Die smarte Technik des Hörakustikunternehmens Auris
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Freundliche Übernahme

Die Hörakustik-Meisterinnen Claudia Brömel und Anja Fromm waren fast ihr ganzes Berufsleben bei Auris angestellt, Anfang 2016 haben sie das Unternehmen im Rahmen der Nachfolge übernommen. Sie versorgen bereits Säuglinge mit modernen Geräten und geben Erwachsenen mit Hörminderungen viel Lebensqualität zurück.

Die Gründerinnen des Hörakustikunternehmens Auris
Die Gründerinnen

Nach vielen Jahren als Angestellte sind Anja Fromm und Claudia Brömel nun Unternehmerinnen.

Im Lübecker Stadtteil St. Jürgen schließt Anja Fromm die Tür zum Hörakustikgeschäft Auris auf. Auch wenn sie das schon viele Jahre lang getan hat – seit 2016 ist etwas anders: „Als 15-jährige Auszubildende habe ich hier angefangen. Ich bin mit Auris groß geworden und wollte nie woanders arbeiten. Doch nachdem ich zusammen mit Claudia Brömel die Firma übernommen habe, sind wir beide mit noch mehr Engagement und Leidenschaft dabei“, sagt sie mit ihrem ansteckenden Lächeln.

Schon bald herrscht reger Betrieb in den lichten Räumen mit der offenen Werkstatt, den ausgestellten Modellen modernster Hörgeräte und der Spielecke für Kinder. Die Mitarbeiter treffen ein, die Auszubildenden erzählen von der Berufsschule. Zusammen gehen sie den Plan für den Tag durch. Fast alle Kunden bekommen bei Auris einen festen Termin.

Anja Fromm arbeitet hauptsächlich mit Erwachsenen, vor allem Kunden mit Tinnitus vertrauen ihr. Claudia Brömel ist als Pädakustikerin spezialisiert auf die Versorgung von hörgeschädigten Kindern. Auch als Geschäftsführerinnen ergänzen sich die beiden hervorragend, so ist Anja Fromm für die Abrechnungen und die Buchhaltung verantwortlich. Claudia Brömel ist für Messtechnik zuständig und führt die Gespräche mit den Lieferanten. Dennoch können sie sich gegenseitig vertreten und das Team überall einbinden.

Die Hörgeräte von Auris werden maßgeschneidert
Massgeschneidert

Kein Ohr ist gleich. Daher wird jedes Gerät individuell angepasst.

Die Verbundenheit der langjährigen Kolleginnen ist spürbar. Als der frühere Inhaber sich dem Rentenalter näherte, bekundete Claudia Brömel, die bereits seit zwanzig Jahren im Betrieb war, Interesse an der Übernahme. Ihr Chef freute sich darüber, denn an einen Großfilialisten wollte er das erfolgreiche Unternehmen ungern abgeben.

Doch die Entscheidung brauchte noch einige Zeit, um zu reifen. Claudia Brömel machte sich Sorgen wegen der hohen finanziellen Belastung, auch war es ihr wichtig, weiterhin genug Freizeit zu haben. Bei einem Glas Wein sprach sie mit Anja Fromm darüber, und am Ende des Abends stand fest: sie machen es gemeinsam! Nachdem alle Modalitäten der Übernahme verhandelt waren, begann die Suche nach der passenden Finanzierung. Die Hausbank bestand auf einem Businessplan. Die beiden Frauen aber wollten nicht die Zukunft kalkulieren, sondern verwiesen auf die Erfolge des seit 1994 bestehenden Geschäfts, das sie mit aufgebaut hatten. Das überzeugte, und im Januar 2016 war es soweit: Der Eigentümer ging in den Ruhestand, und aus den Angestellten wurden Gründerinnen.

„Der Wandel fiel uns gar nicht so schwer, weil wir vorher schon sehr selbstständig gearbeitet haben. Aber das Wissen, für das eigene Unternehmen zu arbeiten, hat etwas verändert. Ich bin sehr stolz und zufrieden“, sagt Claudia Brömel.

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Bei kleinen Kundinnen wird die Hörleistung bei Auris spielerisch gemessen
Hörtest

Spielerisch wird die Hörleistung der Kleinsten gemessen.

Ihre erste Stammkundin für heute kommt auf dem Arm der Mutter herein. Herzlich begrüßt sie die elf Monate alte Lotta. Im Neugeborenen-Hörscreening wurde eine Störung im linken Ohr festgestellt, und schon kurze Zeit danach bekam sie ein Hörgerät. Ohne eine solche Unterstützung können Kinder nur schwer sprechen lernen. Das Gerät wird individuell angefertigt. Damit es optimal sitzt, wird in regelmäßigen Abständen ein Abdruck des Ohrs genommen. Die Hörleistung überprüft Claudia Brömel in einem eigens dafür eingerichteten Raum. Das kleine Mädchen sitzt zwischen zwei schwarzen Boxen. In ihnen ist ein Teddy versteckt, der sich bewegt, sobald ein Geräusch aus der Box ertönt. Claudia Brömel lenkt Lotta mit einem Spielzeug ab, zugleich spielt sie immer leiser werdende Frequenzen ab. Bei jedem für sie hörbaren Ton dreht sich Lotta zum Teddy und zeigt staunend darauf. So kann die Hörleistung sehr genau gemessen und das Hörgerät entsprechend programmiert werden.

„Die Arbeit mit Kindern erfordert sehr viel Zeit und Geduld. Doch ihre Dankbarkeit bewegt mich immer wieder aufs Neue. Sie gehen mit leuchtenden Augen nach Hause und sind sehr stolz auf ihr Hörgerät“, sagt Claudia Brömel.

KfW Research

Bis zum Jahr 2022 planen mehr als 500.000 Inhaber von kleinen und mittleren Unternehmen ihren Betrieb abzugeben. Laut KfW-Mittelstandspanel mangelt es oft an einem Nachfolger.

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Anja Fromm erklärt ihrer Kundin heute die Funktionen des neuen Hörgeräts. Es ist mit einer Smartphone-App verknüpft. So kann es den Lautsprecher sehr genau aussteuern oder bestimmte Geräusche wie das Rauschen des Windes unterdrücken. „Die Kombination aus ausgefeilter Technik, Programmierung und individueller Anpassung der Geräte macht unseren Beruf so spannend. Doch trotz des riesigen technischen Fortschritts auf dem Gebiet brauchen wir vor allem Einfühlungsvermögen. Hörgeräte werden von vielen Kunden zunächst abgelehnt. Senioren kommen häufig erst, wenn sie Gesprächen nicht mehr folgen können oder Situationen mit lebendiger Geräuschkulisse meiden. Eine behutsame Annäherung und ein Hörtraining holt sie jedoch zurück ins soziale Miteinander. Nach ein paar Monaten erzählen sie dann begeistert von ihrem letzten Theaterbesuch oder den Treffen mit ihren Enkelkindern, die sie nun viel besser verstehen. Und dann kann ich mich mit ihnen freuen“, erzählt sie.

Wir fördern

Für die Zukunft eines Unternehmens ist es besonders wichtig, die Nachfolge gut vorzubereiten. Dabei unterstützt die KfW den Mittelstand mit verschiedenen Förderkrediten.

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Es ist Mittagszeit in Lübeck, der Laden wird für eine Stunde geschlossen. Die Pause verbringen meist alle gemeinsam in der kleinen Wohnung im Hinterhaus. Hier hat ein Mitarbeiter bereits für alle gekocht und den Tisch gedeckt. Diese Tradition hat ihr früherer Chef vor vielen Jahren eingeführt, und die beiden Gründerinnen haben sie gern beibehalten. Sie sind überzeugt, dass die familiäre Atmosphäre und die große Wertschätzung untereinander Auris zu etwas ganz Besonderem gemacht hat. Und genau das möchten sie noch sehr lange fortführen.

Auf KfW Stories veröffentlicht am: Mittwoch, 14. Februar 2018