Rechenzentrum in Biere
Infrastruktur

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„Wie schützen wir in Zukunft unsere Daten?“

In der Ortschaft Biere in Sachsen-Anhalt steht Deutschlands größtes Cloud-Rechenzentrum. Mit einer Finanzierung der KfW IPEX-Bank wird die Datenburg aktuell von 30.000 auf 75.000 Server ausgebaut. Ein Gespräch mit T-Systems-Manager Johannes Krafczyk.

Zur Person
Johannes Krafczyk in Biere

Johannes Krafczyk ist der Bevollmächtigte bei T-Systems, der für die Deutsche Telekom den weiteren Ausbau des Rechenzentrums in Biere leitet. Die KfW IPEX-Bank finanziert den Ausbau gemeinsam mit der BayernLB und der Landesbank Baden-Württemberg mit einem dreistelligen Millionenbetrag über eine leasingähnliche Struktur in Zusammenarbeit mit der Hannover Leasing.

Herr Krafczyk, das Cloud-Rechenzentrum in Biere wird auch als „High-Tech Fort Knox“ bezeichnet. Was macht den Datenspeicher so sicher?

Wenn man vor dem Schutzwall und den Zäunen steht, hat das Gebäude schon etwas von einer Festung. Hinzu kommen Bewegungssensoren und Kameras, die jeden Winkel des Geländes erfassen. Sich hier unbeobachtet zu bewegen, ist unmöglich. Unser Sicherheitskonzept schreibt genau vor, wer sich wo aufhalten darf. Und selbst die wenigen Menschen, die die Serverräume betreten dürfen, müssen das in Begleitung tun. All das schafft maximale Sicherheit.

Haben Sie in Biere schon Hackerangriffe erlebt?

Wir registrieren täglich Angriffsversuche auf das Netz der Deutschen Telekom. Es ist jedoch höchst unwahrscheinlich, dass ein Unbefugter sich Zugriff auf unsere Server verschafft. Unsere Sicherheitsarchitektur bietet umfassenden Schutz. Allerdings ist eine Software immer nur so zuverlässig wie die Menschen, die mit ihr arbeiten. Wenn also zum Beispiel auf der Seite eines Kunden ein Passwort in die falschen Hände gelangt, wäre ein unberechtigter Zugriff auf die Daten des Kunden denkbar. Deshalb ist es wichtig, dass Unternehmen ihre Mitarbeiter im Umgang mit Cybersecurity intensiv schulen.

Im echten Fort Knox lagert Gold. Was genau lagern Sie?

Unsere Kunden sind sowohl Privatleute als auch Unternehmen aus den verschiedensten Bereichen. Das heißt, unsere Server verarbeiten vielfältige Informationen – vom Urlaubsbild bis zur Firmensoftware. Aber die meisten Daten „lagern“ dort nicht einfach wie ein Buch im Regal. Bei der Mehrzahl handelt es sich um spezielle Anwendungen, mit denen der Kunde ständig arbeitet. Steuerungs- oder Buchhaltungssoftware zum Beispiel.

Bau des neuen Rechenzentrums in Biere
Wachstum vorprogrammiert

Knapp drei Jahre nach Fertigstellung des Rechenzentrums in Biere wird schon wieder gebaut: Die Serverleistung soll mehr als verdoppelt werden.

Unternehmen nutzen in solchen Fällen vorwiegend private Clouds, die wir individuell gestalten und bereitstellen. Das ist viel günstiger, als würde man ein eigenes Rechenzentrum aufbauen und betreiben. Zudem bauen wir derzeit den Bereich Wissenschaft aus. Die Europäische Organisation für Kernforschung etwa, das CERN, arbeitet mit großen Datenmengen – und nutzt dafür unsere technische Infrastruktur.

Sensible Daten sind in Deutschland rechtlich auch vor dem Zugriff durch Behörden relativ sicher. Wählen Kunden deshalb Deutschland als Standort für ihre Daten aus?

Die Gesetzeslage ist zunächst mal ein Grund für viele deutsche Unternehmen, gerade für Mittelständler, ihre Daten nicht auf Servern im Ausland zu speichern. Da gibt es schon ein gesundes Misstrauen gegenüber Servern, die zum Beispiel in Amerika stehen. Forschungs- und Entwicklungsabteilungen etwa müssen sicher sein können, dass ihre Daten vor fremden Zugriffen geschützt sind. Aber es stimmt: Es kommen auch vermehrt Kunden aus dem Ausland, die Deutschland als sicheren Standort für ihre Daten wahrnehmen. Der große Vorteil digitaler Daten ist ja, dass sie in der Nutzung keine physischen Grenzen kennen. Aber das bedeutet auch: Auf den Servern, auf denen die Daten liegen, müssen sie optimal geschützt werden.

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Wir finanzieren

Die KfW IPEX-Bank finanziert weltweit Projekte im Sektor Industrie und Services.

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Der Kredit der KfW IPEX-Bank hing auch vom künftigen Energieverbrauch des Rechenzentrums ab. Wie sparen Sie Strom?

Der Energieverbrauch von Rechenzentren ist grundsätzlich hoch, weil die Server rund um die Uhr gekühlt werden müssen, vor allem während ihrer Leistungsspitzen. Das lässt sich nicht vermeiden, aber durch eine geschickte Raumplanung können wir den Energieverbrauch senken. Auch bei der nun anstehenden Erweiterung des Rechenzentrums legen wir großen Wert auf ein effizientes Zusammenspiel zwischen Server-Racks und Klimatechnik. Das vereinfacht die Wartung und spart Energie. Hinzu kommt, dass wir überwiegend mit einer Anlage zur Verdunstungskühlung arbeiten werden. Diese Technik hat sich im Bauabschnitt „Biere I“ bereits bewährt, wo wir an rund 300 Tagen im Jahr auf die energieintensive Kühlung verzichten können. Nur an den rund 70 wärmsten Tagen benötigen wir zur Unterstützung Kühlaggregate. Auf diese Weise sparen wir rund 30 Prozent Energie im Vergleich zu einem Rechenzentrum mit konventioneller Kühltechnik.

Quelle
Cover CHANCEN Erfolg in der digitalen Welt

Dieser Artikel ist erschienen in CHANCEN Frühjahr/Sommer 2017 „Digitalisierung".

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Das Zentrum in Biere ist erst 2014 fertiggestellt worden, aber schon nach knapp drei Jahren wird die Serverleistung mehr als verdoppelt. Wieso?

Wir registrieren in der Tat eine wachsende Nachfrage nach Serverkapazitäten, und wir glauben, dass die in Zukunft weiter wachsen wird. Ob man sich nun als Kunde bei einem Onlineshop registriert oder seine Leistung beim Joggen mit einer App auf dem Smartphone dokumentiert. Eine Welt ohne „Big Data“ ist kaum noch vorstellbar. Die Frage, die sich für uns daraus ergibt, ist: Wie schützen wir in Zukunft unsere Daten – die zum Teil weit in unsere Privatsphäre vordringen? Das ist eine Herausforderung, und ich glaube, in Biere finden wir die richtigen Antworten, IT-technisch wie ökologisch.

Was machen Sie, wenn die Kapazitäten des Rechenzentrums erneut ausgeschöpft sind?

Dafür haben wir uns Flächenreserven für weitere Ausbaustufen gesichert. Ob und wie schnell ein nächster Spatenstich angegangen wird, entscheidet die Geschäftsentwicklung.

Auf KfW Stories veröffentlicht am: Donnerstag, 1. Juni 2017