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Auf dem Weg zur digitalen Transformation

Wie weit ist die deutsche Wirtschaft in Sachen Digitalisierung vorangeschritten? Der Volkswirt Dr. Volker Zimmermann erklärt im Interview, welche Branchen Vorreiter sind und welche Motive die Firmen antreiben.

Zur Person
Volker Zimmermann

Dr. Volker Zimmermann ist Volkswirt und arbeitet seit 1999 in der KfW. Sein Arbeitsschwerpunkt liegt in der Untersuchung der Digitalisierungs- und Innovationsaktivitäten mittelständischer Unternehmen.

Die digitale Transformation ist seit Jahren ein Hauptschlagwort der wirtschaftspolitischen Diskussion. Wie weit ist die deutsche Wirtschaft denn in Sachen Digitalisierung vorangeschritten?

Dr. Volker Zimmermann: Die Digitalisierung in den deutschen Unternehmen nimmt jetzt Fahrt auf: Laut unserer aktuellen Unternehmensbefragung 2018, die die KfW gemeinsam mit Spitzenverbänden sowie Fach- und Regionalverbänden der deutschen Wirtschaft durchgeführt hat, planen mehr als die Hälfte der Firmen (53 Prozent), in den kommenden zwei Jahren Digitalisierungsmaßnahmen durchzuführen. In der Vorjahresbefragung lag dieser Anteil noch bei 42 Prozent. Dass die Zahl der Projekte und die Investitionen steigen, ist zunächst einmal eine gute Nachricht für den Standort Deutschland. Die Digitalisierung bietet die Möglichkeit, Wachstum und Produktivität zu steigern, und hilft dabei, die Wettbewerbsfähigkeit der hiesigen Wirtschaft auch in Zukunft sicherzustellen.

Können Sie digitale Vorreiter und Nachzügler ausmachen?

Wie stark Unternehmen in die Digitalisierung investieren, hängt sehr von ihrer Größe ab. Vorreiter sind große Unternehmen mit mehr als 50 Millionen Euro Jahresumsatz, von denen 87 Prozent Investitionen in die Digitalisierung fest eingeplant haben. Der entsprechende Anteil der kleinen Unternehmen bis eine Million Euro Jahresumsatz liegt bei 32 Prozent. Auch die Branche spielt eine Rolle: Nach Wirtschaftszweigen aufgeschlüsselt, sind Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes und des Groß- und Außenhandels mit 69 beziehungsweise 68 Prozent besonders aktiv. Eine geringere Rolle spielt die Digitalisierung für Bau (42 Prozent) und Einzelhandel (39 Prozent).

„Die Digitalisierung in den deutschen Unternehmen nimmt jetzt Fahrt auf.“

Dr. Volker Zimmermann, Volkswirt bei der KfW

KfW Research

Die Ergebnisse der "Unternehmensbefragung 2018 - Digitalisierung nimmt Fahrt auf" finden Sie bei KfW Research.

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Was geben die Unternehmen für die Digitalisierung im Schnitt aus – und wie stemmen sie die Finanzierungen?

Nur wenige Unternehmen finanzieren ihre Digitalisierungsprojekte über Kredite. Lediglich neun Prozent der Unternehmen, die Kreditverhandlungen führen, wollen damit Digitalisierungsvorhaben finanzieren. Ein Grund hierfür dürfte sein, dass Unternehmen bislang eher kleine Volumina für ihre Digitalisierungsprojekte ausgeben und die dafür erforderlichen Mittel aus internen Quellen decken können. Aus unserem Mittelstandspanel wissen wir, dass eine durchschnittliche Digitalisierungsinvestition eines mittelständischen Unternehmens nicht mehr als 18.000 Euro ausmacht. Je größer ein Unternehmen ist, umso höher liegen die Investitionssummen – und umso häufiger werden auch Kredite zur Finanzierung der Digitalisierungsvorhaben nachgefragt. Generell gestalten sich die Kreditverhandlungen für Digitalisierungsprojekte schwieriger als für Investitionen in materielle Vermögenswerte, zum Beispiel für Maschinen und Anlagen. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Digitalisierungsvorhaben weisen einen innovativen Charakter auf und sind zu großen Teilen Investitionen in Know-how. Externen Geldgebern fällt es schwer, die Erfolgsaussichten solcher Projekte zu beurteilen. Wegen des geringen Anteils an materiellen Investitionen ist auch die Verfügbarkeit von Sicherheiten aus dem Projekt heraus eingeschränkt. Das macht Kreditverhandlungen schwierig und verteuert die Finanzierungskosten.

Wissen Sie, was konkret die Firmen in Sachen Digitalisierung planen und welche Motive sie antreiben?

Viele Digitalisierungsprojekte zielen darauf ab, bestehende Prozesse zu verbessern oder effizienter zu machen. Häufig wird etwa in die Verknüpfung von IT-Systemen zwischen den Geschäftsbereichen (56 Prozent) oder in die Digitalisierung der Produktion (55 Prozent) investiert. Das alleine wird nicht reichen, um unsere Wirtschaft dauerhaft zukunftsfähig aufzustellen. Vielmehr gilt es, den Blick noch viel stärker auf die Chancen der Digitalisierung bei der Erschließung neuer Märkte durch veränderte oder neue Produkte, Dienstleistungen oder Geschäftsmodelle zu richten. Hier liegen die eigentlichen Herausforderungen für die Unternehmen. Bisher hat nur ein Drittel der Unternehmen das erkannt und Ansatzpunkte entwickelt, dies in Angriff zu nehmen.

Auf KfW Stories veröffentlicht am: Dienstag, 2. Oktober 2018