Studierende im Hörsaal
Bildung

Bildung

„Im Sinne des lebenslangen Lernens“

Die KfW bietet Studierenden finanzielle Unterstützung an. Detlev W. Kalischer, Leiter des Geschäftsbereichs Mittelstand und private Kunden, im Gespräch über den KfW -Studienkredit.

Zur Person
Detlev Kalischer

Detlev W. Kalischer ist Leiter des Geschäftsbereichs Mittelstand und private Kunden bei der KfW. Der Rechtsanwalt ist seit 2006 zudem Geschäftsführer der FuB Finanzierungs- und Beratungsgesellschaft mbH (einer Gesellschaft der KfW-Bankengruppe).

Die KfW ist der Namensgeber für die Effizienzhausstandards und der größte Klimafinanzier weltweit. Lohnt es sich, Studierende mit 500 Euro pro Monat zu finanzieren?

Auf jeden Fall! Es handelt sich um ein Förderprogramm. Jeder Studierende, den wir bei der Finanzierung seines Studiums unterstützen, ist ein Argument für den KfW-Studienkredit. Wir fördern damit die Zukunft Deutschlands und leisten auch einen Beitrag zur Fachkräftesicherung.

Dennoch ist der KfW-Studienkredit kleinteilig …

… was uns insbesondere bei den Bearbeitungskosten immer wieder vor Herausforderungen stellt. Dank eines hohen Standardisierungsgrades und unserer günstigen Refinanzierungsmöglichkeiten können wir aber auch hier attraktive Konditionen anbieten.

Wer ist Ihre Zielgruppe?

Uns geht es vor allem darum, die soziale Ungleichheit zu reduzieren und deutsche Hochschulen auch für Jugendliche aus Familien mit niedrigem Einkommen zu öffnen. Dennoch wird der KfW-Studienkredit unabhängig vom Einkommen der Eltern oder anderen Sicherheiten vergeben – weil wir die Abhängigkeit von Nebenjobs verringern wollen.

Und klappt das?

Seit der Einführung des Studienkredits 2006 konnten wir mehr als 280.000 Studenten und Studentinnen unterstützen. Darunter sind überproportional viele aus Familien mit niedrigem Einkommen. Die Kreditabschlüsse liegen im Durchschnitt bei mehr als 23.000 pro Jahr. Neben den bewährten Finanzierungsquellen – Eltern, BAföG oder Nebenjob – kann sich der KfW-Studienkredit also behaupten.

Mussten Sie im Laufe der Zeit Anpassungen an Ihrem Programm vornehmen?

Die Bedürfnisse der Studierenden stehen bei uns im Vordergrund und deshalb passen wir uns an, wenn diese sich ändern. So haben wir 2013 das Programm auf postgraduale Studiengänge ausgeweitet, ganz im Sinne des lebenslangen Lernens. Der Studienkredit kann auch für ein zweites Studium beantragt werden – auch nach zwischenzeitlicher Erwerbstätigkeit.

Studierende im Hörsaal
Die KfW fördert

Seit der Einführung des Studienkredits hat die KfW mehr als 280.000 Studentinnen und Studenten unterstützt.

Normalerweise vergibt die KfW ihre Kredite nicht direkt, sondern über die Hausbank. Beim Studienkredit ist das anders…

Der Studienkredit ist da eine der wenigen Ausnahmen. Deshalb telefonieren unsere Mitarbeiter auch mal mit Müttern, Vätern, Omas und Opas. Ich persönlich habe wenig Kontakt zu den Studierenden, aber es dringen immer wieder lustige Anekdoten aus unserem Info-Center durch. Letztens hat mir eine Kollegin von einem Telefonat mit einer Studentin erzählt, die empört fragte: „Mit welchem Recht nehmen Sie sich heraus, bei mir einzuziehen?“ Wir wollten natürlich nicht der neue Mitbewohner der Studentin werden, sondern vielmehr die Tilgungsrate von ihrem Konto einziehen.

Und haben Sie den Eindruck, dass die Studenten verantwortungsvoll mit Geld umgehen?

Unsere Erfahrungen sind positiv. Den verantwortungsvollen Umgang können wir an zwei Dingen festmachen: Erstens könnten Studierende bis zu 650 Euro im Monat von uns bekommen. Der Durchschnitt liegt allerdings bei etwas mehr als 500 Euro. Dies zeigt, dass die Studierenden lediglich den Betrag in Anspruch nehmen, der ihnen zur Deckung ihrer Lebenshaltungskosten fehlt. Zweitens gewähren wir den Studierenden je nach Alter bis zu 14 geförderte Semester. Auch hier schöpfen viele Studierende nicht alles aus. Im Durchschnitt nehmen sie den Kredit lediglich vier bis fünf Semester lang.

Die KfW fördert

Der KfW-Studienkredit bietet Studierenden flexible Förderung.

Mehr erfahren

Wie gehen Sie mit säumigen Kunden um?

Nach der Auszahlungsphase gibt es eine Karenzphase, in der sich der Absolvent einen Job suchen kann. Sollte er danach seinen Studienkredit nicht zurückzahlen können, greifen übliche Mechanismen wie Mahnverfahren. Wir versuchen aber, auf die Umstände der Studienkreditnehmer einzugehen, und schließen unter anderem Rückzahlungsvereinbarungen ab. Aber auch der KfW-Studienkredit ist ein Kredit und es ist uns wichtig, dass Studierende ihn mit Bedacht nutzen. Sie sollen immer prüfen, ob es nicht auch andere Finanzierungsquellen gibt. Als eine Alternative zu einem Nebenjob, der inhaltlich nichts mit dem Studium zu tun hat, ist ein Studienkredit sicherlich sinnvoll.

Was könnte am Programm noch verbessert werden?

Wir müssen noch schneller auf Kundenbedürfnisse eingehen. Wir haben viele Ideen, wie der KfW-Studienkredit weiterentwickelt werden kann. Dazu gehört der Wunsch, dass die Anträge komplett digital eingereicht und abgewickelt werden können und dass die Förderung auch für Auslandssemester angeboten wird. Das passt auch zu der jungen Zielgruppe der Antragsteller, die digitalaffin und mobil ist. Aufgrund regulatorischer sowie rechtlicher Anforderungen und wegen der bestehenden IT-Systeme können diese Vorstellungen oft nur über einen längeren Zeitraum verwirklicht werden.

Auf KfW Stories veröffentlicht am: Dienstag, 29. Mai 2018