Fünf Personen sitzen an einem Konferenztisch mit Laptops und Wasserflaschen, auf einem Bildschirm ist eine Videokonferenz mit zwei Teilnehmern zu sehen.
KfW Capital

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Kapital und Innovation bündeln für die „Digitale Unabhängigkeit“

Diese Empfehlung war sehr hilfreich: Wegen Phishing-Kampagnen, die gezielt Messenger-Dienste und Politiker ins Visier nehmen, hatte sich Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) im Frühjahr in einem dringenden Appell an die Mitglieder des Parlaments gewandt. Dabei legte sie den Abgeordneten die Nutzung des Dienstes Wire ans Herz. Für das junge Technologieunternehmen Wire brachte der Aufruf einen echten Nachfrageschub und auch das Medienecho war gewaltig.

Der digitale Arbeitsbereich von Wire im Überblick
Der digitale Arbeitsbereich von Wire im Überblick

Ermöglicht eine unabhängige, sichere Kommunikation im privaten sowie öffentlichen Umfeld – als Alternative zu kommerziellen Plattformen.

„Die Empfehlung von Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, den Messenger Dienst von Wire zu nutzen, hat uns noch mehr Aufmerksamkeit in der Politik verschafft. Wir waren schon im Bundestag bekannt, haben aber jetzt noch mehr Kontakte unter den Abgeordneten. Die Bundestagsverwaltung stellt Wire aktiv zur Verfügung, um eine Alternative zu kommerziellen Plattformen wie WhatsApp oder Signal zu etablieren“, sagt Benjamin Schilz, der Chief Executive Officer (CEO) von Wire. Das Unternehmen profitiert von der hohen Nachfrage nach sicherer Kommunikation im privaten und öffentlichen Sektor.

Benjamin Schilz, Chief Executive Officer von Wire
Benjamin Schilz

Chief Executive Officer von Wire

Wire ist ein Beispiel dafür, dass DeepTech „Made in Germany“ funktionieren kann und auch die notwendige Finanzierung aufgebracht wird, damit das Unternehmen wachsen kann. „Die Diskussion um eine größere digitale Souveränität und Unabhängigkeit in der Cyber-Sicherheit hilft uns nicht nur in Deutschland oder Europa. Auch Organisationen und Konzerne im Nahen Osten wollen unabhängiger werden von den dominierenden Tech-Unternehmen aus den USA“, sagt Schilz.

Um diese Unabhängigkeit zu erreichen, muss Wachstumskapital eine viel größere Rolle spielen. Während die USA jährlich 0,8 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Venture und Growth allokieren, liegt die Quote in Deutschland nur bei 0,15 Prozent. Dadurch entsteht eine Finanzierungslücke von jährlich 30 Milliarden Euro, hat das „German Venture and Growth Forum“ 2026 in ihrem „Playbook“ veröffentlicht.

Europäische Lösungen sind machbar und finanzierbar

Diana Meyel, Managing Partner bei Cipio Partners
Diana Meyel

Managing Partner bei Cipio Partners

Entscheidend für den Erfolg von Wire ist die finanzielle Unterstützung durch Cipio Partners. Der Investor stellt Wachstumskapital zur Verfügung und war bei den jüngsten Finanzierungsrunden maßgeblich beteiligt. „Wir kommen häufig als letzter Minderheits-Finanz-Investor an Bord, um dann die Firmen in die Gewinnzone und zum Exit zu begleiten. Das ist eine Nische, in der viel Wachstumskapital gebraucht wird und es immer noch einen großen Mangel an Wachstumskapital gibt“, sagt Diana Meyel, Managing Partner bei Cipio Partners. Die Investments umfassten in der Regel Eigenkapital zwischen fünf und 15 Millionen Euro. Der Trend gehe aber in Richtung größerer Tickets. Cipio setze da an, wo der Proof of Concept – also der Machbarkeitsnachweis - schon da ist. „Wir steigen ein, wenn das Technologierisiko nicht mehr vorhanden ist und es um echte Skalierbarkeit geht“, erläutert Meyel. Man suche Firmen die mit 30 bis 60 Prozent wachsen, nicht unbedingt mit 100 Prozent. Und die Unternehmen könnten auch mal eine Konsolidierungsphase durchgemacht haben, wo sie vielleicht gar kein Wachstum hatten. Gesucht seien Firmen, die im B2B-Bereich operieren und eine Lernkurve vorweisen könnten.

Portrait vom Vorsitzenden der Geschäftsführung von KfW Capital Dr. Jörg Goschin
Dr. Jörg Goschin

Vorsitzender der Geschäftsführung von KfW Capital

Cipio selbst wurde durch ein Investment von KfW Capital der Rücken gestärkt. „Mit unserer Beteiligung an Cipio Partners stärken wir gezielt das Wachstum innovativer Technologieunternehmen in Europa. Besonders im Bereich Tech-Security sehen wir einen entscheidenden Hebel für die digitale Souveränität und Wettbewerbsfähigkeit unseres Wirtschaftsraums: Sicherheitslösungen, die Daten, Infrastruktur und Geschäftsprozesse schützen, sind die Grundlage für Vertrauen in die Digitalisierung.

Ein Beispiel dafür ist das Portfoliounternehmen Wire, das sichere Kommunikation für Unternehmen und Organisationen ermöglicht. Wire zeigt, wie moderne Tech-Security ‘Made in Europe‘ sensible Informationen schützt und digitale Zusammenarbeit widerstandsfähiger macht. Indem wir über Cipio Partners in führende Tech-Security-Unternehmen wie Wire investieren, unterstützen wir nicht nur technologische Exzellenz, sondern leisten auch einen Beitrag dazu, dass digitale Innovation sicher, resilient und langfristig tragfähig gestaltet wird“, sagt Dr. Jörg Goschin, Vorsitzender der Geschäftsführung von KfW Capital.

Wire will unabhängig bleiben

Sicheres Online-Meeting mit Wire
Sicheres Online-Meeting mit Wire

Unterstützt die wachsende Nachfrage nach geschützter Kommunikation und stärkt die digitale Souveränität.

Heute beschäftigt das Tech-Unternehmen Wire 140 Mitarbeiter – überwiegend in Deutschland. 2025 hat Wire seinen Umsatz verdoppelt, Ende 2027 soll laut Schilz die Gewinnschwelle überschritten werden. Aktuell steht die Internationalisierung im Fokus. „Wir sehen in Europa beispielsweise starkes Wachstum in Frankreich und Großbritannien, aber auch in den USA - das würde man vielleicht zunächst gar nicht so glauben. Auch Asien und der Nahe Osten sind Wachstumsfelder“, erläutert Schilz.

Zum Geschäftsmodell gehört auch, dass die Geldgeber für das Wachstum zu 95 Prozent aus Europa kommen, und das soll auch laut Schilz so bleiben. Zuletzt gab es laut TechCrunch eine C-Finanzierungsrunde über 24 Millionen Euro, bewertungsseitig wird man laut Schilz vielleicht in zwei, drei Jahren ein Einhorn sein. Unicorns sind junge Firmen, deren Bewertung mindestens eine Milliarde Euro ausmacht. Das Wire-Management hat schön öfters Kaufangebote bekommen, will aber unabhängig bleiben. Ein Börsengang könnte in vielleicht drei Jahren eine Option sein.

KfW Capital

investiert in deutsche und europäische Venture Capital-Fonds, die sich an Unternehmen in der Wachstumsphase in Deutschland beteiligen und so deren Kapitalbasis stärken.

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„Bei Wire hat uns die Reife des Produkts und der Technologie überzeugt. Salopp gesagt, das funktioniert, das läuft und es gibt Kunden. Und wenn man auch noch den Staat als Kunden gewinnen kann, dann macht man ja offenbar etwas richtig“, sagt Meyel von Cipio Partners. Der Wachstumsfinanzierer ist 2022 eingestiegen, Wire sei ein „Conviction Investment“ gewesen. Man habe aber nicht ahnen können, dass das Thema „Digitale Souveränität“ einmal so wichtig werden würde. Cipio begleitet die Beteiligungen aktiv. Was heißt das? „Nun, das Gründungsteam ist wichtig, um eine Firma vielleicht in die Region von zehn Millionen Euro Umsatz zu führen. Aber um dann von zehn Millionen auf 100 Millionen zu kommen, brauchst du ganz andere Skills. Da geht es um Prozesse, Hierarchien und eine Organisation. Man muss versuchen, die Gründer an Bord zu behalten und gleichzeitig externes Management anzuwerben. Das ist uns bei Wire gelungen“, so Meyel.

Zertifizierungen bringen Wettbewerbsvorteil

Angst vor Konkurrenten aus den USA oder dem Vormarsch der Künstlichen Intelligenz (KI) hat Wire-Chef Schilz nicht. „KI-Unternehmen können vielleicht einen Messenger in wenigen Wochen herstellen. Aber das Entscheidende sind Zertifizierungen. Diese Prozesse dauern Jahre und deshalb fühlen wir uns im Vorsprung“, sagt Top-Manager Schilz. „Die BSI-Zertifizierung ist sehr wichtig, und kommt der Sicherheitseinstufung ‚Nato Confidential‘ sehr nahe, die für nächstes Jahr geplant ist. Das war ein jahrelanger Prozess und das ist ein wichtiger Vorsprung vor den Wettbewerbern“, ergänzt Cipio-Managerin Meyel. „Meine Motivation ist es, ein europäisches Tech-Unternehmen mit einem coolen Produkt nach vorne zu bringen“, sagt Schilz. Europa sei ein attraktiver Markt, auch wenn er fragmentiert ist in 27 Sprachen und Regulierungsbehörden. Die größte Herausforderung in den nächsten zwölf Monaten sei Tempo zu machen bei der Internationalisierung. Das sei ein harter Job, schließlich müsse man jeweils die lokalen Märkte und deren Regulierung verstehen. CEO Schilz weiß: „Vor uns liegen ‚busy days‘, so viel ist klar.“

Auf KfW Stories veröffentlicht am 4. August 2026.