Blick in das Ofenfeuer eines Heizkraftwerk
Energieeffizienz

Energieeffizienz

Qualität aus hessischen Wäldern

Inmitten ausgedehnter hessischer Buchenwälder produziert die Furnier- und Holzwerk Mittenaar GmbH seit über 50 Jahren Buchen-Schälfurniere. Jetzt ist die Nachfrage größer denn je. Eine gute Zeit für das mittelständische Unternehmen, in Energieeffizienz und Energiesicherheit zu investieren. Für rund 6,7 Millionen Euro wurde eine hocheffiziente Biomasseanlage zur Wärmeversorgung in Betrieb genommen.

Martin Bettner und Geschäftsführer Hartmut Dietermann im neuen Heizkraftwerk im Furnier und Holzwerk Mittenaar
Furnier- und Holzwerk Mittenaar

v.l. Martin Bettner, Leiter für Energie-Projekte bei der Weimer-Gruppe, und Hartmut Dietermann, Geschäftsführer der Furnier- und Holzwerk Mittenaar.

Im Holzgeschäft hat Hartmut Dietermann schon viele bewegte Zeiten erlebt. „Doch solche wie jetzt, die gab es noch nie“, staunt der Geschäftsführer der Furnier- und Holzwerk Mittenaar GmbH im hessischen Lahn-Dill-Kreis. Während er über die ungebremste Nachfrage nach Buchenholz-Schälfurnieren und Brennholz spricht, rotiert im Hintergrund unablässig die riesige Schälmaschine. Schicht um Schicht schneidet sie schier endlos Furnierbahnen aus den Buchenholzstämmen. Nur wenige Schritte entfernt durchlaufen die Furnierbahnen eine langstreckte Trocknerlinie, in der sie wie in einem überdimensionierten Bügeleisen getrocknet und geplättet werden. Routiniert entfernen die Mitarbeiter unerwünschte Unregelmäßigkeiten im Holzwuchs – eine Art laufende Qualitätskontrolle, bevor am Ende der rund 70 Meter langen Fertigungshalle die getrockneten Furniere nach Kundenwünschen optimal zugeschnitten werden.

Ein Arbeiter eines Funierwerkes stapelt und kontrolliert ein fertiges Funier
Drei-Schicht-Betrieb

Routiniert entfernen die Mitarbeiter unerwünschte Unregelmäßigkeiten im Holzwuchs.

„Wir produzieren im Drei-Schicht-Betrieb“, erklärt Dietermann und ist wieder bei den außergewöhnlichen Zeiten: Da ist zum einen der Klimawandel. Er setzt dem Wald hierzulande zu, viele Bäume leiden unter Dürre und Schädlingsbefall. Auch für die eigentlich widerstandsfähige Buche bedeutet der Wassermangel zusätzlichen Stress. Gleichzeitig hat der weltweite Bauboom die Nachfrage nach Holz explodieren lassen. Dann brachte die Corona-Pandemie die weltweiten Lieferketten im Holzgeschäft ins Wanken und nun fallen mit Russland und der Ukraine auch noch zwei der weltweit größten Holzlieferanten aus.

Dabei sind sie in Mittenaar den wechselhaften Lauf der Zeiten durchaus gewohnt. Holz wird im Ortsteil Bicken schon seit rund 150 Jahren verarbeitet. Vor über 50 Jahren begann am Standort die Produktion von Furnierholz. 2014 drohte die Tradition dann ein jähes Ende zu finden. Als der Betrieb in die Insolvenz rutschte, war Hartmut Dietermann, zuvor lange Zeit Betriebsleiter, schon nicht mehr an Bord. Doch er kehrte zurück und erlebt so seit 2018 einen bemerkenswerten Umschwung. Die breit aufgestellte Weimer-Gruppe aus Lahnau in Kooperation mit der Kreiling Beteiligungs- GmbH mit Sitz in Gießen übernahmen das Furnierwerk und seitdem stehen die Zeichen auf Modernisierung und Wachstum.

Aufgerolltes Funier in einer Maschine eines Funierwerks
Qualitätskontrolle

Die Furnierbahnen durchlaufen eine langstreckte Trocknerlinie.

Die Nachfrage nach Schälfurnieren ist groß – die Zahl der Wettbewerber überschaubar. Das sorgt für ein besonderes Marktgefüge: „Wir haben alle unsere Spezialisierung und bedienen damit eigene Nischenmärkte“, beschreibt Dietermann die Branche. Die Nische der Mittelhessen ist die Industrie und hier vor allem der Transformatorenbau. Dort kommt das Furnierholz als Isolationswerkstoff zum Einsatz. „Das Holz der Rotbusche leitet nicht, es verfügt über die besten elektrischen Eigenschaften für den Einsatz in Transformatoren“, weiß Dietermann um die Vorzüge seiner Furniere. Und Transformatoren werden gebraucht, „auch für den Ausbau der erneuerbaren Energien“. Einen kleinen Teil ihrer Produktion liefern die Hessen der Möbelindustrie zu. Aus dem Restholz der Furnierproduktion wird Brennholz gewonnen – auch hier ist die Nachfrage geradezu explodiert.

Und noch etwas hat der erfahrene Holzfachmann in seiner langen Karriere im Furnierwerk so noch nicht erlebt: „Die Weimer-Gruppe investiert seit der Übernahme massiv in den Umbau des Unternehmens.“ Einiges, was über fünf Jahrzehnte auf dem Gelände des Furnierwerks errichtet wurde, steht heute effizienten Produktionsabläufen eher im Weg. Auch reichen die Flächen für das Wachstum nicht aus. Mit einem umfangreichen Maßnahmenplan soll die Furnierherstellung in Mittenaar nun moderner, nachhaltiger und energetisch optimiert umgestaltet werden. Die Verwaltungsräume wurden bereits saniert, alte Gebäude mussten für einen neuen Nassholzplatz und die Erneuerung der Dämpfgruben weichen.

Neues Heizkraftwerk im Furnier und Holzwerk Mittenaar
Biomasseheizwerk

Mit der der hocheffizienten Energieerzeugung wird der CO2-Ausstoss um 200 Tonnen pro Jahr gesenkt und leistet damit einen Beitrag für den Klimaschutz.

Auch für das betagte Kesselhaus aus den 1960er Jahren kam 2021 das Aus. An seine Stelle ist ein modernes Biomasseheizwerk für die Wärmeversorgung im Unternehmen getreten. „Das ist ohne Zweifel eine Schlüsselinvestition“, urteilt Geschäftsführer Dietermann. Zwischen 2019 und 2021 investierte das Unternehmen rund 6,7 Millionen Euro in die Biomasseanlage.

Für Martin Bettner, bei der Weimer-Gruppe verantwortlicher Leiter für Energie-Projekte, eröffnet die Investition eine ganz neue Dimension der Energieeffizienz und der Schadstoffreduzierung im Furnierwerk: „Wir können mit einem Wirkungsgrad von 90 Prozent und einer Nennwärmeleistung von 8 MW nun Wärme für verschiedene Prozesse bei der Furnierfertigung bereitstellen.“ Möglich wird der hohe Effizienzgrad u.a. durch den Einbau eines zweiten Abgas-Wärmetauschers, der die Temperaturen aus dem Verbrennungsprozess noch einmal auf knapp unter 100 Grad Celsius herunterkühlt.

So können unterschiedliche Temperaturgrade in der Wärmeversorgung für die Dämpfgruben, die Trocknung der Furniere und das Brennholz und für die Hallenheizung eingesetzt werden. Darüber hinaus erfüllt die Anlage dank aufwändiger Abgasreinigung an einem neuen, von der Wohnbebauung entfernteren Standort, auch alle Anforderungen zur Luftreinhaltung. „Wir senken mit der Biomasseanlage unseren CO2-Ausstoss um 200 Tonnen pro Jahr“, beziffert Bettner konkret den Beitrag der hocheffizienten Energieerzeugung im Furnierwerk für den Klimaschutz.

Silberne Rohre in einem Heizkraftwerk eines Funier- und Holzwerkes
Biobrennstoff

Befeuert wird die Anlage mit Altholz und Restholz aus der Produktion.

Befeuert wird die Anlage mit Altholz und Restholz aus der Produktion. Bei der Verarbeitung von jährlich rund 18.000 Festmetern Schälholz und 10.000 Festmetern Brennholz fällt naturgemäß ausreichend Biobrennstoff an. Fossile Energieträger hingegen kommen bei der Wärmeerzeugung im Unternehmen nicht zum Einsatz. Im Angesicht globaler fossiler Energiekrisen sind die Hessen damit ihrer Zeit geradezu voraus. Vom Rohstoff für die Produktion bis zum Biobrennstoff für die Wärmeversorgung arbeitet der Betrieb so streng regional und verwertet den Rohstoff Holz nahezu vollständig.

Die KfW fördert

Mit der Bundesförderung für Energieeffizienz in der Wirtschaft unterstützt die KfW Weiterdenker, die in Energieeinsparung investieren. Günstige Kredite mit bis zu 55 Prozent Tilgungszuschuss stammen aus Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK).

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Aufgrund der hohen Energieeffizienz und der Verwendung von weit mehr als 50 Prozent der erzeugten Wärme für den Produktionsprozess konnte der Mittelständler die Bundesförderung für Energie- und Ressourceneffizienz in der Wirtschaft nutzen, ein zinsgünstiges großvolumiges Förderprogramm mit hohen Tilgungszuschüssen aus Mitteln des BMWK. „Der maximale Tilgungszuschuss von 55 Prozent für unsere Biomasseanlage war natürlich ein entscheidender Faktor, um eine Investition in dieser Größenordnung in Angriff nehmen zu können“, so Hartmut Dietermann

Sein Blick ist aber schon auf die weiteren zukünftigen Modernisierungspläne gerichtet. Die Baukräne, die sich aktuell auf dem Firmengelände drehen, gehören allerdings nicht dazu. Sie gehören zur zentralen Feuerwache, die die Gemeinde auf dem Firmengelände errichten wird. Auch ein Zeichen dafür, wie verankert der Traditionsbetrieb in Mittenaar ist – fest verwurzelt wie die Buchen in den hessischen Wäldern und zugleich im Aufbruch für die energieeffiziente Produktion von morgen.

Auf KfW Stories veröffentlicht am 20. Mai 2022.

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Alle Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen verabschiedeten im Jahr 2015 die Agenda 2030. Ihr Herzstück ist ein Katalog mit 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung, den Sustainable Development Goals (SDGs). Unsere Welt soll sich in einen Ort verwandeln, an dem Menschen ökologisch verträglich, sozial gerecht und wirtschaftlich leistungsfähig in Frieden miteinander leben können.