App von Clark zeigt auf, wo Versicherungs-Optimierungsbedarf besteht
Innovation

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Digitale Versicherer

Das Unternehmen Clark analyisiert Versicherungsdaten der Kunden und vergleicht sie mit Angeboten anderer Versicherungen. Die InsurTech-Firma setzt dabei unter anderem auf eine App, die junge Menschen für das Thema Versicherungen begeistern soll.

Zu den Personen
Die Gründer von Clark

Marco Adelt, Chris Lodde, Steffen Glomb und Christopher Oster (von links nach rechts) gründeten 2015 das Unternehmen Clark.

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In modernen, jungen Unternehmen des Jahres 2017 ist das Herzstück meist digital; so auch bei Clark, einem digitalen Versicherungsmakler. Dessen „Robo-Advisor“ kann sämtliche Versicherungsdaten eines Kunden analysieren und mit Angeboten anderer Versicherungen vergleichen. Und das innerhalb von zwei Minuten. Entwickelt haben das System die rund 40 Mitarbeiter um den CEO und Co-Founder Christopher Oster und seine drei Gründungskollegen Marco Adelt, Steffen Glomb und Chris Lodde.

Mithilfe von Algorithmen erhält der Kunde eine verlässliche Aussage zu seiner Versicherungssituation: Sind alle einzelnen Verträge und Policen gut aufeinander abgestimmt? Sind alle gängigen Risiken abgedeckt? Wie ist das Preis-Leistungs-Verhältnis, gibt es günstigere Angebote? Ist die Versicherungssituation zu komplex, hilft ein Spezialist aus Fleisch und Blut dem digitalen „Kollegen“.

Für den Kunden ist der Service kostenlos, er muss Alternativangebote nicht annehmen, denn Clark verdient nicht nur an neu abgeschlossenen Verträgen, sondern erhält auch Bestandsprovisionen. Nach Angaben des Unternehmens liegt die Zahl der Kunden, die die Dienstleistung an ihrem Smartphone bereits nutzt, im mittleren fünfstelligen Bereich.

Mitarbeiter von Clark Versicherungsmanager
Optimierer

Über das Portal von Clark kann man seine Versicherungen von KfZ bis Privathaftpflicht im Blick behalten und papierlos managen. Die Mitarbeiter des Unternehmens optimieren das Produkt ständig.

Das InsurTech-Unternehmen hat seinen Sitz in der Frankfurter Innenstadt. Die Mitarbeiter arbeiten in der 3. Etage eines schmucklosen Bürogebäudes in einem Großraumbüro: Tisch an Tisch, viele Rechner, karge Wände mit bunten Post-its, auf denen Ideen, Strategien, Termine notiert sind. Jeden Morgen trifft sich das Team. Und jeder berichtet kurz über das, woran er gerade arbeitet. Die Tage am jetzigen Standort sind aber gezählt: „Die Planungen für einen Umzug laufen“, sagt CEO Christopher Oster. Die Qualifikation des jungen, internationalen Teams ergibt sich aus dem digitalen Geschäftsmodell: Viele Mitarbeiter sind Softwareentwickler, andere Versicherungskaufleute und Marketingexperten. Ein wesentlicher Teil ihrer Arbeit besteht in der Weiterentwicklung des „Robo-Advisors“: kontinuierlich wird er weiter programmiert und mit Daten von Kunden und Versicherungen „gefüttert“.

Versicherungen haben längst erkannt, dass Anbieter wie Clark, die es in der analogen Welt nicht gab, interessante Wege zu neuen Kunden bieten: Insbesondere junge Menschen, so berichtet Christopher Oster, haben die Clark-App bisher installiert. Sie sind längst gewohnt, ihre Freundschaften, Bankgeschäfte, Ferien mithilfe ihres Smartphones zu organisieren. Warum also nicht auch Versicherungen? Auf dem Sofa oder im Café scheint das etwas schwerfällige Thema für viele an Gewicht zu verlieren. Derzeit arbeitet Clark mit rund 160 Versicherungen zusammen. „Nächstes Jahr“, sagt der Jungunternehmer, „wollen wir ins Ausland expandieren, wahrscheinlich nach Westeuropa.“

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Zwei Jahre nach Gründung des Unternehmens durch Christopher Oster und Steffen Glomb, Marco Adelt und Chris Lodde steht Clark – fast prototypisch – für ein schnell wachsendes, digitales Unternehmen, das zur richtigen Zeit an den Start ging: Die technischen Möglichkeiten der Digitalisierung sind vorangeschritten, bieten aber gleichzeitig noch enorme Entwicklungsmöglichkeiten.

Jeder fünfte Unternehmensstarter in Deutschland bezeichnet sich als „digitaler Gründer“. Auch die Finanzierungsmöglichkeiten für die erforderlichen Investitionen haben sich für Gründer und Unternehmer deutlich verbessert – zuletzt durch das neue KfW-Digitalisierungsprogramm, das auf die speziellen Bedürfnisse dieser Gruppe reagiert: die Unternehmen benötigen in der Regel keine Anlagen oder materielle Güter, sondern müssen Entwicklungs- und Programmierungskosten finanzieren.

KfW Capital übernimmt

Clark hat einen Investor gesucht und coparion gefunden. Coparion ist im Jahr 2016 gemeinsam von der KfW und dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gegründet worden, um junge Wachstumsunternehmen zusammen mit privaten Investoren beim Start zu unterstützen. Der Fonds verfügt über ein Volumen von 225 Millionen Euro. Mit dem Beginn seines operativen Geschäfts hat das neue KfW-Tochterunternehmen KfW Capital die Anteile des Mutterhauses an coparion und weiteren Beteiligungen übernommen.

Im Fall von Clark stand zu Beginn der unbedingte Wille von Christopher Oster, sich selbständig zu machen. Nach seiner Promotion bei einer Unternehmensberatung den Karriereweg einzuschlagen, war keine Option für ihn. Nach ausgiebiger Recherche konkretisierte sich schließlich eine Geschäftsidee; die passenden Vorstandskollegen wählte er danach aus: „Der Versicherungsmarkt in Deutschland ist von der Digitalisierung noch weitgehend unberührt. 95 Prozent des Marktes findet offline statt. Hier lag und liegt unsere Chance“, sagt Christopher Oster. Dann ging es um das Suchen und Finden geeigneter Geldgeber. Eine erste Anschubfinanzierung gab es von Finleap, einem Berliner Unternehmen, das Fintechs oder eben auch InsurTech-Unternehmen bei der Gründung unterstützt.

In der zweiten Finanzierungsrunde, 2016, stieß Clark auf den Fonds coparion, der vom Bundeswirtschaftsministerium und der KfW in jenem Jahr aufgelegt wurde, um jungen Wachstumsunternehmen in Deutschland finanziell auf die Beine zu helfen. Der Fonds ist seitdem mit einem siebenstelligen Betrag in Clark investiert als Teil eines größeren Konsortiums, das bisher insgesamt 13 Millionen Euro in das Unternehmen gesteckt hat. Coparion-Geschäftsführer Christian Stein steht im regelmäßigen Austausch mit Christopher Oster und dessen Kollegen. „Wir sind von der Geschäftsidee, aber auch von den Unternehmerpersönlichkeiten überzeugt“, sagt Stein.

Die solide finanzielle Ausstattung gepaart mit Mut, Risikobereitschaft, strategischem Weitblick hat bei Clark bisher dazu geführt, dass sich die Geschäftsidee rasant entwickeln konnte. Weiteres Wachstum ist anvisiert: „Nur ein Drittel aller Deutschen ist mit ihrer Versicherungssituation zufrieden“, sagt Oster. Werbung im TV und in Zeitschriften soll für Aufmerksamkeit sorgen, damit immer mehr Menschen die App von Clark kennenlernen. Clark ist auch am Projekt „Vorsorge-Cockpit“ in Zusammenarbeit mit der Goethe-Universität in Frankfurt, der Deutschen Bank und der Commerzbank beteiligt: Die Anwendung führt private, betriebliche und gesetzliche Altersvorsorge zusammen und kann die voraussichtlichen Ansprüche berechnen. Neues „Futter“ für den „Robo-Advisor“.

Auf KfW Stories veröffentlicht am: Mittwoch, 23. August 2017

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