Drei Handys an einem kommerziellen Ladegerät
Infrastruktur

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Besser vernetzt im Kongo

Afrika überspringt die Ära der Festnetztelefonie mit all ihren Einschränkungen und setzt von Beginn an auf Mobilfunk. Die DEG fördert diese Entwicklung. Derzeit finanziert sie den Ausbau von Mobilfunkmasten im Kongo.

Schnell den Arzt rufen oder eine Ware bestellen: In vielen Ländern Afrikas war dies wegen der fehlenden Infrastruktur für Telekommunikation lange Zeit kaum möglich. Weil der Ausbau des Mobilfunks wesentlich kostengünstiger und weniger aufwendig ist, als den Kontinent flächendeckend mit Festnetzleitungen auszustatten, bietet er die große Chance, relativ schnell auch dünn besiedelte Gebiete ans Netz anzuschließen. Somit überspringt Afrika die Festnetzära, die der Kommunikation ohnehin starre Grenzen setzt.

Die KfW-Tochter DEG – Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft mbH fördert seit 1999 Mobilfunkvorhaben in Afrika, etwa die Investitionen des Unternehmens Celtel (heute Airtel), das ein Netzwerk über Staatsgrenzen hinweg betreibt. Derzeit stellt die DEG 26 Millionen US-Dollar in Form eines langfristigen Darlehens für den Aufbau von Mobilfunkmasten in der Demokratischen Republik Kongo bereit, denn ganz ohne Infrastruktur funktioniert auch Mobilfunk nicht. Kreditnehmer ist die lokale Tochtergesellschaft eines der führenden Unternehmen in dieser Branche, der Helios Towers Africa.

Wachstumstreiber Mobilfunk

In der Vergangenheit hat jeder Mobilfunkbetreiber seine eigenen Masten aufgestellt, doch inzwischen geht der Trend dahin, diese von einer so genannten Tower Company wie Helios Towers Africa zu mieten. „Afrika war für Mobilfunkunternehmen lange ein Wachstumsmarkt, mit dem sich viel Geld verdienen ließ“, sagt Bertram Dreyer, Projektmanager in der Infrastrukturabteilung der DEG. „Heute sind große, internationale Anbieter in fast allen Ländern des Kontinents vor Ort und untereinander einem starken Wettbewerb ausgesetzt.“

Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen die Anbieter ihre Kosten reduzieren. Der teure Bau und Betrieb von Mobilfunkmasten wird daher ausgelagert. Helios Towers Africa kauft den Mobilfunkbetreibern die Masten ab und modernisiert sie, damit sie energieeffizienter werden und Raum für die Antennen mehrerer Betreiber bieten. Dadurch können die Kosten auf mehrere Mieter verteilt werden, was den Bau von neuen Masten gerade in wenig erschlossenen Regionen erleichtert.

Die Kosten pro Mast betragen je nach Lage und Größe zwischen 50.000 und 200.000 Euro, langfristige Mietverträge sichern die Investition ab. Helios Towers Africa besitzt bereits 630 Masten dieser Art im Kongo, in den kommenden Jahren sollen mehrere Hundert hinzukommen. Jeder Zweite wird in ländlichen Regionen aufgestellt.

Für viele Afrikaner ist das Mobilfunktelefon mehr als nur ein Gerät zum Telefonieren. Es ermöglicht den Handel über regionale Grenzen hinaus. Deswegen ist der Mobilfunkmarkt ein wesentlicher Entwicklungs- und Wachstumstreiber in Afrika. „Die Menschen können dank der ausgebauten Netze Waren bestellen, Preise vergleichen und so schneller Geschäfte abschließen“, sagt Bertram Dreyer.

Und auch Finanztransaktionen sind einfacher geworden: So können dank Mobile Banking viele Afrikaner erstmals ein Bankkonto eröffnen.

Der Ausbau der Kommunikationsinfrastruktur wirkt sich auch positiv auf soziale Bereiche aus. Krankenhäuser auf dem Land telefonieren mit Ärzten in den Städten und liefern so zuverlässigere Diagnosen. Entwicklungsprojekte, die per SMS Tipps für Ackerbau oder Hygiene liefern, erhöhen den Bildungsgrad. Frauen vernetzen sich über Mobiltelefone stärker miteinander und treten so selbstbewusster für ihre Rechte ein.

„Wir wollen dazu beitragen, in ländlichen Gegenden Telekommunikation überhaupt erst zu ermöglichen und in den Städten die Einführung neuer Technologien zu erleichtern“, sagt Dreyer. „So können wir die urbanen Zentren noch dynamischer machen und die ländlichen Gebiete weiterentwickeln.“

Quelle
Cover des CHANCEN-Magazins zum Thema Grenzen

Dieser Artikel ist erschienen in CHANCEN Herbst/Winter 2014 „Grenzen”.

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Edelmetalle aus dem Handy bergen

Mit der wachsenden Anzahl an Mobiltelefonen in Afrika wird künftig auch die Menge von Altgeräten zunehmen. Doch bisher sind Recyclingmethoden nach internationalen Standards auf dem Kontinent kaum verbreitet. Mit 197.000 Euro kofinanziert die DEG deshalb ein Projekt, das ein profitables Recyclingsystem etablieren soll. Die Mittel stammen aus dem develoPPP-Programm des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Privater Partner ist das Technologieunternehmen Hewlett-Packard (HP).

In Nairobi ist bereits eine Recyclinganlage in Betrieb. Hier werden alte Handys, aber auch Fernseher und Computer fachkundig zerlegt und wertvolle Metalle wie Gold, Silber, Kupfer und Palladium in den Wertstoffkreislauf zurückgeführt. Das Vorhaben schont nicht nur die Umwelt, sondern schafft auch neue Arbeitsplätze.

Auf KfW Stories veröffentlicht am: Montag, 10. April 2017

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Alle Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen verabschiedeten im Jahr 2015 die Agenda 2030. Ihr Herzstück ist ein Katalog mit 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung, den Sustainable Development Goals (SDGs). Unsere Welt soll sich in einen Ort verwandeln, an dem Menschen ökologisch verträglich, sozial gerecht und wirtschaftlich leistungsfähig in Frieden miteinander leben können.