Portrait Dr. Ingrid Hengster
Gründen

Gründen

KfW Capital stärkt innovative deutsche Unternehmen

Start-ups benötigen in der Phase der Expansion finanzstarke Begleiter, insbesondere Venture-Capital- und Venture-Debt-Fonds. Hier setzt die neue Tochter KfW Capital an. Sie bündelt das Angebot an Beteiligungsfinanzierungen für innovative Unternehmen und baut es weiter aus – bis 2020 auf 200 Millionen Euro pro Jahr.

Zur Person
Portrait Dr. Ingrid Hengster

Dr. Ingrid Hengster ist Mitglied im Vorstand der KfW und für die Inlandsförderung verantwortlich.

Das Unternehmertum als Rückgrat der deutschen Wirtschaft ist lebendig wie lange nicht. In vielen Gesprächen mit Gründern, Unternehmern, Experten und Investoren spüre ich in den letzten Jahren eine wachsende Begeisterung, wann immer es um das Thema Selbstständigkeit und Eigenverantwortung geht. Dank neuer Technologien, insbesondere auch der Digitalisierung, sehen viele Gründer große Chancen, neue Geschäftsideen zu entwickeln und diese am Markt zu etablieren. Mit viel Dynamik entstehen überall in Deutschland spannende und vielversprechende Start-ups. Eine absolut positive Entwicklung, denn als rohstoffarmes Land benötigen wir innovative Technologieunternehmen, um die Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu sichern. In der Anfangsphase – und das ist erfreulich – finden die Gründer passende staatliche und private Finanzierungen, um ihre Ideen in die Tat umzusetzen.

Besonders relevant für den Erfolg eines Start-ups aber ist die Wachstumsphase. Hier entscheidet sich, ob ein Unternehmen sich seinen Platz im Markt erkämpfen kann, ob eine Idee ankommt oder im Nirwana verschwindet. In dieser Phase werden sowohl verstärkt Mitarbeiter eingestellt und so Arbeitsplätze geschaffen als auch der Rollout in regionale sowie internationale Märkte forciert. Die Umsätze steigen rapide. Allerdings werden Gewinne nur sehr verzögert oder noch gar nicht realisiert. Um diese Phase der Expansion mit Druck und Schnelligkeit zu meistern, benötigen die Unternehmen verlässliche und finanzstarke Partner. Gesucht sind risikobereite Investoren, also insbesondere Venture-Capital- und Venture-Debt-Fonds.

Venture Capital

Von Venture Capital wird gesprochen, wenn Investoren sich an jungen Unternehmen beteiligen, die sich noch nicht am Markt etabliert haben, aber vielversprechend sind. Der Investor unterstützt die Gründer mit Beteiligungskapital in der Hoffnung auf eine hohe Rendite. Da eine positive Entwicklung eines so jungen Unternehmens jedoch alles andere als sicher ist, muss immer auch mit einem Totalverlust gerechnet werden. Mit gutem Grund wird daher von Wagniskapitalfinanzierungen gesprochen. Mit einer Investition in einen Venture-Capital-Fonds, der sich nicht nur an einem, sondern an mehreren junge Unternehmen beteiligt, lässt sich das Risiko immerhin streuen.

Gerade aber diese Suche gestaltet sich für viele sehr schwierig: In dieser für den Erfolg entscheidenden Unternehmensphase fehlt es häufig an einem ausreichenden Kapitalangebot: Schätzungen zufolge handelt es sich um eine Lücke von rund 500 bis 600 Millionen Euro pro Jahr. Und: Es gibt schlicht zu wenig Venture-Capital-Fonds mit signifikanten Fondsvolumen, die in deutsche Unternehmen investieren. Die KfW hat daher vor einigen Jahren damit begonnen, ihr Angebot der Beteiligungsfinanzierung erfolgreich neu aufzustellen. Dies war der Grundstein für die jetzige Gründung der Tochter KfW Capital. Die implementierten Finanzierungsinstrumente haben sich bereits bewährt: Die KfW ist schon jetzt zweitgrößter Investor bei mittlerweile drei Generationen des High-Tech-Gründerfonds. Außerdem ist sie mit knapp 20 Prozent an coparion beteiligt. Im Zentrum der Beteiligungsaktivitäten stehen seit 2015 die Beteiligungen an Venture-Capital- und neuerdings auch Venture-Debt-Fonds.

Mit Unterstützung des ERP-Sondervermögens, des revolvierenden Fonds des Bundeswirtschaftsministeriums zur Stärkung der deutschen Wirtschaft, investierte die KfW allein im Jahr 2017 rund 73,4 Millionen Euro. Dabei übernimmt die KfW maximal 19,99 Prozent des Fondsvolumens – private Investoren müssen also mehrheitlich investiert sein. Insgesamt beteiligte sich die KfW im vergangenen Jahr mit Eigenkapital in Höhe von rund 130 Millionen Euro. Wir sind stolz, gemeinsam mit dem BMWi schon jetzt so viel bewegt zu haben.

Venture Debt

Venture Debt bezieht sich wie Venture Capital auf die Finanzierung eines jungen Unternehmens. Im Unterschied zu Venture Capital ist Venture Debt ein Fremdkapitalinstrument. Start-ups müssen regelmäßig Zins- und Tilgungszahlungen an die Investoren leisten.

Auch wenn sich das bereits nach einem hohen Investment anhört, genügt es mitnichten, um die Fondslandschaft nachhaltig zu beleben. Auf Initiative des Bundeswirtschafts- und Bundesfinanzministeriums sowie der KfW hat der Verwaltungsrat der KfW im Juni 2017 daher entschieden, die Beteiligungsfinanzierung der KfW deutlich auszuweiten. Das Beteiligungsgeschäft sollte, so der Beschluss, in eine spezialisierte Tochter ausgegliedert werden, um den Anforderungen von VC-Fondsinvestments besser gerecht werden zu können. Damit wird ein substanzieller Beitrag zur Schließung der Kapitallücke geleistet.

Als KfW Capital übernimmt ab heute ein neuer Player am Markt mit eigenem Auftritt die Beteiligungsfinanzierung der KfW. Die beiden Geschäftsführer Dr. Jörg Goschin und Alexander Thees haben ein hoch kompetentes Team zusammengestellt. Die Fokussierung auf Eigenkapitalinvestments innerhalb dieser Tochter stärkt die Professionalisierung und Marktgängigkeit. Das Engagement der öffentlichen Hand für den deutschen Venture-Capital- und Venture-Debt-Markt wird visibel. Auch das Volumen wird sich deutlich erhöhen, und zwar bis zum Jahr 2020 auf 200 Millionen Euro pro Jahr. Damit wird die Finanzkraft der in Deutschland investierenden Fonds deutlich verbessert. Profitieren werden am Ende vor allem die innovativen Technologieunternehmen in Deutschland: Sie werden spürbar leichter professionelle und finanzstarke Risikokapitalgeber finden, die ihren Wachstumskurs begleiten können.

Auf KfW Stories veröffentlicht am: Dienstag, 9. Oktober 2018