Dr. Ingrid Hengster
Unternehmen

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Wettbewerbsfähig durch Innovationen

EU und KfW unterstützen Gründer und etablierte Unternehmer – auch bei der Digitalisierung. Gemeinsam setzen sie in Deutschland den Juncker-Plan um. Vorstandsmitglied Dr. Ingrid Hengster erläutert im Interview, wie die KfW Innovation fördert.

Zur Person
Dr. Ingrid Hengster

Dr. Ingrid Hengster ist Juristin und seit 2014 Vorstandsmitglied der KfW. Ihr Schwerpunkt ist die Inlandsförderung.

Mehr über Ingrid Hengster

Frau Dr. Hengster, wie wichtig ist Innovation für den Wirtschaftsstandort Deutschland?

Deutschland ist exportorientiert und hochentwickelt, aber rohstoffarm. Gerade deshalb kann es seinen Wohlstand nur dann behaupten, wenn es sich von seinen Wettbewerbern durch ein Angebot an hochwertigen, innovativen Gütern und Dienstleistungen absetzt, das den Kunden neue und überlegene Problemlösungen bietet. Gründer sind besonders innovativ, digitale Gründer sind doppelt innovativ. Aber auch für etablierte Unternehmen wird die Digitalisierung zunehmend zum wichtigsten Zukunftsfaktor. Bisher sind viele Unternehmen erst kleine Schritte in diese Richtung gegangen, größere Vorhaben mit einem entsprechend hohen Finanzierungsbedarf stehen noch aus.

Und was bietet die KfW diesen Unternehmen an?

Wir haben uns intensiv mit den Bedürfinissen dieser Unternehmen beschäftigt und entschieden, ein neues Programm aufzulegen. Dieses erleichtert die Umsetzung typischer Digitalisierungsvorhaben, denen meist die Sicherheiten für „klassische Bankkredite“ fehlen. Gerade solche Digitalisierungsvorhaben bilden jedoch die Basis für grundlegende Änderungen der Geschäftsmodelle. Unterstützt durch eine Garantie aus EU-Mitteln bieten wir den Finanzierungspartnern erstmals an, die Risiken aus der Finanzierung für etablierte Unternehmen zu 70 Prozent zu übernehmen. Die KfW entlastet so die Hausbanken vom Ausfallrisiko deutlich, was eine Kreditvergabe häufig erst ermöglicht. Dieses Programm ist ein Teil des so genannten Juncker-Plans, der Investitionen in Europa fördert.

Was bedeutet das für die bestehenden Programme der KfW?

Die neue ERP-Innovationsfinanzierung löst die bisherigen Innovationsförderprogramme ab und ersetzt diese durch ein breit einsetzbares Kreditprogramm für Innovation und Digitalisierung. So kann die Förderung sowohl für die Entwicklung neuer Produkte, als auch für Digitalisierungsprojekte wie die App-Entwicklung oder Datensicherheitskonzepte genutzt werden.

Auch Existenzgründer finden oft keine geeignete Finanzierung…

Gründungsfinanzierung ist für Hausbanken in der Regel kein lohnendes Geschäft. Das Risiko ist hoch, der Aufwand groß und der Ertrag relativ niedrig. Der Bedarf ist aber da: Laut KfW-Gründungsmonitor, einer repräsentativen Befragung zum Gründungsgeschehen in Deutschland, setzen Gründer bei ihrem Start immer mehr externe Mittel ein. Seit dem Jahr 2013 hat sich der Anteil von Gründern, die sich mehr als 25.000 Euro von externen Kapitalgebern beschaffen, verdoppelt.

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Was hat die KfW Gründern zu bieten?

Auch hier lautet unser Ansatz: den Zugang zum Kredit erleichtern. Wenn Existenzgründer ein Darlehen über unser Programm „ERP-Gründerkredit – StartGeld" beantragen, trägt die KfW 80 Prozent des Ausfallrisikos. Sie wird dabei vom Europäischen Investitionsfonds (EIF) unterstützt. Das Risiko verteilt sich folgendermaßen: 20 Prozent übernimmt die Hausbank, 40 Prozent die KfW und 40 Prozent der EIF. Gründer können so bis zu 100.000 Euro erhalten.

Welche Wirkung geht von diesem Programm für Gründer aus?

Von der Wirksamkeit dieses Förderansatzes konnte ich mich bei meinen jüngsten Projektreisen in direkten Gesprächen mit Gründern überzeugen. Insgesamt werden mit der EIF-Garantie Zusagen von einer Milliarde Euro abgesichert. So können in den kommenden Jahren deutschlandweit mehr als 15.000 Existenzgründer unterstützt werden. Das war übrigens der erste Beitrag der KfW zum Juncker-Plan, den wir seit Dezember 2015 in Deutschland umsetzen.

Auf KfW Stories veröffentlicht am: Montag, 20. März 2017