittels des KfW-Antragstools und die sofortige elektronische Genehmigung seitens der KfW gaben dem Kunden die Sicherheit, kurzfristig über Liquidität zu verfügen, die benötigt wurde, um seinen Fixkostenblock für die nächsten drei Monate zu überbrücken.“

Für KfW-Abteilungsdirektor Markus Merzbach steht dieses Beispiel sinnbildlich für die gelungene Mission von KfW, Politik und Finanzierungspartnern, ein passgenaues Produkt aufs Gleis zu bringen, eines, das genau dort ansetzt, wo der Bedarf am größten ist. „Dies war nur möglich, weil die KfW in den vergangenen Jahren bereits viel in die Digitalisierung der Antragswege investiert hat“, sagt Merzbach. „Ohne einen digitalen Antragsprozess wäre es den Beteiligten nicht gelungen, der Antragsflut Herr zu werden.“

Die Hotelbranche ist besonders stark von den Corona-Maßnahmen betroffen. Über 11.000 Übernachtungsbetriebe und über 71.000 Restaurants ringen in Deutschland derzeit um ihre Existenz. „Dennoch ist jeder Fall anders, die einzelnen Geschäftsmodelle von Hotels und Gastronomie sind sehr unterschiedlich“, sagt Marcus Thiel, Leiter Fördermittel bei der Deutschen Bank. „Uns ist es gelungen, für viele Kunden Lösungen zu finden. Wir sehen unsere Rolle vor allem als Berater unserer Kunden mit einem Fokus auf Liquiditätssicherung. Eine Herausforderung war es für uns, die über Nacht gestiegene Nachfrage nach KfW-Krediten zu managen und KfW-Fördermittel der Breite aller unserer 900.000 Firmenkunden kurzfristig zur Verfügung zu stellen.“

Was Gerd Schulz und seine Berolina Immobilien GmbH nun konkret über die Zeit rettet, ist ein über zehn Jahre laufender 500.000-Euro-Kredit mit einem Zinssatz von einem Prozent. „Billigeres Geld werde ich nicht bekommen“, sagt der 72-Jährige und betont, dass derartige Finanzspritzen in der Hotellerie leider nicht für Investitionen genutzt werden, sondern lediglich die Verluste kompensieren können, da ein Bett in Zukunft per Nachholeffekt nicht doppelt und dreifach belegt werden kann. Gerade für einen Manager wie Schulz ist die aktuelle Lage schwierig, denn sein Grundsatz sei, nie zum Stillstand zu kommen und das Haus immer auf Topniveau zu halten. Größere und kleinere Maßnahmen sind da normalerweise an der Tagesordnung. Für 2020 standen Verbesserungen im Veranstaltungssaal und bei der Küchentechnik auf dem Plan sowie die Erweiterung des Strandbistros für die Laufkundschaft. Und auch bei den Gehältern wollte Gerd Schulz draufsatteln. Ein Teil der Maßnahmen muss nun warten.

Hotel Seerose von oben

Schon bald dürften die ersten Gäste zurück sein am Ostseestrand vor dem Hotel Seerose.

Kreativität ist gefragt

Allein auf den KfW-Kredit sowie die zusätzlichen schnellen Liquiditätshilfen von Bund und Land über 60.000 Euro wollte sich der Hotelier aber nicht verlassen. Um den eigenen Rettungsschirm noch stabiler zu stricken und vor allem kurzfristig solvent zu sein bei laufenden Kosten von etwa 100.000 Euro pro Monat, ist Schulz kreativ geworden. Ebenfalls in den ersten Tagen des Lockdowns hat er sich überlegt, wie er trotz der erzwungenen Schließung Einnahmen generieren kann – und ist dabei auf die treue Verbindung seiner Gäste gestoßen. Immerhin sind etwa 60 Prozent davon Stammgäste. Seit Anfang April bietet er ihnen Gutscheine im Wert von 500 und 1.000 Euro an, die sie mit einem Rabatt von zehn Prozent erwerben und später – wenn sich die Zeiten gebessert haben – in Übernachtungen und alle anderen Hotelleistungen eintauschen können. „Hätte ich dieses Geld aus dem Gutscheinverkauf nicht gehabt“, so Schulz, „hätte ich wieder zur Bank gehen und die Kreditlinie erweitern müssen.“ Besonders berührt hat ihn dabei, dass viele seiner Stammgäste den Rabatt, den er ihnen auf die Gutscheine anbot, ablehnten und den vollen Preis zahlen wollten.

Ebenfalls aufgrund der innigen Beziehung zum Lieblingshotel, das sich oberhalb des weißen Sandstrands von Loddin an einen dichten Buchenwald schmiegt, halten sich die Stornierungen im Rahmen. So hat sich ein Hamburger Ehepaar, das mit rund 900 Übernachtungen den Spitzenplatz hält, die Vorabzahlung seines fünfwöchigen Jahresurlaubs im Strandhotel Seerose nicht etwa zurückerstatten lassen. In Solidarität stehe man zu Schulz und seinem Team und komme wieder, wenn es Corona und Politik erlauben.

Bis Herbst 2020 steht Gerd Schulz laut eigener Aussage dank aller finanziellen Bausteine auf stabilen Beinen. Das sagt er in einer Zeit, in der die Politik zu ersten Lockerungen übergeht und innerdeutsche Sommerurlaube wieder in den Bereich des Denkbaren rücken. Dazu haben Schulz und seine im Usedomer Hotelverband organisierten Verbündeten – 200 Hotels, Pensionen und Campingplätze gibt es auf Usedom – auch selbst beigetragen. Zusammen mit der Universität Greifswald klügelten sie bereits im April ein Hygiene- und Verhaltenskonzept aus, das einen Hotelbetrieb unter Corona-Bedingungen wieder möglich machen soll – und legten es der mecklenburgischen Landesregierung vor.

Schulz kämpft also. Genauso, wie er in den Neunzigern fünf Jahre lang um Baugenehmigung und Finanzierung für sein Hotel kämpfte, nachdem er das Grundstück der Treuhand abgekauft hatte. Er nennt die Geburtswehen seine „erste große Krise“, Corona hat nun die zweite verursacht. Ein Schock für ihn. Doch trotz aller bleibenden Unsicherheiten ist Gerd Schulz zuversichtlich. Hat nicht die verordnete Ruhe auch etwas Positives gehabt für ihn als sonst hyperaktiven Hotelmanager? „Nein“, sagt er, „zur Ruhe komme ich erst, wenn es wieder läuft.“

Auf KfW Stories veröffentlicht am 14. Mai 2020.