ME Energy, gegründet von Inès Adler und Alexander Sohl, entwickelt netzunabhängige Ladestation für E-Autos.
KfW Award Gründen

KfW Award Gründen

Volle Ladung für die Verkehrswende

Elektroautos werden immer beliebter. Eine längere Fahrt muss jedoch gut geplant sein, da es noch keine flächendeckende Versorgung mit Schnellladepunkten gibt. ME Energy schafft Abhilfe: Die entwickelten Ladestationen sind autark und können an jedem beliebigen Ort aufgestellt werden. Das Brandenburger Unternehmen ist Preisträger des KfW Award Gründen.

Wie ME Energy die Elektromobilität in Deutschland vereinfachen will (KfW Bankengruppe/ntv).

Im Wildauer Zentrum für Luft- und Raumfahrt „betanken“ Inès Adler und Alexander Sohl ihren elektrischen Firmenwagen so bequem und schnell wie nur wenige Nutzer eines E-Autos. In nur 15 Minuten haben sie die Batterie geladen, mit einer Reichweite von 300 Kilometern. Die große Ladestation, die dies ermöglicht, steht direkt vor dem Firmentor ihres Unternehmens ME Energy.

Dieser Strom kommt nicht etwa aus dem Brandenburger Stromnetz: Die Station erzeugt ihn selbst, nur eine kleine Dampfwolke ist über dem Container zu sehen. Inès Adler erklärt das Innenleben des Minikraftwerks: „Die Energie entsteht aus dem Energieträger Bioethanol. Ein Konverter wandelt die Flüssigkeit in elektrischen Strom um, der über das Ladekabel direkt in die Fahrzeugbatterie geleitet wird.“ Die Station generiere im Serienprodukt bis zu 300 Kilowatt Ladeleistung und sei unabhängig von jeglicher Infrastruktur und vorhandenen Anschlüssen, erzählt sie weiter. Zudem sei der Umstieg auf Biomethanol geplant.

Entwicklungsgelder vom Land

ME Energy wurde 2018 gegründet, in nur 15 Monaten ist das Team auf 12 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angewachsen. Geleitet wird es von einem Gründerduo, das sich hervorragend ergänzt: Adler hat viele Jahre Motoren entwickelt. Nach ihrer Tätigkeit für einen großen Automobilkonzern machte sie sich selbstständig und stellte Hightech-Lautsprecher her. Mit ihrem damaligen Kollegen Alexander Sohl verband die leidenschaftliche Motorradfahrerin die Begeisterung für Mobilität, vor allem die Herausforderungen der Elektromobilität haben sie oft diskutiert. „Und dann kam alles anders als gedacht“, erzählt sie. Alexander wollte sie die Nachfolge anbieten, er selbst wollte lieber in den Bereichen Elektromobilität und Ladeinfrastruktur eine Unternehmung gründen.

„Machst du mit?“, habe er sie gefragt. „Mich hat die Idee nicht losgelassen – und schließlich haben wir mit unserem Konzept den Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg gewonnen. Plötzlich stand eine mögliche Förderung von über einer Million durch die Brandenburger Förderbank ILB im Raum – und schon war ich dabei, mit 61!“

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Dank dieser und weiterer Finanzierungen konnten sich die Gründer ganz auf die Entwicklung der ausgeklügelten Ladestation konzentrieren. Sie speichert 3.500 Kilowattstunden, das ist genug für rund 100 Schnellladevorgänge bei einer durchschnittlichen Lademenge von 35 Kilowattstunden. Sobald die Anlagen in Serie gebaut werden, sollen sie mit Biomethanol betrieben werden. Es wird aus Hausmüll, Plastikabfällen oder Reststoffen der Papierindustrie gewonnen. Während der Raffinierung wird genauso viel CO₂ aus der Atmosphäre im Energieträger gebunden, wie bei der späteren Stromerzeugung in der Ladestation wieder freigesetzt wird. Die Erzeugung des Ladestroms erfolgt daher immer CO₂-neutral.

KfW Award Gründen

Der KfW Award Gründen 2020 zeichnete im November 16 Landessieger und einen Bundessieger für ihre Geschäftsideen aus. Außerdem wurden zwei Sonderpreise vergeben. Bewerbungen für den neuen Wettbewerb können ab Juli 2021 eingereicht werden.

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Eine Lösung für Anbieter und Nutzer

Deutschland hat sich ambitionierte Klimaschutzziele gesetzt. Für den Verkehrssektor sollen bis 2030 mindestens 42 Prozent weniger Emissionen ausgestoßen werden. Um dieses Ziel zu erreichen, muss auch die Elektromobilität vorangebracht werden. Bislang allerdings ist die Schnellladung von batteriebetriebenen Autos nur an rund 18 Prozent der öffentlich zugänglichen Anschlüsse möglich (Tesla Supercharger nicht eingerechnet). Der Grund dafür: Die Stromnetze sind für die Versorgung von Haushalten und Infrastruktur ausgelegt. Ihre Kapazität reicht nicht an jedem Ort, um den kurzfristigen, sehr hohen Energiebedarf für eine Batteriefüllung zu decken. Daher benötigen E-Autos oft bis zu 20 Stunden Ladezeit und einen freien Parkplatz, auf dem sie über Nacht stehen können. Für die Installation schnellerer Ladepunkte müssen lange Genehmigungsverfahren durchlaufen, Leitungen verlegt und Trafos errichtet werden. Das ist teuer und lohnt sich für die Energieversorger erst, wenn sehr viel mehr Elektrofahrzeuge auf den Straßen sind. Ein Teufelskreislauf: Solange das schnelle Laden von E-Autos nicht flächendeckend gesichert ist, beeinflusst das die Kaufentscheidung für ein E-Auto, und erst mit einer größeren Anzahl an E-Autos auf den Straßen lohnt sich der Ausbau des Schnellladenetzes.

Die Mitarbeiter in der Werkshalle von ME Energy, die netzunabhängige Ladestation für E-Autos entwickeln

2018 gegründet, beschäftigt ME Energy heute 12 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Standort in Wildau.

ME Energy bietet hierfür eine skalierbare Lösung. Ihre Anlage kann für 109.700 Euro (netto) etwa von Tankstellen, Autohäusern, Industriekonzernen, Fuhrparks, Verkehrsbetrieben oder Immobilienbetreibern, Kommunen und öffentlichen Einrichtungen gekauft oder für einen monatlichen Betrag geleast werden. Die Versorgung mit dem Energieträger und eine regelmäßige Wartung stellt ME Energy sicher und erhält einen kleinen Betrag je abgegebener Lademenge.

„Elektromobilität muss für alle Beteiligten leichter werden“, sagt Geschäftsführer Alexander Sohl. „Wenn eine Tankstelle Strom anbieten möchte, stellt sie einfach unsere Ladestation auf. Sie muss dafür nicht den Hof aufreißen, um Leitungen verlegen zu lassen. Der erzeugte Strom ist ein Drittel günstiger als aus dem örtlichen Netz. Den Preis für die Abgabe des Ladestroms können die Betreiber dann selbst bestimmen und so vom ersten Tag an Einnahmen generieren. Schon ab drei Ladungen am Tag lohnt sich das, und die Anschaffung amortisiert sich schon in vier Jahren. Und für die Fahrerinnen und Fahrer von Elektroautos sind mehr Schnellladepunkte ein Riesenvorteil, denn sie bieten endlich die Möglichkeit, ohne Reichweitenangst unterwegs zu sein.“

Angeliefert und aufgestellt werden die Anlagen mit einem kleinen Lkw. Sollte sich herausstellen, dass eine Station nicht genügend benutzt wird, kann sie damit auch schnell an einen Standort mit höherer Frequenz umziehen. Gerade für ländliche Regionen ist es somit möglich, den idealen Standort zu testen. Auch bei saisonalen Schwankungen gibt es viel Flexibilität. So kann die Schnellladestation im Sommer in der Nähe eines beliebten Badesees und im Winter an der Skipiste oder am Weihnachtsmarkt stehen.

Der Verkehr von morgen ist elektrisch

Nicht erst nachdem die Ansiedlung von Tesla in Brandenburg bekannt wurde, erfährt das Thema Elektromobilität großen Aufschwung. Die politische Unterstützung ist breiter und die Akzeptanz in der Bevölkerung größer geworden. Für viele muss das nächste Auto kein Benziner oder Diesel mehr sein, zumal der Kauf eines batteriebetriebenen Fahrzeugs vom Staat derzeit umfangreich gefördert wird. Die KfW fördert zudem Ladestationen an privat genutzten Stellflächen von Wohngebäuden.

ME Energy ist im richtigen Moment mit der passenden Innovation angetreten. Eine zweite Ladestation aus eigener Herstellung wird seit dem Sommer 2020 in Berlin erprobt. Das Gelände von TheDrivery, einer Plattform für Mobilitätsinnovationen, ist die ideale Umgebung für den Beweis der Marktfähigkeit, bevor die Serienproduktion beginnen kann. Gründerin Inès Adler kann es kaum erwarten: „Zum Ende meines Berufslebens noch einmal richtig durchzustarten, das finde ich großartig!“, sagt sie.

Auf KfW Stories veröffentlicht am 2. Februar 2021.