Oliven liegen unter einem Baum
Natürliche Ressourcen

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Virtueller Wasserverbrauch

Ob Jeans oder Frühstücksei – zur Herstellung von Produkten und Lebensmitteln wird Wasser verbraucht. Professor Arjen Hoekstra erzählt im Interview, wie der virtuelle Wasserfußabdruck berechnet wird. Unsere Bildergalerie zeigt Alltagsprodukte und den zugehörigen Wasserverbrauch.

Herr Hoekstra, was bedeutet die Bezeichnung „virtueller Wasserfußabdruck“?

Der unmittelbare Verbrauch für Waschen, Toilettenspülung, Duschen, Kochen etc. macht in deutschen Privathaushalten nur zwei Prozent des gesamten Wasserverbrauchs aus. Den kennen wir in der Regel. Viel größer ist aber jener Anteil, der in unseren Nahrungsmitteln oder Gebrauchsgegenständen steckt. Schließlich „kostet“ auch jedes Produkt bei seiner Herstellung Wasser. Weil dieser Verbrauch aber nicht direkt sichtbar ist, nennen wir ihn „virtuellen Fußabdruck“. Zusammen mit dem direkten Verbrauch ergibt er den gesamten Wasserfußabdruck.

Zur Person
Arjen Hoekstra ist Professor für Wasser-Management an der Universität von Twente

Arjen Y. Hoekstra ist Professor für Wasser-Management an der Universität von Twente (Niederlande) und gilt als einer der international renommiertesten Experten für Wasserverbrauch.

Mehr über Arjen Y. Hoekstra

Warum ist es wichtig, den virtuellen Aspekt zu kennen?

Viele unserer Waren – Fleisch, Zucker, Kleidung – verbrauchen bei der Produktion ungeheure Mengen an Wasser. Und oft werden sie in Regionen hergestellt, wo Wasser ohnehin schon knapp ist und dann noch knapper und gleichzeitig verschmutzt wird. Bewusste Verbraucher können hier Druck auf Konzerne ausüben sowie Verbesserungen in der Lieferkette einfordern. Außerdem können sie natürlich ihr Konsumverhalten dementsprechend ändern.

Wie messen Sie überhaupt den Wasserfußabdruck?

Wir unterscheiden hier nach drei Arten von Wasserverbrauch: Der grüne Wasserfußabdruck bezeichnet die Menge an Regenwasser, die ein Produkt benötigt. Blau hingegen steht für Grund- und Oberflächenwasser, das zum Beispiel für die Bewässerung entnommen wird. Sehr problematisch ist der graue Wasserfußabdruck: Er berechnet sich aus jener Wassermenge, die nötig ist, um das durch den Produktionsprozess verschmutzte Wasser wieder zu reinigen. Alle drei Kategorien ergeben so den Wasserfußabdruck eines spezifischen Produkts.

Lesen Sie unter der Bildergalerie weiter.

Quelle
CHANCEN-Cover

Dieser Artikel ist erschienen in Chancen Herbst/Winter 2016 "Die Macht des Wassers".

Zur Ausgabe

Im globalen Ländervergleich divergiert der Wasserverbrauch pro Kopf stark – besonders in Afrika. Wieso etwa liegt bei einem wasserarmen Land wie dem Niger der Verbrauch mit 9.600 Litern pro Kopf und Tag so hoch?

Für einen hohen Wasserverbrauch gibt es zwei Gründe: einen starken Konsum – besonders auch von Gütern, die viel Wasser in Anspruch nehmen – und einen großen Verbrauch von Wasser pro Produktionseinheit, sprich ineffiziente Wassernutzung. Im Niger liegt der zweite Grund vor: Die Effizienz im lokalen Getreide-Anbau ist äußerst gering.

Und wie kann man im Alltag seinen eigenen Wasserfußabdruck verringern?

Werden Sie Vegetarier! Im Durchschnitt entstehen 28 Prozent des totalen Wasserverbrauchs in Deutschland durch Fleischkonsum. Weitere 17 Prozent könnten durch Verzicht auf tierische Produkte wie Eier, Leder oder tierische Fette eingespart werden. Jeder Einzelne kann also etwas tun!

Auf KfW Stories veröffentlicht am: Dienstag, 21. März 2017