Ostafrikanische Laborspezialisten werden in Hamburg in der Bedienung der mobilen Labore unterwiesen
Gesundheit

Gesundheit

Epidemien verhindern

Die KfW und das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin bündeln ihre Kräfte zur Unterstützung der Ostafrikanischen Gemeinschaft, um in Zukunft Ausbrüche gefährlicher Infektionskrankheiten frühzeitig zu erkennen. Ziel des Vorhabens ist es, ein regionales Netzwerk mobiler Labore für Burundi, Kenia, Ruanda, Südsudan, Tansania und Uganda aufzubauen.

Ebola treatment centre in Beni, östliches Kongo
Kampf gegen Infektionen

Um Epidemien zu verhindern, müssen Ausbrüche von Krankheiten wie Ebola schnell erkannt werden. Zu diesem Zweck sollen mobile Labore in ostafrikanischen Ländern zum Einsatz kommen.

Im Mai und dann erneut Anfang August 2018 kam es in der Demokratischen Republik Kongo zu neuen Ebola-Ausbrüchen, zunächst in der Provinz Équateur und dann in Nord-Kivu. Für die angrenzenden Länder ist vor allem der Ausbruch in Nord-Kivu gefährlich. Denn das Gebiet ist eines der am dichtesten besiedelten der Demokratischen Republik Kongo, mit mehr als einer Million Binnenvertriebenen und einer starken Migration über die Landesgrenzen hinweg. Nach offizieller Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) stellen diese Ausbrüche ein hohes Risiko für die öffentliche Gesundheit der gesamten Region dar. Dr. Sonoiya, Leiter des Gesundheitsreferats im Hauptquartier der Ostafrikanischen Gemeinschaft (EAC) in Arusha, Tansania, stimmt dieser Einschätzung zu.

Dr. Muna Affara und Dr. Florian Gehre sind Molekular- bzw. Mikrobiologen am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) in Hamburg. Auch sie sind besorgt über die neuen Ausbrüche von Ebola im Kongo und setzen umso größere Hoffnungen auf das Projekt, das sie derzeit in Arusha unterstützen. „Momentan kann es bis zu drei Wochen dauern, bis ein Verdachtsfall in einem entlegenen Gebiet bestätigt wird“, sagt Dr. Affara. „Um die Ausbreitung von Epidemien zu verhindern, müssen Ausbrüche schnell erkannt werden, damit die nötigen Schutzmaßnahmen sofort eingeleitet werden können“, erklärt Dr. Gehre und ergänzt: „Genau das ist der Zweck des Netzwerks mobiler Labore, das in dieser Region eingerichtet werden soll.“

Die KfW fördert

Die KfW Entwicklungsbank fördert weltweit zahlreiche Projekte im Gesundheitssektor.

Mehr erfahren

Neue Wege in der Früherkennung

Im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) stellt die KfW Mittel zur Verfügung, um das Netzwerk mobiler Labore zu errichten. Die mobilen Labore sind ein wichtiger neuer Baustein für ein Frühwarnsystem in der EAC, zu der die Länder Burundi, Kenia, Ruanda, Südsudan, Tansania und Uganda gehören. Dr. Affara, Dr. Gehre und Verwaltungskoordinatorin Lisa Reigl vom BNITM wurden als Vollzeitberater zum Hauptquartier der EAC in Arusha entsandt. Sie sollen sich im Auftrag der EAC um die erforderliche technische Unterstützung und Erweiterung der Kapazitäten kümmern.

Während der laufenden ersten Projektphase unterstützen sie in Zusammenarbeit mit den nationalen Gesundheitslaboren den Aufbau neuer mobiler Labore in den EAC-Ländern. Ziel ist es, bereits beim ersten Auftreten einer Infektion Gegenmaßnahmen ergreifen zu können. Gerade Verdachtsfälle in entlegenen Gebieten sind problematisch, weil deren Bestätigung oder Entwarnung Wochen dauert. Bisher müssen Blutproben aus dem Umland in ein Referenzlabor in der Hauptstadt oder mit dem Flugzeug in qualifiziertere Labore an anderen Orten gebracht werden. Dadurch verliert man wertvolle Zeit, die für effektive Gegenmaßnahmen genutzt werden könnte.

„Ausbrüche von Epidemien müssen schnell erkannt werden.“

Dr. Florian Gehre, Biologe am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM)

Mit den mobilen Laboren wird sich das ändern. Sie werden bei Verdacht auf einen Ausbruch in die betreffende Region geschickt und können, nachdem sie aufgebaut wurden, innerhalb von 24 Stunden zuverlässige Diagnosen liefern. Natürlich erfordert das nicht nur eine entsprechende Laborausstattung, sondern auch qualifizierte Teams, die die Labore aufbauen und die hoch komplizierten Tests durchführen können.

Training am Bernhard-Nocht-Institut Hamburg
Schulung für Spezialisten

Während eines Intensivtrainings am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) lernen afrikanische Fachleute in Hamburg auch den Umgang mit der sogenannten Glove Box.

Länderteams für die Hightechlabore

Als Startschuss für die Maßnahmen zum Kapazitätsausbau hat das BNITM im Dezember 2018 einen Intensivtrainingskurs am Sitz des Instituts in Hamburg organisiert. „Wir haben die Erfahrungen dreier Bereiche unseres Instituts, nämlich Virologie, Infektionsepidemiologie und Diagnostikentwicklung, zusammengeführt. Alle drei Themenbereiche sind für den Aufbau der mobilen Labore von wesentlicher Bedeutung“, erklärt Professor Jürgen May, Leiter der Abteilung Infektionsepidemiologie beim BNITM. In den vorangegangenen Monaten hatten die BNITM-Experten jeweils zwei Spezialisten aus den sechs Partnerländern ausgewählt, die gute Voraussetzungen und Qualifikationen mitbrachten, um in einem mobilen Laborteam zu arbeiten und, was noch wichtiger ist, die erforderlichen Fähigkeiten an weitere Laboranten in ihren Ländern weiterzugeben.

Während der vier Wochen, die die afrikanischen Fachleute in Hamburg verbrachten, lernten sie, wie ein in 15 Kisten verstautes mobiles Labor schnell zusammen- und später wieder auseinandergebaut und verpackt wird, wie das Labor, gegebenenfalls mithilfe von Stromgeneratoren, betriebsbereit gemacht wird, wie unterschiedliche Krankheitserreger mit aussagekräftigen Diagnosetests bestimmt werden und – nicht zuletzt – wie sie sich selbst bei der Arbeit mit hoch infektiösen Proben vor Ansteckung schützen. Mithilfe einer sogenannten Glove Box, eines unerlässlichen Bestandteils der Ausrüstung mobiler Labore, werden die Proben zunächst inaktiviert, bevor weitere Tests durchgeführt werden. Das Üben der Arbeit mit der Glove Box ist ein grundlegender Bestandteil des Trainingskurses.

Ebola Virus
Ebola

Was unter dem Rasterelektronenmikroskop harmlos aussieht, ist ein Ebola-Virus-Partikel, der die oft tödliche Erkrankung beim Menschen auslösen kann. Mithilfe der mobilen Labore sollen Krankheiten und Epidemien frühzeitig erkannt werden.

„Es war toll zu sehen, wie schnell die verschiedenen Länderteams begannen, zusammenzuarbeiten, sich gegenseitig auszuhelfen und einander in ihren Fähigkeiten zu ergänzen. Bei diesem ersten Training in Hamburg haben wir erlebt, wie die Vision der EAC einer effektiven regionalen Pandemieprävention Wirklichkeit werden könnte“, so Dr. Gehre.

Für Mai und Juni 2019 ist nun ein Folgetraining geplant, dieses Mal im Hauptquartier der EAC in Arusha. Jedes Länderteam wird zwei weitere Laboranten mitbringen. Dann sollen Dr. Affara und Dr. Gehre die bereits ausgebildeten Experten dabei unterstützen, ihre Fähigkeiten und Kenntnisse mit den angehenden neuen Kollegen zu teilen. Für den Betrieb eines mobilen Labors werden mindestens vier Laboranten benötigt. Doch auch wenn alle neun mobilen Labore im Laufe des Jahres in den sechs Ländern bereitgestellt worden sind, gehen die Trainings weiter, sodass die Zahl der qualifizierten Mitarbeiter für das Labornetzwerk schrittweise auf bis zu zwölf pro Land erhöht werden kann.

Der Einsatz mobiler Labore findet als innovative Methode bei Regierungen und Gesundheitsexperten der EAC-Partnerländer breite Zustimmung. Sie setzen großes Vertrauen in den Zugewinn an Geschwindigkeit und Flexibilität, den dieses Vorgehen ihnen im Kampf gegen Ebola und andere tückische Krankheiten bietet. Die Bundesregierung hat der EAC bereits weitere Mittel für den Ausbau des regionalen Netzwerks mobiler Labore zugesagt.

Auf KfW Stories veröffentlicht am: Dienstag, 16. April 2019

SDG Logo

Alle Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen verabschiedeten im Jahr 2015 die Agenda 2030. Ihr Herzstück ist ein Katalog mit 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung, den Sustainable Development Goals (SDGs). Unsere Welt soll sich in einen Ort verwandeln, an dem Menschen ökologisch verträglich, sozial gerecht und wirtschaftlich leistungsfähig in Frieden miteinander leben können.