Pan African University (PAU) – ein Netzwerk moderner Universitäten für Afrika
Bildung

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Vivian wird Ingenieurin

In Afrika studieren nur acht Prozent der Schulabgänger eines Jahres, weit weniger als im weltweiten Durchschnitt. Eine Initiative, gefördert von der KfW, will die Hochschullandschaft Afrikas verbessern, dazu gehört der Ausbau der Pan African University (PAU). Die Nigerianerin Vivian Ogechi gehört zu den ersten Absolventen der 2011 gegründeten Universität in Algerien.

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Panafrikanisch

Die Studierenden der PAU kommen aus allen Ecken Afrikas.

Vivian Nmwadiaru Ogechi ist eine begabte junge Frau aus Nigeria mit besten akademischen Aussichten. Nach ihrem Bachelor hätte sie in Lagos bleiben oder nach Großbritannien wechseln können. Vermutlich hätte sie bei weiterer Suche auch noch andere Optionen gehabt. Stattdessen entschied sich Vivian für Algerien.

Größer hätte der Wechsel kaum ausfallen können: Vivian ist Christin, Algerien ein muslimisch geprägtes Land. In Nigeria spricht man Englisch, in Algerien Französisch. Lagos ist eine Millionenmetropole, ihre neue Wahlheimat eine Provinzhauptstadt. Trotz dieser Unterschiede wählte die 25-Jährige für ihren Master die Universität in Tlemcen.

Warum? Weil ihr Institut an der Pan African University (PAU) etwas Besonderes ist auf dem afrikanischen Kontinent. Vivian fand hier, was sie suchte: einen zweijährigen interdisziplinären und international angelegten Ingenieurstudiengang samt Vollstipendium. Sie hatte recherchiert: „Ein Studium in dieser Breite und Vielfalt findet sich nicht noch einmal in Afrika.“ Deshalb musste Vivian auch nicht lange überlegen, obwohl der Studiengang noch im Aufbau begriffen war und Erfahrungen anderer Studierender weitgehend fehlten. Aber das akademische Angebot stimmte, sie hatte die Unterstützung ihrer Familie und das Fremde reizte sie. „Über den Tellerrand zu schauen, kann nie schaden.“

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Intensiv

Vivian (zweite von links) bei der Gruppenarbeit. Ein straffes Programm sorgt dafür, dass die Studierenden in kurzer Zeit sehr viel lernen.

Sie hat die Entscheidung nicht bereut, auch wenn die ersten Wochen in Algerien wegen der fremden Sprache, Religion und Kultur eine Herausforderung waren. Doch die Seminare fanden auf Englisch statt und die Gemeinschaft mit den anderen Studentinnen und Studenten half ihr über alle Anfangsschwierigkeiten hinweg. „Ich wurde sofort herzlich aufgenommen und habe mein Netzwerk auf wundervolle Weise vergrößert“, erinnert sich Vivian.

Sie waren eine überschaubare Gruppe von 16 Kommilitonen, fünf davon Frauen, und kamen aus allen Ecken Afrikas: zwei aus Nigeria, zwei aus Uganda, die anderen zwölf je aus einem weiteren afrikanischen Land. Denn auch das gehört zur PAU: die Idee des Panafrikanismus zu fördern und Afrika als Ganzes und grenzüberschreitend voranzubringen.

Das Programm ist anspruchsvoll. Der offizielle Unterricht dauert an Werktagen von acht bis fünf, danach erwartet die Studierenden selbstständige Arbeit am Computer. Vivian und ihre Kommilitonen entwerfen Präsentationen, schreiben Hausarbeiten, Essays, Analysen, Berechnungen – „so lange, bis einem die Augen zufallen“.

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Nachgefragt

Die Spezialisierung auf Energiefragen gilt als besonders zukunftsträchtig.

Am PAUWES, wie Vivians Fakultät in Kurzform heißt – sie steht für „Pan African University Institute of Water and Energy Sciences“ –, werden die Studierenden zu Ingenieuren ausgebildet. In den Fachrichtungen Wasser oder Energie lernen sie alles in Sachen Technik, Wirtschaft und Politik. Physikalische Berechnungen gehören ebenso dazu wie Grundlagen des Projektmanagements, Energieszenarien für Afrika oder afrikanische Geschichte. Praktisches wie Schreibkurse und Kommunikationstechniken ergänzen den Lehrplan. Am Ende haben die Absolventen und Absolventinnen einen Master als Energieingenieur/-in oder alternativ als Wasseringenieur/-in in der Tasche. Vivian findet: „Das Programm ist sehr intensiv, allerdings lernt man so viel wie fast nirgends sonst, nicht einmal internationale Institutionen könnten das bieten.“

Die Nigerianerin hat sich ganz bewusst für das PAUWES entschieden und auch für die Spezialisierung auf Energiefragen. Sie betrachtet dieses Studienfeld als besonders zukunftsträchtig, für sich selbst und für Afrika, einen Kontinent, auf dem nur etwa ein Drittel der rund 900 Millionen Bewohner Zugang zu Strom hat. Einen Kontinent auch, dessen weitere wirtschaftliche Entwicklung ganz entscheidend davon abhängt, ob und in welcher Geschwindigkeit es gelingen wird, mehr und nachhaltige Energie bereitzustellen.

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Der Geschäftsbereich KfW Entwicklungsbank engagiert sich in vielen Ländern vor allem in der Grundbildung, der beruflichen Bildung und in der Förderung von Hochschulen.

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Vivian hatte auch überlegt, Medizin zu studieren oder Mathematik. Weil sie ein aufgewecktes Kind war, durfte sie schon mit zwei in die Vorschule, ihren Highschool-Abschluss machte sie mit 15 und begann gleich danach ihre Universitätslaufbahn. Irgendwann wurde ihr klar, dass sie Ingenieurin werden wollte. Heute ist sie sehr zufrieden damit; vor Kurzem hat die 25-Jährige als Absolventin des zweiten Jahrgangs ihren Mastertitel des PAUWES erhalten. Einen Teil ihres Berufslebens möchte sie in der Lehre oder Forschung verbringen, einen anderen in der freien Wirtschaft. In ihrer Heimat Nigeria spielen die erneuerbaren Energien bisher noch keine große Rolle; das Land hat viele Jahre auf seinen großen Schatz an fossilen Ressourcen gesetzt. Das soll sich langsam ändern. „Die erneuerbaren Energien stecken dort noch in den Kinderschuhen, es gibt also viel zu tun“, sagt Vivian.

Bevor sie aber ins echte Berufsleben springt, möchte Vivian noch promovieren. Dafür bewirbt sie sich gerade und überbrückt die Zeit mit einem „Abstecher“ in die Zentrale der PAU in Addis Abeba bei der Afrikanischen Union. Wieder ein neuer Ort und ein neuer Anfang. Aber Lernen ist für Vivian ein lebenslanger Prozess und er bedeutet für sie, „die eigene Komfortzone immer wieder zu verlassen – sonst kommt man nicht voran“. Im Fall des PAUWES hat sich ihre Lebensmaxime ganz offensichtlich schon bewährt.

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Die Lücke schließen

Mithilfe der PAU soll ein Wissenschaftsnetzwerk entstehen, das es so in Afrika bisher nicht gibt.

Eine Einrichtung mit Zukunft

Das PAUWES (Pan African University Institute of Water and Energy Sciences) ist Teil einer Exzellenzinitiative der Afrikanischen Union, die insgesamt sechs miteinander verbundene wissenschaftliche Zentren in Afrika aufbaut. Sie firmieren unter dem Etikett PAU (Pan African University) und sollen Afrika grenzüberschreitend und als Kontinent voranbringen. Gegründet wurde die PAU im Jahr 2011, 2013 nahm sie ihren Betrieb auf. Mit ihrer Hilfe soll ein Wissenschaftsnetzwerk entstehen, das es so in Afrika bisher nicht gibt. Außerdem soll die PAU dem generellen Hochschulmangel und dem Mangel an guter Hochschulausbildung in Afrika entgegenwirken. Unter den besten 200 Universitäten der Welt befindet sich nur eine afrikanische, unter den besten 500 sind es insgesamt nur fünf, vier davon in Südafrika, eine in Uganda. Auch studieren in Afrika bisher nur etwa acht Prozent eines Jahrgangs, im weltweiten Schnitt sind es 22 Prozent. Der Nachholbedarf ist groß.

Die Zentrale der PAU befindet sich am Sitz der Afrikanischen Union in Addis Abeba. Daneben gibt es ein Institut für Landwirtschaft und Technologie in Kenia (PAUSTI), eines für Gesundheit und Landwirtschaft in Nigeria (PAULESI), eines für Sozialwissenschaften und Politik in Kamerun (PAUGHSS) und eines für Wasser- und Energiewissenschaft in Algerien (PAUWES). Geplant ist derzeit noch eine weitere Außenstelle für Weltraumwissenschaften in Südafrika. Die KfW hat den Aufbau der panafrikanischen Universität von Anfang an im Auftrag der Bundesregierung unterstützt und dabei vor allem das Institut in Algerien gefördert, weil es mit seinem speziellen Fokus die nachhaltige Entwicklung Afrikas vorantreibt. Für das PAUWES hat das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung 20 Millionen Euro bereitgestellt, die über die KfW finanziert werden. Darüber hinaus berät auch die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit das Institut und die Afrikanische Union.

Auf KfW Stories veröffentlicht am: Dienstag, 12. Juni 2018