Russische Moorlandschaft
Klimawandel

Klimawandel

Moore als Klimaretter

Frank Mörschel leitet bei der KfW das preisgekrönte Projekt zur Wiedervernässung der Moore in Russland. Im Interview erzählt er, wieso die Feuchtgebiete so wichtig für das globale Klima sind.

Zur Person
Frank Mörschel

Frank Mörschel leitet bei der KfW leitet das Projekt zur Wiedervernässung der Moore in Russland.

Herr Mörschel, warum sind Moore wichtig?

Weil sie einen der größten Klimakiller unseres Planeten einfangen – das CO₂. Moore machen nur etwa drei Prozent der weltweiten Landfläche aus, speichern aber doppelt so viele Treibhausgase wie alle Wälder der Erde zusammen. Das macht Moore zu den effizientesten Kohlenstoffspeichern weltweit. In Osteuropa befinden sich sehr viele Moorgebiete, aber auch in Südostasien, vor allem in Indonesien. Viele Moore sind stark bedroht. Um ihre CO₂-Speicherfunktion zu erfüllen, müssen die Moore aber intakt sein. Wenn sie entwässert sind, können Moore keine Treibhausgase mehr speichern – im Gegenteil, dann zersetzt sich der über Jahrtausende angesammelte Torf und es werden massiv Treibhausgase freigesetzt. Ausgetrocknete Moore stellen außerdem ein großes Feuerrisiko dar. Die verheerenden Moorbrände in der Nähe von Moskau im Sommer 2010 haben die russische Regierung alarmiert und waren auch der Beginn für unser Projekt.

Warum wurden denn die Moore überhaupt entwässert?

Die Menschen haben sie als unproduktive Flächen empfunden. Deshalb wurde die Wildnis in Acker- oder Forstflächen umgewandelt. Das war in Deutschland früher auch der Fall. In Russland ist das Territorium viel größer, etwa acht Prozent der Landesfläche sind mit Mooren bedeckt. Hinzu kommt, dass Torf – bevor Öl und Gas entdeckt worden sind – ein wichtiger Rohstoff war, um Energie zu gewinnen. Und selbst als das Umweltbewusstsein schon gewachsen war, hat man sich eher gegen die Abholzung der Wälder eingesetzt und die Moore lange übersehen. Aber mittlerweile gibt es viele Forschungsergebnisse die belegen, wie wichtig die Moore für unser Klima sind.

Fußspuren in trockener Moorlandschaft
Torfbrände verhindern

Ausgetrocknete Torfmoore stellen in Russland ein hohes Brandrisiko dar. Um dem entgegenzuwirken, werden große Flächen wiedervernässt. Damit wird das ökologische Gleichgewicht wieder hergestellt.

Was ist das Ziel des Projekts?

Die Torfbrände um Moskau in 2010 waren verheerend, da sie sehr schwer zu löschen waren. Torfbrände glimmen unterirdisch weiter, selbst im Winter unter einer dicken Schneedecke. Im Frühjahr können sie dann wieder ausbrechen. Der dichte und reizende Rauch der Feuer hat 2010 Moskau schwer beeinträchtigt und das Leben in der Stadt teilweise unerträglich gemacht. Das Projekt wurde initiiert, um der russischen Regierung mit innovativen, modernen Methoden bei der Bekämpfung des Brandrisikos der ausgetrockneten Torfmoore zu helfen. Auf einer Fläche von zirka 100.000 Hektar soll das Brandrisiko minimiert werden. Etwas mehr als die Hälfte der Fläche wird wiedervernässt, der Großteil davon mittels ökologischer Widervernässung. Das bedeutet, dass die Moore wiederbelebt werden, sodass sie auf der einen Seite keine Treibhausgase mehr ausstoßen und ihre CO₂-Speicherfunktion wieder ausführen können, und auf der anderen Seite der bedrohte Moorlebensraum mit seiner einzigartigen Artenvielfalt wieder hergestellt wird.

Wie wird das gemacht?

Es gibt da Qualitätsunterschiede. Aufgrund des dringenden Handlungsbedarfs nach den Bränden in 2010 hat die russische Regierung sehr schnell begonnen, eher traditionelle Maßnahmen zur Brandbekämpfung zu treffen. Dazu gehörten der Bau von Straßen, damit Löschfahrzeuge schneller in die brandgefährdeten Gebiete kommen, oder der Bau von Rückhaltebecken und Pumpen, damit im Brandfall genug Wasser zum Löschen vorhanden ist. Allerdings sind diese Maßnahmen viel teurer als die ökologische Wiedervernässung, die vom Projekt verfolgt wird. Wir wollen zeigen, dass Wiedervernässung günstig und ökologisch verträglich gestaltet werden kann. Dafür werden die Kanäle, mit denen die ehemals intakten Moore entwässert werden, sukzessive geschlossen, damit das Grund- bzw. Niederschlagwasser im Moor bleiben kann. Dieses Vorgehen erfordert eine gute Planung und dauert einige Zeit bis sich das ökologische Gleichgewicht wieder eingestellt hat, aber dafür ist es langfristig die nachhaltigste und günstigste Methode.

Ein russisches Moor vor einem Waldgebiet
Klimaschützer

Etwa acht Prozent der russischen Landschaft sind mit Mooren bedeckt. Sie sind die effizientesten Kohlenstoffspeicher weltweit.

Warum braucht Russland in diesem Fall Hilfe aus Deutschland?

Die ökologische Wiedervernässung der Moore ist eine Idee, die in den vergangenen 20 Jahren hauptsächlich in Deutschland, in den Niederlanden und in England umgesetzt wurde – allerdings auf relativ kleinen Flächen. 2010 haben die Russen Wege gesucht, das Brandrisikoproblem effizient zu lösen und die deutsche Bundeskanzlerin bot dem damaligen Präsidenten Medwedew Hilfe an. Das Projekt ist Teil der Internationalen Klimaschutzinitiative IKI, die vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit ausgerufen wurde und Modellprojekte fördert. Umgesetzt wird das Projekt von der Nichtregierungsorganisation Wetlands International in Zusammenarbeit mit dem Forstinstitut der Russischen Akademie der Wissenschaften, der Universität Greifswald, der Michael-Succow-Stiftung sowie russischen Behörden.

Russisches Moor mit Birken
Hilfe aus Deutschland

Mit 6,5 Millionen Euro finanziert die KfW das Projekt zur Wiedervernässung der russischen Moore.

Die KfW finanziert das Projekt im Auftrag des Umweltministeriums mit 6,5 Millionen Euro. Mit diesen Mitteln werden Flächen in verschiedenen russischen Provinzen wiedervernässt, unter anderem in Moskau, Twer, Wladimir und Nischni Nowgorod. Darüber hinaus wird ein Monitoringsystem aufgebaut sowie russische Partner ausgebildet, damit sie die ökologische Wiedervernässung künftig eigenständig umsetzen können.

Kann man den Erfolg des Projekts messen?

Vor Beginn des Projekts haben wir geschätzt, dass pro Hektar und Jahr etwa fünf bis zehn Tonnen CO₂ eingespart werden können. Wieviel Treibhausgase wirklich eingespart werden, kann nur durch Messungen festgestellt werden, nachdem die Flächen wiedervernässt sind. In früheren Projekten wurde eine Methode entwickelt, die darauf basiert, dass ein wiedervernässtes Moor – vom trockenen bis zum nassen Stadium – verschiedene Vegetationsstufen durchläuft. Für jede dieser Vegetationsstufen wurden Vergleichsmessungen durchgeführt und gemessen, wieviel Treibhausgase diese Flächen ausstoßen. Das macht man, indem man Plastikhauben über die Pflanzen stülpt und Gasmessungen direkt an der Vegetation vornimmt. Dann werden die Flächen mit identischen Vegetationsstufen kartiert oder über Satellitenbilder erfasst und die Werte entsprechend hochgerechnet. Diese Methode ist inzwischen international anerkannt und wird auch in Russland angewandt.

Video der Deutschen Welle über Moore in Russland auf Youtube

Auf KfW Stories veröffentlicht am: Donnerstag, 9. November 2017

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