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Innovation

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Kapital für die Zukunft

Der Venture-Capital-Fonds ETF Partners unterstützt junge Technologie-Start-ups in Deutschland und Europa. Diese Firmen haben eines gemeinsam: Ihre Innovationen sollen der Welt nachhaltigen Wohlstand bringen.

Eigentlich hätten Tomer Strikovsky und Patrick Sheehan heute einen Geschäftstermin in Hamburg gehabt: Strategiegespräch bei der Tomorrow GmbH – einer grünen Bank, die ins Smartphone passt. Das Coronavirus macht ihnen einen Strich durch die Rechnung. Statt im Flugzeug sitzen die beiden nun in ihrem Büro von ETF Partners in London und schwärmen von dem norddeutschen FinTech-Start-up, das seit Kurzem zum Portfolio des Risikokapitalfonds gehört. Als erste nachhaltige mobile Bank ist Tomorrow das ideale Investment für die Briten: smart, grün, nach vorn gerichtet – und mit großen Wachstumschancen. „Wir sind auf der Suche nach Unternehmen, deren Innovationen das Potenzial haben, in der Welt wirklich etwas zu verändern“, sagt Tomer Strikovsky, Investment-Manager bei ETF Partners.

Genau das will die Smartphone-Bank Tomorrow. Anfang 2018 von Inas Nureldin, Michael Schweikart und Jakob Berndt gegründet, ermöglicht sie ihren Kunden, Bankgeschäfte vom Smartphone aus zu erledigen und dabei konsequent dem Klima zu helfen. Beispielsweise fließen die Kundeneinlagen in Klimaschutzprojekte – ebenso wie die Transaktionsgebühr, die Händler abführen, wenn ein Kunde per Kreditkarte zahlt. Ein Premium-Girokonto ermöglicht sogar den Ausgleich des jährlichen CO₂-Fußabdrucks. Grüner kann’s kaum werden – aber größer! Geplant ist, mit Tomorrow eine digitale Plattform für alle Bereiche des Finanzwesens zu schaffen und zur führenden Nachhaltigkeitsbank zu werden, in Deutschland und in anderen europäischen Ländern. Das erfordert Investitionen, Risikobereitschaft und vor allem unternehmerisches Know-how. „Smart Money“ eben – und genau das bringen ETF Partners mit.

Tomer Strikovsky

„Wir konzentrieren uns seit über einem Jahrzehnt auf nachhaltige Technologiefirmen, lange bevor es in Mode kam", sagt Tomer Strikowsky, Investment-Manager bei ETF Partners.

ETF-Experten unterstützen Entrepreneure

„Wir arbeiten mit Entrepreneuren zusammen und versuchen, die Firmen in die bestmögliche Richtung zu entwickeln“, sagt Tomer Strikovsky. Und Patrick Sheehan, Gründer und Partner des VC-Fonds, ergänzt: „Wir mischen uns nicht ins Management der Start-ups ein, sondern kooperieren, um sie bei der Verwirklichung ihrer ambitionierten Pläne zu unterstützen.“ Denn schnell expandierende Unternehmen stehen vor einer Vielzahl von Herausforderungen. Und obwohl die Reise jedes Betriebs einzigartig ist: Die Probleme und Chancen, denen sie begegnen, sind ähnlich. Die ETF-Experten kennen sie alle.

„Unsere Erfahrung deckt viele Bereiche ab, von Finanzen über Strategie bis Networking“, sagt Strikovsky. Lassen sich diese Erfahrungen denn auch branchenübergreifend nutzen? Tomorrow ist schließlich die erste Smart Bank im Portfolio. „Es stimmt, die Bandbreite an Branchen ist bei uns groß“, bestätigt Patrick Sheehan. „Wir arbeiten jedoch immer an der Schnittstelle zwischen Technologien und der echten Welt: Das Thema ist jedes Mal, wie innovative Technologien den Alltag erobern und dort nachhaltig wirken. Der Bankensektor etwa verändert sich gerade rasant. Früher hätte ich vielleicht gesagt: Die Branche ist zu kompliziert, um Start-ups anzusprechen. Aber inzwischen sehen wir, dass mehr und mehr Tech-Firmen in den Banking-Sektor drängen. Auch Tomorrow ist im Herzen eine Softwarefirma, und wir sind gut an wachstumsstarke Softwarefirmen gewöhnt.“ Tatsächlich ist Tomorrow keine Bank im engeren Sinne, nutzt aber die Banking-Infrastruktur und die Vollbanklizenz der Berliner solarisBank. Die Kooperation mit diesem Finanzdienstleister versetzt FinTechs wie Tomorrow in die Lage, ihren Kunden Girokonten und alle anderen Bankdienstleistungen anbieten zu können und auch eigene Finanzprodukte entwickeln zu dürfen, ohne bei der Finanzaufsichtsbehörde BaFin selbst eine Banklizenz beantragen zu müssen.

„Wir arbeiten immer an der Schnittstelle zwischen Technologien und der echten Welt.“

Patrick Sheehan, Gründer und Partner des VC-Fonds ETF Partners

Patrick Sheehan

„Was viele Menschen in Deutschland und Europa wirklich wollen: Bankdienstleistungen, die für einen grünen und nachhaltigen Lebensstil geeignet sind“, sagt Patrick Sheehan, Gründer und Partner des VC-Fonds ETF Partners.

Start-ups mit Klimarelevanz im Portfolio

Smart Banking, Smart Energy, Smart Industry: Derzeit investieren ETF Partners in 21 Unternehmen, über Branchen- und Ländergrenzen hinweg. Neben Tomorrow ist etwa das Start-up Phenix aus Frankreich dabei, das eine App gegen Lebensmittelverschwendung entwickelt hat. Oder das Schweizer Unternehmen Flyability, dessen kollisionstolerante Flugroboter bei gefährlichen Indoor-Missionen eingesetzt werden können. Oder die Berliner Umzugsplattform Movinga, die über einen Algorithmus die Liefertouren effizienter gestaltet. Oder das britische Start-up Perpetuum, das die Vibrationsenergie von Zügen wiederverwendet. Allen ist eines gemeinsam: Sie tragen die Klimarelevanz in ihrer DNA.

Wie kommt man als Investor mit solchen Unternehmen zusammen? „Wir konzentrieren uns seit über einem Jahrzehnt auf nachhaltige Technologiefirmen, lange bevor es in Mode kam. So konnten wir ein eingespieltes Netzwerk von Kontakten aufbauen, das uns und Unternehmen hilft, einander zu finden“, sagt Tomer Strikovsky. „Wir sprechen täglich mit vielen großartigen Unternehmern – selbst wenn sie noch nicht im Fundraising-Modus sind. Denn unsere Erfahrung ist: Kennt man sich schon, fallen offene Gespräche später viel leichter, und wir können schneller handeln, wenn das Fundraising beginnt.“

Als ETF Partners 2006 gegründet wurden, galten nachhaltige Anlagen in der Branche als Exoten – ganz nett, aber nicht zwingend. Spätestens 2019 ist das Thema Nachhaltigkeit in der Mitte der Gesellschaft und auch bei den Anlegern angekommen. Environmental, Social und Governance ist der Dreiklang, der gerade verzaubert, abgekürzt: ESG. „Bei Investoren ist das gerade ein großes Thema“, bestätigt Tomer Strikovsky. „Darüber freuen wir uns natürlich. Allerdings geht es bei ESG vor allem darum, den vorhandenen CO₂-Fußabdruck von etablierten, traditionellen Unternehmen zu messen und zu verbessern. Über diese Einhaltung des guten Verhaltens hinaus konzentrieren wir uns auf Innovationen, die die Dinge grundsätzlich verändern. Wir unterstützen neue Ansätze, von denen wir glauben, dass sie große Unterschiede herbeiführen können und nicht nur von den positiven Veränderungen profitieren, die ohnehin stattgefunden hätten. Deshalb sind wir von Tomorrow so begeistert.“ Dieser Einsatz wird anerkannt: 2019 gewann der VC-Fonds zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren den britischen BVCA Responsible Investment Award.

„ETF hilft uns bei unserem Ziel, nachhaltiges Banking zu den Massen zu bringen.“

Michael Schweikart, Geschäftsführer Tomorrow GmbH

Venture Capital

Von Venture Capital wird gesprochen, wenn Investoren sich an jungen Unternehmen beteiligen, die sich noch nicht am Markt etabliert haben, aber vielversprechend sind. Der Investor unterstützt die Gründer mit Beteiligungskapital in der Hoffnung auf eine hohe Rendite. Da eine positive Entwicklung eines so jungen Unternehmens jedoch alles andere als sicher ist, muss immer auch mit einem Totalverlust gerechnet werden. Mit gutem Grund wird daher von Wagniskapitalfinanzierungen gesprochen. Mit einer Investition in einen Venture-Capital-Fonds, der sich nicht nur an einem, sondern an mehreren junge Unternehmen beteiligt, lässt sich das Risiko immerhin streuen.

Unternehmerischer Erfolg im Blick

Natürlich ist auch unternehmerischer Erfolg das Ziel. So geht es ETF Partners darum, den Wert eines Unternehmens im Laufe der Jahre immer weiter zu steigern. Im Idealfall wird es irgendwann von Interessenten erworben. Ein anderes typisches Szenario ist der Börsengang, nachdem sich die Firma zu einer starken Marke entwickeln konnte. Dann zahlt sich der langjährige Einsatz auch finanziell aus – für ETF Partners und für Investoren wie KfW Capital, mit deren Mitteln der VC-Fonds arbeitet. Dr. Jörg Goschin, Geschäftsführer von KfW Capital, sagt: „ETF ist ein äußerst spannender VC-Fonds, denn sein Fokus liegt auf Beteiligungen an innovativen Unternehmen, die nachhaltige Geschäftsmodelle verfolgen. Er ist besonders aktiv in Deutschland, wird hoch professionell gemanagt, und das Team verfügt über einen attraktiven Track Record: All das hat zu unserer positiven Investmententscheidung geführt.“

Michael Schweikart, Geschäftsführer der Tomorrow GmbH, ist auf ganzer Linie froh über die Beteiligung des britischen VC-Fonds. „ETF hilft uns bei unserem Ziel, nachhaltiges Banking zu den Massen zu bringen“, sagt er. „Zum einen durch die Investitionen. Aber auch durch interessante Kontakte und durch all das Wissen, das sie durch ihre Portfoliounternehmen und ihre Historie gesammelt haben. Zu allen strategischen Fragen tauschen wir uns aus.“

Bisher haben ETF Partners fast vier Millionen Euro in die Hamburger Smartphone-Bank Tomorrow investiert, mit wachsendem Geschäft wird es mehr werden. „Die Firma hat enorm viel Potenzial“, erklärt Patrick Sheehan. „Tomorrow wächst schnell, weil es das bietet, was viele Menschen in Deutschland und Europa wirklich wollen: Bankdienstleistungen, die für einen grünen und nachhaltigen Lebensstil geeignet sind.“ Um gemeinsam eine Strategie für das weitere Wachstum zu erarbeiten, findet anstelle des geplatzten Meetings nun eine Videokonferenz statt.

Auf KfW Stories veröffentlicht am 23. September 2020.