Meeting des Teams
Zukunftstechnologie

Zukunftstechnologie

Vom Nischenanbieter zum Global Player

Das Berliner Fintech Mambu hat schon früh auf Cloudlösungen für Finanzdienstleister gesetzt. Heute ist es 1,7 Milliarden Euro wert.

"Die beste Art, den Tag zu beginnen"
Portrait Eugene Danilkis

Eugene Danilkis über Amsterdam: „Ich bin Kanadier und stamme ursprünglich aus der Ukraine, daher liegt das Schlittschuhlaufen in meiner DNA. In diesem Winter sind die Grachten in Amsterdam für ein paar Tage zugefroren, also habe ich eines Morgens meine Schuhe geschnürt und bin Schlittschuh gelaufen – es war die beste Art, den Tag zu beginnen! Amsterdam bietet eine Menge Lebensqualität, es ist eine kompakte Stadt, die alles hat und ein Zentrum für multidisziplinäre und internationale Talente ist. Ich fühle mich hier zu Hause, aber auch in vielerlei Hinsicht als Weltbürger.“

Eugene Danilkis hatte 2011 den richtigen Riecher. Als vielen Finanzunternehmen die Cloud noch zu unsicher war, glaubte der Softwareingenieur, dass hier die Zukunft liegt. Gemeinsam mit Frederik Pfisterer und Sofia Nunes gründete der in der Ukraine geborene Kanadier, der in den USA studierte und heute in Amsterdam lebt, das Fintech Mambu. Das Ziel: die Entwicklung von cloudbasierten Dienstleistungen für Banken: „Die anfängliche Herausforderung war die Überwindung der Skepsis gegenüber der Cloud, die damals eine neue Technologie war“, sagt Danilkis. „Es hat sich ein Markt entwickelt, in dem zunächst niemand aktiv war. Ich bin stolz darauf, dass Mambu zu den Ersten gehörte, die das änderten.“

Danilkis glaubte, dass die Zukunft des Bankwesens auf agiler und flexibler Technologie aufgebaut sein muss. Mambu entwickelte Softwaresysteme, die Cloudlösungen und Onlinebanking ermöglichen. Banken, Kreditgeber oder Fintechs können sich die Bausteine aussuchen, die sie brauchen: „Wir helfen ihnen dabei, einen Kredit zu entwerfen, die Zahlungsbedingungen zu gestalten, den finanziellen Transaktionen zu folgen, Zinsen, Buchhaltung und die anderen Finanzprodukte zu verfolgen, ohne sich um Quellcodes kümmern zu müssen – und das alles über die Cloud.“

Eingangsbereich der mambo Büros mit Logo an der Wand

Mambu-Niederlassung in Berlin: Im CityQuartier „Dom Aquaree“ gleich am Alexanderplatz. Eine von zwei Niederlassungen in Deutschland. Die andere befindet sich in Leipzig.

Anfangs zählten vor allem Banken aus Schwellenländern wie Nigeria oder Kolumbien zu den Kunden, später kamen mit fortschreitender Digitalisierung immer mehr Interessenten aus Europa dazu – auch traditionelle Banken. Durch sinkende Umsätze, die Finanzkrise, neue Anbieter wie Paypal und andere Fintechs stieg der Druck auf die etablierten Geldhäuser. Danilkis: „Wir ermöglichen es allen gleichermaßen, anpassungsfähig und agil zu sein, damit sie auf die sich schnell ändernden Kundenbedürfnisse, Chancen und Risiken reagieren können. Sie können ihre Plattform konfigurieren und aktuell halten, ohne dazu Entwickler mit den Anpassungen beauftragen zu müssen, wie es bei vielen Altsystemen der Fall ist.“

Besonders in den letzten beiden Jahren legte Mambu zu. Anfang 2019 wurde das Unternehmen noch mit 150 Millionen Euro bewertet. Heute ist es hinter der Onlinebank N26, die übrigens auch zu den Mambu-Kunden gehört, das zweitwertvollste deutsche Fintech-Unternehmen. In einer Finanzierungsrunde im Januar 2021 sammelte Mambu 110 Millionen Euro ein, wobei der Unternehmenswert auf 1,7 Milliarden Euro taxiert wurde. Zu den Hauptinvestoren zählt der Netflix-Finanzierer TCV, der auch bei Spotify engagiert ist.

Die KfW ist gleich zweifach beteiligt: über den High-Tech Gründerfonds und über den Münchner Risikokapitalfonds Acton Capital mit KfW Capital. Fritz Oidtmann, Managing Partner bei Acton: „Als wir vor gut fünf Jahren erstmalig bei Mambu investierten, haben uns vor allem die klare Kundenorientierung des Gründerteams und das exzellente Produkt begeistert. Ihr Kernbankensystem für Fintechs und Banken war leistungsfähig, sicher und zugleich erheblich flexibler und kostengünstiger als alles, was bis dato im Markt verfügbar war.“ Die Erwartungen haben sich für ihn mehr als erfüllt: „Mit seinem Ansatz des ‚Composable Banking‘ hat das Team es geschafft, selbst Topbanken weltweit als Kunden zu gewinnen. Auch die Zusammenarbeit im Board ist extrem angenehm und produktiv: Das Team zieht hier nicht die klassische Show für die Investoren ab, sondern benennt neben den Erfolgen auch offen kritische Punkte, um gemeinsam konstruktiv nach Lösungen zu suchen.“

Mambu will das frische Geld der letzten Finanzierungsrunde nutzen, um sich noch breiter aufzustellen und die Mitarbeiterzahl bis Ende 2022 zu verdoppeln. Bereits heute hat Mambu 184 Kunden in 65 Ländern. Die 550 Mitarbeiter arbeiten in Niederlassungen in Berlin, Dresden, London, Amsterdam, Iasi, Miami, Singapur, Vilnius, New York, Sydney und Abu Dhabi. Für Danilkis sind sie das Herz des Unternehmens: „Wir Mambuvians haben die Gabe der Zusammenarbeit und der kontinuierlichen Verbesserung gemeinsam. Wenn man die Leute mag, mit denen man zusammenarbeitet, und sich gegenseitig unterstützt, dann macht das die Reise dauerhaft und angenehm, weil man gemeinsam durch die gleichen Herausforderungen geht. Wir bauen einen Ort auf, an dem die Menschen den Großteil ihrer Zeit verbringen. Warum also nicht etwas aufbauen, auf das wir stolz sind und das sich lohnt?“

Auf KfW Stories veröffentlicht am 24. Juni 2021.