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Energieeffizienz

Energieeffizienz

Wegweisende Bebauung

In einem Stadtteil von Delhi entstehen Energieeffizienzhäuser nach deutschem Vorbild. Die KfW finanziert 2.000 Wohnungen, die zusammen 37.000 Tonnen CO₂ pro Jahr einsparen.

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Angesagt

Energieeffizientes Wohnen für moderne indische Familien. „Lotus Panache“ im Stadtteil Noida in Delhi ist eine angesagte Adresse.

Äußerlich unterscheidet sich die Bebauung in „Lotus Panache“nicht von anderen Hochhausquartieren im Großraum Delhi. Bis zu 32 Stockwerke hoch ragen die gleichförmigen Wohntürme in den dunstigen Himmel über der indischen Hauptstadt. Auf manchen Balkonen stehen Topfpflanzen, hängt Wäsche. Klimaanlagekästen kleben an den beigen oder blassroten Fassaden. Wer hier eine Bleibe findet, verbessert sich auf Delhis Wohnungsmarkt. Eigentumswohnungen in einem der Türme sind bei der Mittelschicht begehrt. Lotus Panache hebt sich dabei in einem Punkt von ähnlichen Arealen in der Umgebung ab: Die Gebäude sind nach Kriterien der Energieeffizienz errichtet worden.

Während wir die Anlage besichtigen, ruhen die Bauarbeiten gerade. „Wegen der hohen Luftverschmutzung“ herrsche zehn Tage ein Arbeitsverbot auf Baustellen, erklärt Anish Sharma, Architekt bei The 3C Company. Das Unternehmen hat sich dem Bauen nach zertifizierten ökologischen Grundsätzen verschrieben, es sei auf diesem Gebiet „führend in Indien“, sagt Sharma. Die KfW unterstützt den nachhaltigen Ansatz mit einem Kredit an die National Housing Bank, die dank dieser Finanzspritze Darlehen an Immobilienkäufer vergeben kann, die Wert legen auf Ressourcenschutz und niedrige Emissionen.

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Kindgerecht

Bei 32 Grad im Schatten bringt das Schaukeln ein bisschen Abkühlung. In den meisten der 4.000 Wohnungen leben Kinder, für die zahlreiche Spielplätze geschaffen worden sind.

2.000 „grüne“ Wohnungen hat die KfW mit ihrem vor sieben Jahren zur Verfügung gestellten Kredit über 50 Millionen Euro mitfinanziert. Das ökologische Resultat der finanziellen Zusammenarbeit liest sich so: Der Stromverbrauch wird um 40.000 Megawattstunden und der CO₂-Ausstoß um 37.000 Tonnen jährlich gesenkt. „Das Programm trägt so zum Klimaschutz und zum nachhaltigen wirtschaftlichen Wachstum bei“, begründet Carolin Gassner, Abteilungsleiterin Südasien bei der KfW, das Engagement der KfW Entwicklungsbank.

Die ökologischen Vorgaben machen die Wohnungen „etwas teurer“ als konventionelle, sagt Sharma. Sie kosten zwischen umgerechnet 61.000 Euro für eine Drei-Zimmer- und 150.000 Euro für eine Fünf-Zimmer-Wohnung. Zins und Tilgung sollen nach den Kriterien, die die National Housing Bank anlegt, nicht mehr als 35, 40 Prozent des Haushaltseinkommens betragen. Das liegt in diesem Quartier nach Schätzungen bei umgerechnet 1.200 Euro monatlich.

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Der Architekt

Anish Sharma ist stolz auf die Energieeinsparung von 25 Prozent gegenüber vergleichbaren konventionellen Wohnungen.

Auf einem Rundgang erläutert Sharma, was man für das Geld von The 3C Company bekommt. Kühlung ist an einem Ort mit einer jährlichen Durchschnittstemperatur von 32 Grad selbstverständlich ein großes Thema. Die „grünen“ Hochhäuser sind so ausgerichtet, dass die Fensterfronten zu den Tageszeiten der höchsten Sonneneinstrahlung im Schatten liegen. Der verwendete Beton dämmt besonders gut gegen Hitze. Solaranlagen sorgen für Warmwasser. Sensoren schalten das Licht in den Fluren ab, wenn sich dort niemand aufhält. Mit gereinigtem Abwasser werden Toiletten gespült und Grünanlagen gegossen. Für ihre Entwürfe setzt The 3C Company auch eine Software für energieeffizientes Bauen ein, die das Stuttgarter Fraunhofer-Institut für Bauphysik entwickelt hat.

Architekt Sharma beziffert die Energieeinsparung der „grünen“ Wohnungen mit 25 Prozent; die Nebenkosten liegen 20 Prozent unter denen in vergleichbaren konventionellen Wohnungen, wie sie in Noida, in dem Lotus Panache liegt, zu Tausenden errichtet werden.

Noida entstand erst 1976 und ist die Abkürzung von New Okhla Industrial Development Authority. Wie der Name sagt, war das Quartier mal als Gewerbegebiet geplant. Heute wohnen hier auch 650.000 Menschen, Tendenz stark steigend. Noida, auf der Ostseite des Flusses Yamuna schon im Bundesstaat Uttar Pradesh gelegen, hat das größte Pro-Kopf-Einkommen aller Kommunen in der von 24 Millionen Menschen bewohnten Metropolregion Delhi. Ausländische Hightechkonzerne haben sich hier niedergelassen, Medienunternehmen, Internetfirmen.

Die KfW fördert

Der Geschäftsbereich KfW Entwicklungsbank fördert weltweit zahlreiche Projekte der Stadtentwicklung.

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Für die Mittelschicht ist das auf dem Stadtplan in Sektoren aufgeteilte Noida – Lotus Panache gehört zu Sektor 110 – eine angesagte Adresse. Der Wohnungsnot und der hohen Grundstückspreise wegen wird in Delhi zunehmend in die Höhe gebaut. Einige der höchsten Häuser der indischen Kapitale stehen hier schon, andere wachsen, wie etwa der Wolkenkratzer Spira am Eingang zu der Satellitenstadt. Dessen 58 Stockwerke werden sich zu einer Gesamthöhe von 300 Metern auftürmen. Für eine 120-Quadratmeter-Wohnung werden hier umgerechnet 220.000 Euro aufgerufen.

In Lotus Panache werden, wenn alles fertig ist, 12.000 Menschen in rund 4.000 Wohnungen leben. Zur Stadtautobahn ist es nur ein Kilometer, eine Metro verbindet Noida mit dem 25 Kilometer entfernten Zentrum der Hauptstadt. Aber Lotus Panache soll mehr als eine Schlafstadt sein. The 3C Company hat die „grünen“ Häuser um ein Zentrum mit Supermarkt, Apotheke und Friseur gruppiert. Für die Anwohner gibt es einen Versammlungsplatz; Schwimmbecken, Kinderspielplatz, Grünanlagen und Fitnessgeräte im Freien stehen der Allgemeinheit zur Verfügung. In die Tiefgarage unter dem Komplex passen 6.000 Fahrzeuge.

In Deutschland haben die Finanzierungen der KfW wesentlich dazu beigetragen, Energieeffizienzstandards fest im Immobilienmarkt zu etablieren. Jetzt geht es darum, von diesen Erfahrungen auch andere profitieren zu lassen: Die National Housing Bank hat mit ihrem Programm, für das auch die KfW Darlehen bereitgestellt hat, den Kauf von insgesamt 20.000 ökologisch zertifizierten Wohnungen gefördert. Der sparsame Umgang mit Energie in den eigenen vier Wänden wird in einem Land von der Größe und mit der Entwicklungsdynamik Indiens zu einer Frage des Weltklimas. Schon jetzt wird ein Viertel aller in Indien verkauften Elektrizität in Wohngebäuden verbraucht. Der Bauboom aber hat erst begonnen. Von den Wohnungen, mit denen Experten fürs Jahr 2030 rechnen, stehen gerade mal 30 Prozent.

Auf KfW Stories veröffentlicht am: Mittwoch, 19. Dezember 2018

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