Breitbandverkabelung Neumünster
Energieeffizienz

Energieeffizienz

Vorbild Neumünster

An Neumünster im Herzen Schleswig-Holsteins ist der Aufschwung lange vorbeigegangen. Jetzt aber zeigen die Stadtwerke, wie sie den Standort – über die Grundversorgung mit Strom, Wärme und Wasser hinaus – für Bürger und Unternehmen attraktiv machen. Sie investieren Millionen in die Breitbandverkabelung.

Tino Schmelzle und Thomas Junker, Stadtwerke Neumünster
Optimistisch

Die beiden Geschäftsführer Tino Schmelzle (li.) und Thomas Junker sehen der Zukunft Neumünsters mit Freude entgegen.

Selbst Oberbürgermeister Olaf Tauras sprach von seiner Stadt als „hässlichem Entlein“. Das ist erst zwei Jahre her und der Politiker nutzte dieses Bild natürlich nur, um die Verwandlung Neumünsters zum stolzen Schwan deutlicher herauszustreichen. Und tatsächlich: Die 80.000-Einwohner-Stadt in der Mitte Schleswig-Holsteins erlebt nach Jahren des wirtschaftlichen Niedergangs ein erstaunliches Comeback. Die kreisfreie Stadt wächst und die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten stieg allein in den vergangenen sieben Jahren um 18 Prozent.

Ein Unternehmen trägt daran maßgeblichen Anteil. Die Stadtwerke Neumünster (SWN), mit 757 Mitarbeitenden viertgrößter Arbeitgeber, haben sich in den vergangenen Jahren nicht auf ihrem Status als Energieversorger ausgeruht. Auch wenn die Zahlen in diesem Geschäft beeindrucken. Die SWN beliefern nicht nur ein Drittel der gesamten Stadt mit Wärme, sondern noch 36 weitere Gemeinden mit Strom und jeweils elf weitere Orte mit Erdgas und Trinkwasser.

Breitbandverkabelung in Neumünster
Strategie

Um die Attraktivität des Standorts Neumünster zu erhöhen, wird in der Stadt der Breitbandausbau voran getrieben.

Das alleine, so erkannte man bei den Stadtwerken, würde aber keinen Aufschwung bewirken. Und den hatte die Stadt dringend nötig. Nach dem Niedergang der ehemals stark vertretenen Leder- und Stoffindustrie verlor Neumünster nach 2003 obendrein den Status als Garnisonsstadt – die drei früheren Kasernen sind geräumt. Überregional wahrgenommen wurde die immerhin viertgrößte Stadt Schleswig-Holsteins nur gelegentlich wegen der Messen und Ausstellungen in den Holstenhallen sowie als Autobahnabfahrt zwischen Hamburg und Kiel.

Die Stadtwerke Neumünster beschlossen, der schrumpfenden Wirtschaft Wachstum entgegenzusetzen und zu investieren: in die Bereiche Telekommunikation, Umwelt, Wasser, Verkehr und Freizeit. „Eigentlich“, sagt Tino Schmelzle, einer der beiden SWN-Geschäftsführer, „bewegen wir uns damit noch in bekannten Gewässern, denn Energie und Telekommunikation sind ja beides Infrastrukturthemen.“ Als clevere Kaufleute hatten sie dabei jedoch einen Hintergedanken: „Cross-Selling, also das Anbieten verschiedener Dienstleistungen aus einer Hand, hat schließlich Vorteile für uns und für die Kunden“, sagt Schmelzle.

Telekommunikation Neumünster
Grossprojekt

Ziel der Stadt ist es, Glasfaseranschlüsse direkt in jedes Haus zu verlegen. Davon profitieren Gewerbe und Privathaushalte gleichermaßen.

Als besonders wichtig für den Standort Neumünster identifzierten die SWN den Breitbandausbau. Dafür stellte die KfW einen Kredit in Höhe von drei Millionen Euro zur Verfügung. Mit dem IKU, dem Investitionskredit Kommunale und Soziale Unternehmen fördert die KfW im Auftrag der Bundesregierung Investitionen in die kommunale und soziale Infrastruktur in Deutschland. Von der Digitalisierung profitiert neben den Einwohnern auch das ansässige Gewerbe. „In den unterschiedlichsten Branchen“, weiß Co-Geschäftsführer Thomas Junker, „werden heute große Datenmengen verschickt. Und wir können nun garantieren, dass dies auch in der verlangten Geschwindigkeit passiert.“ Motto der SWN: Fibre to the Home – also Glasfaseranschlüsse direkt in jedes Haus.

Nicht nur Bürogebäude und Wohnhäuser rüstet Neumünster digital auf. Die Innenstadt soll demnächst über ein öffentliches WLAN verfügen, und auch in den 35 Bussen, die der Multiversorger SWN durch die Stadt und angrenzende Gebiete rollen lässt, können künftig alle Fahrgäste online sein, wenn sie es wollen. Großkonzerne der Telekommunikation fürchtet man bei den Stadtwerken nicht. „Denn wir sind vor Ort und ansprechbar für die Kunden“, sagt Junker. „Unsere Kundennähe ist ein echtes Plus.“ Immerhin gewinnen die SWN jährlich etwa 7.000 Neukunden hinzu – 38.600 sind es derzeit schon.

Holstenstraße in Neumünster
Standortsicherung

In ländlichen Regionen liegen Immobilienpreise oftmals weitaus niedriger als in den Metropolen. Glasfaseranschlüsse können zur Wertsteigerung einer Immobilie wie hier in der Holstenstraße beitragen.

Dies kann zum echten Standortvorteil werden. Schließlich gilt die Digitalisierung als eine der wichtigsten Infrastrukturmaßnahmen. Tino Schmelzle benennt noch einen weiteren Effekt: „Ein Glasfaseranschluss trägt auch zur Wertsteigerung einer Immobilie bei“ – nicht unerheblich in einer Zeit, in der die Ballungsräume unter explodierenden Immobilienpreisen leiden, während es in mancher ländlichen Region schwierig geworden ist, ein Haus zu verkaufen.

Einen großen Sprung nach vorne macht auch das Geschäft mit Wärme. Seit 2005 werden sogenannte aufbereitete Abfälle möglichst umweltschonend verbrannt, insgesamt 190.000 Tonnen pro Jahr. Das ist ein Viertel der gesamten Restmüllmenge von Schleswig-Holstein. Auf diese Weise konnten bis heute eine Million Tonnen Steinkohle eingespart werden. Mit einer neuen Turbine, die seit 2014 in Betrieb ist, steigern die SWN die Effektivität in der Müllverbrennung weiter und reduzieren den CO₂-Ausstoß um 12.000 Tonnen pro Jahr.

Wir fördern

Mit den IKU-Programmen werden Investitionen in die kommunale und soziale Infrastruktur unterstützt.

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Gleichzeitig stellen die Stadtwerke ihr Fernwärmenetz von Dampf auf Heizwasser um. Das steigert die Effizienz. Dank der Modernisierung kann bei gleichbleibendem Energieeinsatz ein größer werdendes Netz versorgt werden. Um das über mehrere Jahre fortlaufende 80-Millionen-Euro-Projekt stemmen zu können, wandten sich die umtriebigen Stadtwerke wieder an die KfW und erhielten Fördermittel aus dem Programm IKU – Energetische Stadtversorgung – Quartiersversorgung. Es dient der langfristigen und zinsgünstigen Finanzierung von energieeffizienten Investitionen in Wärme- und Kälteversorgung sowie Wasserversorgung und Abwasserentsorgung in Deutschland.

Schwimmhalle in Neumünster
Frischluft

Die Cabrio-Schwimmhalle kann bei Bedarf und hohen Außentemperaturen geöffnet werden – das senkt die Energiekosten.

Apropos Wasser: Besonders stolz ist man in Neumünster auf das Bad am Stadtwald. Bisher schützte eine Traglufthalle das Schwimmbecken außerhalb der Freibadsaison. Nun hat die alte Anlage ein Dach erhalten, das bei sommerlichen Temperaturen geöffnet werden kann. Weil das den jährlichen Energieverbrauch erheblich senkt, konnten die Stadtwerke Fördermittel aus dem IKU – Energieeffizient Bauen und Sanieren einsetzen. Obendrein ist die Cabrio-Schwimmhalle nun ein echter Besuchermagnet. „Unser Bad ist eine Mischung aus Sport- und Spaßbad, das weit über Neumünster hinaus die Menschen anzieht“, sagt Schmelzle. Dem SWN-Manager ist klar, dass ein städtisches Bad nie kostendeckend arbeiten kann: „Das bleibt immer ein Zuschussbetrieb.“ Aber die moderne Anlage, die jährlich von rund 430.000 Menschen besucht wird, zahlt ein auf die Attraktivität der Stadt Neumünster. Denn ob sich die Menschen wohlfühlen, hängt nicht nur ab vom Angebot an Jobs und günstigem Wohnraum, sondern auch vom Freizeitwert des Ortes, in dem sie leben.

Und natürlich hängt die Entwicklung einer Stadt „immer auch an den Leuten, die kluge Konzepte umsetzen“, sagt Ingrid Hengster, die bei der KfW als Vorstand für die Förderung von Projekten im Inland verantwortlich ist. Sie hofft, dass Neumünster eine Ankerstadt für die umliegenden Gemeinden werden kann, deren Attraktivität die Umgebung aufwertet und dazu führt, dass junge Menschen bleiben und sich weitere Unternehmen und Fachkräfte ansiedeln. SWN-Geschäftsführer Schmelzle ist zuversichtlich: „Wir liefern die Puzzlesteine dafür.“

Auf KfW Stories veröffentlicht am: Mittwoch, 16. Mai 2018

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