Laptop und Smartphone mit geöffneter Rebuy-Webseite
Gründen

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"Wir sind ständig auf der Suche nach Ware"

Rebuy-Geschäftsführer Philipp Gattner über gewissenhaft geprüfte Handys, die große Bedeutung von Nachhaltigkeit und die Bedürfnisse der Kunden.

Portrait von Rebuy Gründer Philip Gattner
Philipp Gattner

War vor seiner Zeit bei Rebuy sieben Jahre als Berater bei der Unternehmensberatung McKinsey tätig. Seit 2015 arbeitet Gattner bei der Firma, die er dann ab 2019 als CEO leitet.

Herr Gattner, mit einem geschätzten Umsatz von über 150 Millionen Euro ist Rebuy 17 Jahre nach seiner Gründung einer der größten Gebrauchthändler der Welt. Gibt es so etwas wie einen Gründungsmythos von Rebuy – wie sich die Gründer zusammenfanden und auf die Idee zu Rebuy kamen?

Philipp Gattner: Das Unternehmen wurde 2004 von den beiden Gründern Lawrence Leuschner und Marcus Börner ins Leben gerufen, damals noch unter dem Namen trade-a-game-GmbH. Zu der Zeit haben sich die beiden auf den Handel mit gebrauchten Computer- und Konsolenspielen konzentriert. Schon damals waren sie überzeugt, dass gute gebrauchte Produkte einen besseren Platz verdient haben als die heimische Schublade oder gar die Mülltonne. Inspiriert zu der Idee hat sie zudem Al Gores Film „ An inconvenient truth“, der sehr bildlich aufgezeigt hat, dass wir nicht ewig neue Produkte produzieren können – und Wege finden müssen, mit unseren Ressourcen verantwortungsvoll umzugehen. Mit ihrem Business Case waren sie einer der Pioniere auf dem Recommerce-Markt in Deutschland. Nachdem sich die Produktpalette schnell erweitert hat, ergab sich dann die Umbenennung unseres Unternehmens zu Rebuy.

Rebuy entstand aus einer WG im Berliner Stadtteil Kreuzberg heraus. Wohnen die Gründer immer noch zusammen?

Das Unternehmen Rebuy hat sich seit 2004 stetig weiterentwickelt. Seitdem hat sich natürlich auch einiges bei den Gründern getan. Mitgründer Lawrence Leuschner hat zum Beispiel in den vergangenen Jahren erfolgreich das Mobilitätsunternehmen TIER Mobility gegründet und trägt dadurch maßgeblich zur Mobilitätswende bei. Die damalige Gründer-WG gibt es daher so heute nicht mehr.

Hände nehmen Hülle von Smartphone über einem Tisch mit Äpfeln ab.
Smartphone-Hülle

Wie würden Sie in zwei Sätzen das Geschäftsmodell von Rebuy beschreiben?

Wir als Recommerce-Unternehmen sorgen dafür, dass gebrauchte Ware ein zweites Leben bekommt. Unsere Produktpalette reicht dabei von Smartphones, Laptops, Wearables bis hin zu Filmen, Büchern und Videospielen.

Das Herz Ihres Unternehmens ist der sogenannte Grading-Prozess. Was genau ist das?

Gerade bei den technischen Produkten ist es besonders wichtig, dass diese beim Ankauf einen von uns entwickelten Prozess durchlaufen, damit wir den Zustand des Produktes korrekt einschätzen können. Wir haben im Unternehmen Personen, die sich ausschließlich um die Bewertung der angekauften Secondhand-Ware kümmern. Außerdem arbeiten wir im Grading-Prozess zunehmend mit automatisierten Prozessen, die überall dort eingesetzt werden, wo uns Menschen Fehler unterlaufen. Bei gebrauchten Handys beispielsweise sind optische Gebrauchsspuren in nahezu unendlichen Kombinationen möglich. Dafür haben wir in diesem Jahr unser neues Grading-Center bei Berlin eröffnet, wo wir auf rund 2.800 Quadratmetern die Geräte automatisiert bewerten können. Unter anderem setzen wir Roboter ein, die über eine Förderstraße die Geräte entgegennehmen und innerhalb von drei Minuten 16 Tests an dem Gerät durchführen können. Damit sind wir europaweit der modernste Standort für Produktbeurteilungen.

In einer Produktionshalle hält ein Roboterarm ein Smartphone.
Beim Grading-Prozess wird der Zustand des Produkts automatisiert überprüft.

Wie sind Sie persönlich zu Rebuy gekommen?

Vor meiner Zeit bei Rebuywar ich sieben Jahre als Berater bei der Unternehmensberatung McKinsey tätig. Ich habe dort aufgehört, weil ich etwas Eigenes gründen wollte. Wichtig war es mir, mit einem Geschäftsmodell auf den Markt zu gehen, hinter dem ich voll und ganz stehen kann. Das hat für mich bedeutet, dass die Idee nicht nur wirtschaftlich sinnvoll und rentabel sein sollte, sondern außerdem einen positiven Impact mit sich bringt. Mir war klar, dass ich einen großen Teil meiner Zeit mit meinem Job verbringen werde. Daher war es für mich wichtig, dass eine gewisse Sinnhaftigkeit dabei vorhanden ist. In der Phase habe ich viele Ideen entwickelt, aber im Endeffekt auch wieder verworfen. In der gleichen Zeit habe ich Lawrence Leuschner kennengelernt, der mir dann angeboten hat, bei Rebuy anzufangen. Da der Job alle meine Kriterien erfüllte, habe ich zugesagt. Meine gemeinsame Reise mit Rebuy habe ich 2015 gestartet, damals als CSO des Unternehmens. Seit 2019 bin ich der CEO von Rebuy.

Was haben Sie bei Rebuy verändert?

In meinen Jahren habe ich verschiedene strategische Themen verantwortet. So habe ich unter anderem die Internationalisierung des Unternehmens vorangetrieben und die Expansion in neue Produktkategorien. Seit meiner Zeit als CEO bin ich dafür verantwortlich, dass Rebuy endlich auch profitabel gewachsen ist. Die Jahre davor lag der Fokus auf reinem Wachstum. Zudem habe ich auf den Weg gebracht, dass wir in unserem Segment die Qualitätsführerschaft für uns beanspruchen können. Das spiegelt sich auch in der 36-monatigen Garantie wieder, die wir auf unsere Elektronikgeräte geben. Wir sind außerdem in unserer Mitarbeiterschaft stark gewachsen und ich kann mit Stolz behaupten, dass wir ein erfahrenes und sympathisches Team haben aufbauen können. Wichtig war es mir auch, weitere Anstrengungen in puncto Nachhaltigkeit zu machen. So haben wir dafür gesorgt, dass wir seit 2020 klimaneutral arbeiten.

Steckbrief

Firmensitz Berlin
Gründungsjahr 2004
Gründer Lawrence Leuschner, Marcus Börner
Führungsteam Dr. Philipp Gattner (CEO), Daniel Freudenberger (CTO), Marcel Erian (CFO/COO), Andy Wilson (CMO), Philipp Singer (CCO)
Anzahl der Mitarbeiter 550
Umsatz 2020 >150 Mio. EUR
Investment KfW über den ERP-Startfonds 4,55 % Firmenanteile

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Sie sind kontinuierlich gewachsen, haben heute über 550 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Was ist in Ihren Augen der wichtigste Faktor, dass Sie das geschafft haben?

Das Unternehmen Rebuy hat sich über die Jahre stetig weiterentwickelt. Gestartet als kleine Recommerce-Plattform für Computer- und Konsolenspiele mit anfänglich nur fünf Beschäftigten, sind wir mittlerweile neben unserem Heimatmarkt Deutschland in sechs weiteren Ländern aktiv: Österreich, Niederlande, Frankreich, Italien, Spanien und Großbritannien. Ich denke, der Grund für unseren Erfolg ist es, dass wir immer darauf gehört haben, was die Bedürfnisse unserer Kunden sind. Zudem wissen unsere Kunden, dass sie bei uns Gebrauchtware erhalten, ohne dabei Abstriche in der Qualität der Produkte machen zu müssen. So geben wir beispielsweise eine 36-monatige Garantie auf bei uns erworbene Elektronikartikel. Die Kombination aus Garantie und Preisvorteil gegenüber Neuware lässt viele zufriedene Kunden gerne wiederkommen.

Welches war die wichtigste Entscheidung, die Sie auf dem Weg getroffen haben?

Der Recommerce-Markt ist sehr dynamisch. Wir müssen ständig wichtige Entscheidungen treffen – daher ist es schwer zu sagen, welches die wichtigste gewesen ist. Eine der Wichtigeren war sicherlich die bewusste Entscheidung, Rebuy als Qualitätsführer im Markt zu positionieren. Es gibt viele Marktplätze da draußen, auf denen zum Teil sehr schlechte Ware angeboten wird. Viele Kunden haben dort schlechte Erfahrungen gemacht. Wir möchten uns ganz bewusst davon abgrenzen. Da jedes Produkt, das bei uns verkauft wird, von uns vorher eindringlich geprüft wird, können wir die Qualität auch entsprechend gewährleisten.

Roboterarm greift in eine Maschine in Richtung eines Smartphones
Die Recommerce-Anbieter leisten einen konkreten Beitrag zur Kreislaufwirtschaft.

Was machen Sie besser als Konkurrenten wie Momox oder Zoxs?

Wir sprechen bei anderen Recommerce-Anbietern ungern von Konkurrenten, da wir alle auf dieselbe Sache hinarbeiten. Denn jedes Buch, jedes Smartphone und jeder Laptop, der nicht neu gekauft werden muss, trägt dazu bei, dass unsere Ressourcen geschont werden und ist ein konkreter Beitrag zur Kreislaufwirtschaft. Wir freuen uns daher über alle Marktteilnehmer, die einen solchen Beitrag durch ihr Angebot ermöglichen.

Verkaufen Sie eher an Endverbraucher oder Unternehmen?

Aktuell setzen wir einen klaren Fokus auf das Bedienen der Privatkunden. Bisher haben Unternehmenskunden noch keine wichtige Rolle für uns gespielt.

Was ist zurzeit Ihre größte Herausforderung?

Unsere größte Herausforderung liegt ganz klar in der Beschaffung der Produkte. Wir sind ständig auf der Suche nach Ware, die unseren Qualitätsanforderungen entspricht, denn wir könnten deutlich mehr Ware verkaufen. Die Nachfrage nach qualitativ hochwertiger Gebrauchtware ist extrem groß. Daher ist es unsere Aufgabe, in Zukunft diese Nachfrage bestmöglich mit unserem Angebot zu bedienen. In den kommenden Jahren möchten wir europaweit für den An- und Verkauf von Gebrauchtwaren in unseren Kategorien die erste Anlaufstelle sein und es damit allen ermöglichen, einen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft zu leisten – eine Transaktion nach der anderen.

Hände halten ein Smartphone, auf dessen Bildschirm das Gesicht einer Frau zu sehen ist
Endkontrolle der aufbereiteten Smartphones

Wie wichtig ist dieser Nachhaltigkeitsaspekt für Ihre Kunden?

Wir merken, dass das Bedürfnis, nachhaltig zu handeln, bei den meisten Verbraucherinnen und Verbrauchern vorhanden ist. Eine kürzlich von uns in Auftrag gegebene Umfrage bestätigt das. Demnach verschenkt dieses Jahr zu Weihnachten jede dritte Person etwas Gebrauchtes zu Weihnachten. Für mehr als die Hälfte aller Befragten steht dabei das nachhaltige Handeln im Mittelpunkt – und nicht etwa der Kostenvorteil gegenüber neu produzierter Ware.

Ist die Nachhaltigkeit auch ein Punkt bei der Mitarbeitersuche?

Definitiv. Der Nachhaltigkeitsgedanke ist einer der zentralen Punkte, der uns bei Rebuy auch intern verbindet. Wir alle wissen, dass wir mit unserer Arbeit einen kleinen, aber wichtigen Beitrag dazu leisten, dass wir als Gesellschaft von einer linearen Wirtschaft hin zur Kreislaufwirtschaft transformieren. Das spornt uns alle an. Deshalb überprüfen wir auch in unserem mehrstufigen Recruitingprozess, ob die Werte der Bewerberinnen und Bewerber mit unseren übereinstimmen.

Die KfW fördert

Das Programm Venture Tech Growth Financing erleichert die Finanzierung von jungen innovativen Technologieunternehmen in der Wachstumsphase.

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Die KfW hat Sie mit dem Programm Venture Tech Growth Financing (VTGF) in einer Phase finanziert, in der Banken typischerweise keine Fremdkapitalfinanzierungen anbieten. Wäre Ihr Unternehmen auch ohne diese Finanzierung so schnell gewachsen?

Das Geschäftsmodell von Rebuy ist relativ cash-intensiv, da wir nicht einfach zwischen Käufern und Verkäufern vermitteln, sondern die Produkte selbst prüfen und schließlich ankaufen. Das Fremdkapital-Programm VTGF hat uns dabei geholfen, auch in Zeiten von sehr schnellem Wachstum unseren Kundinnen und Kunden immer eine hohe Verfügbarkeit zu gewährleisten.

Auf KfW Stories veröffentlicht am 21. März 2022

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Alle Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen verabschiedeten im Jahr 2015 die Agenda 2030. Ihr Herzstück ist ein Katalog mit 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung, den Sustainable Development Goals (SDGs). Unsere Welt soll sich in einen Ort verwandeln, an dem Menschen ökologisch verträglich, sozial gerecht und wirtschaftlich leistungsfähig in Frieden miteinander leben können.