Brockmann
Klimawandel

Klimawandel

Gutes Geld

Die Klimaziele von EU und UN haben das Sustainable Financing ganz oben auf die Agenda der Finanzwirtschaft gehoben. Damit verbunden ist die Aufforderung an Banken und Investoren, grüne Impulse zu setzen und sich stärker an der Rettung des Planeten zu beteiligen.

Zur Person
Dr. Karl Ludwig Brockmann über Sustainable Financing und grüne Impulse im Bankwesen

Dr. Karl Ludwig Brockmann ist Konzernbeauftragter Nachhaltigkeit der KfW Bankengruppe. Im Juni 2018 wurde er von der EU-Kommission in die neu gegründete Technical Expert Group on Sustainable Finance berufen.

Der Wandel zu einer nachhaltigen Gesellschaft ist die zentrale Herausforderung unserer Zeit. Unter dem Schlagwort „Sustainable Finance“ wird national und international diskutiert, welche Rolle der Finanzwirtschaft zukommt, die notwendigen Transformationen zu unterstützen.

Zwei wesentliche Impulse treiben das Thema seit den vergangenen drei Jahren voran: die im September 2015 im UN-Rahmen verabschiedeten „Sustainable Development Goals“ zur Armutsbekämpfung und zum Schutz unseres Planeten sowie das im Dezember 2015 in Paris beschlossene Abkommen zur Begrenzung der Klimaerwärmung. Beides erfordert große gesamtgesellschaftliche Anstrengungen, erhebliche finanzielle Ressourcen müssen mobilisiert werden. Die EU zum Beispiel schätzt, dass allein für das Erreichen ihrer energie- und klimapolitischen Ziele in den Feldern Transport und Energie bis 2030 jährlich 180 Milliarden Euro (siehe Infografik) an zusätzlichen Investitionsmitteln bereitgestellt werden müssen.

Aus Bankensicht geht es dabei um weit mehr als die Bereitstellung von Finanzmitteln für nachhaltige Investitionen in Energieeffizienz, Bildung oder Armutsbekämpfung. Es geht auch darum, welche Vorhaben nicht mehr finanziert werden sollen (z. B. Kohlekraftwerke), in welcher Weise Nachhaltigkeitsgesichtspunkte bei der Anlage von Eigenmitteln integriert werden können (z. B. beim Liquiditätsmanagement) und welche Impulse auf der Refinanzierungsseite gesetzt werden können (z. B. mit Green-Bond-Emissionen). Allerdings muss zugleich angemerkt werden, dass alle Anstrengungen des Finanzsektors zusammen eine nachhaltige Welt nicht herbeiführen können. Wichtig ist die Setzung der richtigen politischen Impulse und Anreize in der Realwirtschaft.

Lesen Sie unter der Infografik weiter.

Dr. Karl Ludwig Brockmann über Sustainable Financing und grüne Impulse im Bankwesen
Dr. Karl Ludwig Brockmann über Sustainable Financing und grüne Impulse im Bankwesen

Jede Bank muss sich frühzeitig – schon aus Eigeninteresse – fragen, ob ihr Risikomanagement für die Herausforderungen des Klimawandels passend aufgestellt ist. Dies können physische Risiken sein, etwa wenn Extremwetterereignisse unsere Kunden zunehmend belasten. Es können aber auch transitorische Risiken sein, sobald sich zeigt, dass Geschäftsmodelle von Kunden nicht mehr tragen, zum Beispiel weil eine sich verschärfende Klimapolitik die Aussichten für Unternehmen der Kohle-, Öl- und Gaswirtschaft signifikant verschlechtern. Andererseits bietet der nötige Wandel hin zu einer klimagerechteren und nachhaltigeren Gesellschaft für Geschäftsbanken und Förderbanken auch viele Chancen zur Gewinnung neuer Kunden und zur Entwicklung neuer Produkte wie nachhaltiger Publikumsfonds.

Quelle
Cover Chancen Nachhaltigkeit

Der Artikel ist erschienen in CHANCEN Herbst/Winter 2018 „Eine bessere Welt ist möglich“.

Zur Ausgabe

Ein zentraler und besonders aktiver Treiber des Themas Sustainable Finance ist die EU, die hier einen weitreichenden Aktionsplan veröffentlicht und im Mai 2018 mehrere Gesetzesvorhaben lanciert hat. In der Expertengruppe, die die Kommission bei der Umsetzung der Gesetzesvorhaben berät, ist auch die KfW vertreten. Zentral ist hier die geplante EU-weite Systematik für „Nachhaltige wirtschaftliche Aktivitäten“. Diese Systematik ist besonders wichtig, denn sie etabliert eine einheitliche Klassifikation und schafft ein gemeinsames Verständnis aller Beteiligten darüber, welche Aktivitäten glaubhaft als „grün“ beziehungsweise „nachhaltig“ einzuordnen sind. Dies ist wiederum der wichtigste Hebel, um skalierbare Finanzmarktprodukte zu entwickeln und so die Einbindung privater Mittel in großem Umfang erst zu ermöglichen.

Die KfW sieht als Bank aus Verantwortung ihren Nachhaltigkeitsbeitrag in ihrer Rolle als verantwortungsvoller Arbeitgeber, in einem klima- und ressourcenschonenden Bankbetrieb und in ihren Förderbeiträgen – alles flankiert von einer umfassenden Berichterstattung zu Nachhaltigkeitsthemen. Zur Stärkung ihres Engagements auf der Finanzierungsseite wurde 2017 die Arbeitsgruppe „Roadmap Sustainable Finance“ gebildet, die im Auftrag des Vorstands und unter Einbindung aller Geschäftsfelder untersucht, wie die Nachhaltigkeit noch stringenter in Strategie und Steuerung der Bank verankert werden kann: Themen sind ein neues Nachhaltigkeitsleitbild, ein Steuerungskonzept für nachhaltige Finanzierungen, das Management von Klima- und anderen Nachhaltigkeitsrisiken, ein zugehöriges Kommunikationskonzept sowie gegebenenfalls erforderliche Veränderungen in den Bankprozessen.

Auf KfW Stories veröffentlicht am: Montag, 3. Dezember 2018