Berlin
Jan Klasen, KfW, Deutschland

Jan Klasen, KfW, Deutschland

„Schwierige Zeiten sind europäische Zeiten“

Daria Ciriaci (CDP, Italien), Antonio Bandres Cajal (ICO, Spanien) und Jan Klasen (KfW, Deutschland) leiten die Abteilungen für Europaangelegenheiten ihrer nationalen Förderbanken. KfW Stories hat sie eingeladen, über die Zusammenarbeit zwischen den europäischen Förderbanken und ihre Erfahrungen bei der Abfederung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise zu sprechen. Hier lesen Sie das Interview mit Jan Klasen.

Zur Person
Jan Klasen

Dr. Jan Klasen leitet die Abteilung für Bundes- und Europaangelegenheiten der deutschen Förderbank KfW.

Beim Ausbruch von Covid-19 spielten Förderbanken eine zentrale Rolle, um die europäische Wirtschaft zu stützen. Wie hat die KfW diese Krise bewältigt?

JAN KLASEN: Das Coronavirus führte zu einer Krise des Gesundheitssystems und der Wirtschaft, die noch nie dagewesene Maßnahmen zur Stärkung der Wirtschaft notwendig machte. Im Auftrag der Bundesregierung konnte die KfW in Rekordzeit ein Sonderprogramm auf die Beine stellen. In nur wenigen Wochen haben wir bestehende Programme wie den Unternehmerkredit erweitert und neue Programme wie den vollständig durch eine Garantie des Bundes abgesicherten Schnellkredit eingeführt. Die Erfahrungen, die wir während der Finanzkrise 2008 gesammelt haben, trugen zu diesem schnellen Ergebnis bei. Bis zum 22. Juni sind 65.000 Anträge mit einem Gesamtvolumen von 48,3 Milliarden Euro für das Sonderprogramm bei der KfW eingegangen.

„Es fiel uns leicht, unsere Maßnahmen mit denen unserer Partner zu koordinieren.“

Jan Klasen, KfW, Abteilung für Bundes- und Europaangelegenheiten

KfW Bankengruppe

Seit 1948 setzt sich die KfW Bankengruppe im Auftrag des Bundes und der Länder dafür ein, die wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Lebensbedingungen weltweit zu verbessern. Allein 2019 hat sie dafür ein Fördervolumen von 77,3 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. Davon flossen 38 Prozent in Maßnahmen zum Klima- und Umweltschutz. In Deutschland ist die KfW mit Standorten in Frankfurt, Berlin, Bonn und Köln vertreten. Weltweit gibt es mehr als 80 KfW-Büros.

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Noch nie haben die EU-Mitgliedstaaten so schnell und in einem solchen Ausmaß wirtschaftliche Gegenmaßnahmen getroffen. Haben die Förderbanken ihre Aktionen untereinander abgestimmt?

Die Zusammenarbeit zwischen den nationalen Förderbanken ist nichts Neues, wir arbeiten seit Langem eng und partnerschaftlich mit den meisten der europäischen Partner zusammen. Diese Kooperation wurde in den letzten Jahren durch gemeinsame Investitionen und den EFSI (Europäischen Fonds für strategische Investitionen) weiter vertieft. In Brüssel teilt sich die KfW sogar ein Büro mit ihren Pendants aus Italien, den Niederlanden, Polen und Frankreich sowie mit unserem gemeinsamen Verband ELTI (Europäischer Verband langfristiger Investoren). Daher fiel es uns leicht, unsere Maßnahmen mit denen unserer Partner zu koordinieren. Schwierige Zeiten sind europäische Zeiten, das kann man an dieser Stelle festhalten. In den vergangenen Monaten gab es unzählige Videokonferenzen, teilweise auch am Wochenende, in denen konstant Informationen und Erfahrungen ausgetauscht wurden. Außerdem fand im April ein virtuelles Treffen unserer Vorstände statt. Darin wurde vereinbart, unsere Zusammenarbeit weiter zu stärken. Auch wenn die Hilfsprogramme in den einzelnen Ländern unterschiedlich schnell umgesetzt wurden, sind wir jetzt in einer Situation, in der die meisten Länder der EU über ähnliche Bürgschaftsprogramme verfügen. Dies ist auch der Europäischen Kommission zu verdanken, die Anträge auf staatliche Beihilfen schnell und effizient bearbeitet hat.

Was ist die wichtigste Lehre, die Sie aus der Corona-Krise gezogen haben? Welche Rolle können die Förderbanken in der Phase der wirtschaftlichen Erholung und für die künftige Widerstandsfähigkeit der Wirtschaft spielen?

Die Corona-Krise hat gezeigt, dass die Zusammenarbeit zwischen den nationalen Förderbanken funktioniert. Das ist eine gute Sache, denn es gibt noch viel zu tun. So wird es auf europäischer und nationaler Ebene Programme zur Konjunkturbelebung geben, in denen die Förderbanken eine Rolle spielen werden. Nachdem in der ersten Phase der Krise die Liquidität der Unternehmen sichergestellt werden musste, müssen wir in einem zweiten Schritt dafür sorgen, dass wieder mehr investiert wird. Dabei sollten sich europäische und nationale Maßnahmen sinnvoll ergänzen. Auch muss in der Phase der wirtschaftlichen Erholung der Schwerpunkt auf Investitionen in Digitalisierung, Innovation und Nachhaltigkeit liegen, damit die Volkswirtschaften der EU künftig besser gegen solche Schocks gewappnet sind. Neben dem Green Deal sind der neue Haushaltsvorschlag der Kommission und der „Recovery Fund“ (Wiederaufbaufonds) hier vielversprechende Ansätze. Ich erwarte, dass dies auch ein Schwerpunktthema der kommenden deutschen EU-Ratspräsidentschaft wird. Wir helfen dabei, wo wir können. Die KfW wurde einst gegründet, um den Wiederaufbau Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg zu unterstützen. Mit unseren Partnerinstituten stehen wir heute bereit, um unseren Beitrag zur wirtschaftlichen Erholung in unseren eigenen Ländern und in Europa zu leisten.

Auf KfW Stories veröffentlicht am 24. Juni 2020.

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