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Wirkungsweise

Wirkungsweise

Anschub aus Amerika

Am 5. Juni 1947 kündigte der US-Außenminister George C. Marshall in einer Rede an der Harvard-Universität ein finanzielles Hilfsprogramm für Europa an. Es sollte dem kriegszerstörten Kontinent wieder auf die Beine helfen. Deutschland profitiert noch heute von den Mitteln aus dem größten zivilen Aufbauprogramm der Geschichte: dem Marshallplan.

75 Jahre Marshallplan – Historisches Vermächtnis und Zukunftsauftrag

Anlässlich des 75. Jubiläums des Marshallplans und des 50. Gründungstags des German Marshall Fund of the United States (GMF) diskutierten in der Berliner Niederlassung der KfW, US-Transportminister Pete Buttigieg und Bundesfinanzminister Christian Lindner, über diesen wichtigen historischen Meilenstein.

Der Marshallplan verwandelte einen vom Krieg verwüsteten Kontinent in eine Grundfeste des Wohlstands und der demokratischen Resilienz. Er ebnete gleichzeitig den Weg für die Gründung der OECD, der NATO und der Europäischen Union.

Aufzeichnung von der Festveranstaltung am 17. Mai 2022

50 Jahre German Marshall Fund
Logo des GMF anlässlich des 50-jährigen Jubiläums (1972-2022)

Der German Marshall Fund of the United States hat seinen Sitz in Washington D.C.

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Die KfW wurde 1948 im Rahmen des Marshallplans zum Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft gegründet und entwickelte sich in über sieben Jahrzehnten zu einem wichtigen Instrument der wirtschaftlichen und finanziellen Neuordnung Deutschlands nach 1945. In ihrer langen Geschichte hat die KfW immer wieder epochale Transformationsprozesse wie Wiederaufbau und Wiedervereinigung maßgeblich begleitet.

Bundeskanzler Willy Brandt nach einer Rede in Harvard übergibt das Geschenk der Bundesregierung an die USA
5. Juni 1972

Bundeskanzler Willy Brandt übergibt anlässlich des 25. Jahrestags des Marshallplans in Harvard das Geschenk der Bundesrepublik Deutschland an die USA.

Im Jahr 1972, genau 25 Jahre nach der historischen Rede George Marshalls, kündigte der deutsche Bundeskanzler Willy Brandt wiederum in Harvard eine große Schenkung (150 Mio. DM = 76,7 Mio. EUR) der deutschen Regierung an, um dem amerikanischen Volk für den Marshallplan zu danken. Mit diesem Geschenk wurde der German Marshall Fund of the United States gegründet, der in diesem Jahr sein 50. Jubiliäum feiert. Es ist bis heute das größte Geldgeschenk, das die USA in ihrer Geschichte erhalten haben.

Die jüngsten geopolitischen Entwicklungen, die weitreichenden Auswirkungen technologischer Innovationen und der Klimawandel haben die transatlantische Gemeinschaft und die Welt an den Rand einer neuen Ära gebracht. Der Marshallplan bietet uns Lehren und Inspiration für die Bewältigung dieser gewaltigen Herausforderungen.

Preisgekrönt
US-Außenministers George C. Marshall während einer Radio Ansprache

US-Außenminister George C. Marshall erhielt für den nach ihm benannten Marshallplan 1953 den Friedensnobelpreis. Seine legendäre Rede vom 5. Juni 1947 ist als Tondokument und als Skript dokumentiert.

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16 Länder beziehen Hilfsmittel

Der Krieg ist vorbei, doch die Not noch mehrere Jahre lang ständiger Begleiter der Deutschen. Die Bombenangriffe der Alliierten haben ein Viertel der Wohnungen zerstört oder schwer beschädigt. Ausgebombte, Kriegswaisen, Flüchtlinge, Vertriebene und Heimkehrer suchen nach Obdach. Die über Lebensmittelkarten zugeteilten Kalorien reichen nicht aus, Heizmaterial ist äußerst knapp. Ein jeder kämpft ums Überleben. Auch andere Nationen Europas haben unter immensen Kriegsfolgen zu leiden. Die Briten können kaum die Kosten für die Besetzung Deutschlands aufbringen.

In dieser Situation klingt der Plan des amerikanischen Außenministers George Marshall wie eine Verheißung. Er verkündet im Juni 1947 in einer Rede an der Harvard-Universität ein wirtschaftliches Aufbauprogramm für Europa: das European Recovery Programme (ERP), später von allen nur Marshallplan genannt. Der Kontinent benötige angesichts der großen Not zusätzliche Hilfen, sonst werde er einen schweren wirtschaftlichen, sozialen und politischen Zerfall erleben, warnt Marshall.

Marshallplan und ERP

Der Wirtschaftshistoriker Prof. Werner Plumpe, die Publizistin Ulrike Herrmann und der frühere Bundesfinanzminister Theo Waigel ordnen die Bedeutung des Marshallplans und des European Recovery Programme (ERP) für den Wiederaufbau in Deutschland und Westeuropa ein. (Quelle: KfW Bankengruppe / Detlev Karres / Thomas Schuch)

Lebensmittel, Rohstoffe und Sachgüter im Wert von fast 14 Milliarden Dollar sollen dabei helfen, den zerstörten Kontinent wieder aufzubauen. 1948 starten die Lieferungen. 16 Länder beziehen Hilfsmittel. Osteuropa nimmt nicht teil, denn der Kalte Krieg hat bereits begonnen. Großbritannien erhält 25 Prozent, Frankreich 20 Prozent, Westdeutschland zehn Prozent. Auch kleinere Länder wie Griechenland und Belgien sind in das Programm eingebunden.

Statt das Geld wie mit der Gießkanne zu verteilen, setzt der Marshallplan von Anfang an auf Hilfe zur Selbsthilfe. Die Staaten sollen eigenständig festlegen, wie sie sich den Wiederaufbau vorstellen. Die Lieferungen umfassen vor allem Nahrung, Treibstoff und Medikamente. Den Gegenwert dieser Importe zahlen die Länder in sogenannte Gegenwertfonds ein, mit deren Hilfe der Wiederaufbau von Infrastruktur und Wirtschaft finanziert wird. Der Wert der Lieferungen für Deutschland beträgt 1,4 Milliarden Dollar, was heute etwa neun Milliarden Euro entspricht. Als einziges Land muss Deutschland einen Teil der Mittel zurückzahlen: eine Milliarde Dollar.

Startkapital für die KfW

Die zweite Besonderheit: Deutschland nutzt den Gegenwertfonds ab 1949 zur Refinanzierung der Kreditanstalt für Wiederaufbau. Am 18. November 1948 per Gesetz gegründet, sollte sich die damals für Deutschland neuartige Förderbank zunächst auf dem deutschen Kapitalmarkt oder aus dem Haushalt der amerikanisch-britischen Bizone refinanzieren. Erst als klar wird, dass das nicht funktioniert, bekommt sie Gegenwertmittel aus dem Marshallplan zugesprochen.

In den Anfangsjahren der KfW trifft eine Flut von Kreditanträgen ein, nicht alle können berücksichtigt werden. Der Schwerpunkt der Förderung liegt zunächst auf der Energieversorgung und dem Wohnungswesen. Etwa die Hälfte des Kreditvolumens vergibt die KfW an Unternehmen der Rohstoffindustrie, hauptsächlich für die Förderung von Kohle und Stahl.

75 Jahre Marshallplan
70 Jahre KfW – Höhepunkte und Wendepunkte von 1948 bis 2018

Weiterführende Informationen zu Marshallplan und European Recovery Programme in der Geschichte der KfW.

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Die Phase des Wiederaufbaus dauert bis etwa 1954. Der Bundesrepublik gelingt es viel schneller als von jedermann erwartet, zu einem der führenden Industriestaaten der Welt aufzusteigen. Die Wirtschaft wächst jährlich um acht Prozent, es herrscht Vollbeschäftigung, ein hoher Dollarkurs begünstigt den deutschen Export.

1951 wird die Exportfinanzierung als neue Aufgabe der KfW festgeschrieben. Zwei Jahre später legt der Gesetzgeber fest, dass Tilgungen und Zinsen des Sondervermögens aus dem Marshallplan dauerhaft für die Förderung der deutschen Wirtschaft eingesetzt werden sollen. Innerhalb von wenigen Jahren wird die Bundesrepublik vom hungernden Hilfeempfänger zu einer Wirtschaftsmacht, die bald selbst Auslandshilfe gewährt.

Europäer sind zum Warenhandel gezwungen

Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard sah den Marshallplan damals eher kritisch. Er war überzeugt davon, nicht die Hilfe aus den USA, sondern die Währungsreform habe das deutsche Wirtschaftswunder beflügelt. Hermann Josef Abs, KfW-Vorstandsmitglied der ersten Stunde, sagte 1988 in einer Festrede zum 40. Jahrestag der Förderbank: „Für den Erfolg der Währungsreform war mitentscheidend, dass keine Versorgungsmängel auftreten, die in der Öffentlichkeit der neuen Währung angelastet werden konnten. Dieses Problem konnte durch Direktlieferungen im Rahmen des Marshallplans gelöst werden.“

Hermann Josef Abs
Hermann Josef Abs

Vorstandssprecher und langjähriger Verwaltungsratsvorsitzender der KfW.

Heute sehen Experten die Stärken des Marshallplans eher in seinen indirekten Effekten. „Die direkte ökonomische Wirkung war gering“, erklärte der Wirtschaftshistoriker Dr. Harald Wixforth. „Das Programm hat jedoch maßgeblich dazu beigetragen, die Bundesrepublik wirtschaftlich in Westeuropa zu integrieren.“

Die Amerikaner hätten die Europäer zum Warenhandel gezwungen. Nur so habe schon 1951 die Montanunion entstehen können, ist der Historiker überzeugt. „Den USA war dies nur recht, denn dadurch geriet die Bundesrepublik nicht in den sowjetischen Einflussbereich.“ Ebenfalls nicht zu unterschätzen sei der psychologische Effekt des Marshallplans, erinnerte Wixforth. Noch bevor die ersten Mittel flossen, machten die USA das Hilfsprogramm in einem beispiellosen Werbefeldzug in ganz Europa bekannt.

So wurde aus dem Feind ein Verbündeter und der Marshallplan zum Silberstreif am Horizont. Hermann Josef Abs bekräftigte deshalb zum 40. Jahrestag der KfW, die Amerikaner hätten durch ihr Vertrauen den Deutschen Mut gemacht, den Aufbau ihres Landes selbst in die Hand zu nehmen.

ERP-Sondervermögen

Die Zweckbindung des ERP-Sondervermögens blieb seit über sieben Jahrzehnten erhalten, denn die erwirtschafteten Erträge werden ausschließlich für die ERP-Wirtschaftsförderung und den Substanzerhalt eingesetzt.

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Noch heute profitiert die deutsche Wirtschaft von den Geldern des Marshallplans. Die KfW fördert auch nach über sieben Jahrzehnten nach Programmstart die gewerbliche Wirtschaft mit Mitteln aus dem ERP-Sondervermögen. Auch dabei geht es um Hilfe zur Selbsthilfe.

Die KfW gewährt mittelständischen Unternehmen, Existenzgründern und innovativen Firmen zinsgünstige Darlehen und Haftungsfreistellungen. Beim Aufbau Ost haben die Gelder aus dem ERP-Sondervermögen ebenfalls eine entscheidende Rolle gespielt.

Auf KfW Stories veröffentlicht am: 16. Juni 2017, aktualisiert 18. Mai 2022