In Niger werben berühmte Ringer für Kondome und HIV-Prävention
Demografischer Wandel

Demografischer Wandel

Starke Männer für Kondome

Eine überraschende Marketingidee: In Niger werben berühmte Sportler für Familienplanung und HIV-Prävention. Die Nachfrage nach Verhütungsmitteln ist seitdem gestiegen.

In Niger werben berühmte Ringer für Kondome und HIV-Prävention
Nationalhelden

Ringer wie Balla Harouna sind in Niger große Vorbilder. Wenn sie sich nach dem Kampf im Ring mit einer Schachtel Präservativen zeigen und für Verhütung starkmachen, zeigt das Wirkung.

Die beiden Ringer blicken sich grimmig an, stampfen mit nackten Füßen auf den Sand im Stadion. Auf den muskulösen Körpern glänzt der Schweiß. Starke Arme greifen um Schultern und Beine. Die Gegner schieben, ziehen und zerren aneinander: Zum Trommelwirbel johlt das Publikum. Dann folgt der entscheidende Schulterwurf.

Der Verlierer liegt im Sand. Der Sieger jubelt und streckt ein kleines Päckchen in die Luft, als hätte dessen Inhalt ihm zum Sieg verholfen, darauf steht „Foula“, so heißt in Niger der traditionelle Sonnenhut für Männer. In dem Päckchen befindet sich ein Kondom. Die Athleten beteiligen sich an einer Kampagne für Familienplanung und HIV-Prävention.

Ringer sind in Niger Nationalhelden. Balla Harouna, der Altmeister des Ringsports, wird dort so verehrt wie Fußballstars in Deutschland – dreimal war Harouna nationaler Champion und auch international erfolgreich. Seit 1974 werden landesweite Meisterschaften ausgetragen. Wenn sie im Radio und Fernsehen übertragen werden, sitzen mehr als sechs Millionen Menschen wie gebannt vor ihren Geräten. Seit die Ringer für Kondome werben, ist die Nachfrage nach Verhütungsmitteln in Niger stark gestiegen – ein wichtiger Beitrag zur Familienplanung in dem westafrikanischen Staat.

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Der Geschäftsbereich KfW Entwicklungsbank unterstützt die nigrische Regierung und mehrere Gemeinden über einen Investitionsfonds und mit investitionsbegleitenden Fortbildungen sowie in den Bereichen Landwirtschaft und Ernährungssicherung.

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Denn in Niger werden so viele Kinder geboren wie in keinem anderen Land auf dieser Erde: zuletzt durchschnittlich 7,6 Kinder je Frau. Seit der Unabhängigkeit 1960 hat sich die Einwohnerzahl mehr als versechsfacht – auf inzwischen 20,6 Millionen. Dabei ist Niger eines der ärmsten Länder weltweit: Sein karger Wüstenboden kann schon heute die Menschen kaum ernähren.

Die Idee, die Ringer für eine Kampagne für Familienplanung und HIV-Prävention einzusetzen, kam von der Association Nigérienne de Marketing Social (Animas-Sutura), einem nigrischen Verband für Sozialmarketing. Balla Harouna wurde im Jahr 2007 zum Gesicht der Kampagne: Nach jedem Sieg hielt der Star den Zuschauern ein Präservativ entgegen – und die Menschen jubelten.

„Früher glaubte man in Niger, wer für Kondome wirbt, sei schwach und schädige sein Ansehen“, sagt Monika Franzke, Beraterin der GfA Consulting Group bei Animas-Sutura. Balla Harouna schaffte es, die Menschen zum Umdenken zu bewegen. Zuerst überzeugte er die Männer im Ring, von denen immer mehr für Produkte von Animas-Sutura werben. Und dann viele der Männer vor den Radio- und Fernsehgeräten.

Lesen Sie unter der interaktiven Weltkarte weiter.

Geburtenziffer

1,4 Kinder

Durchschnitt pro Frau, 2010
Kinder weltweit
0 bis 2

Quellen: World Development Indicators, The World Bank; UNCTADstat, eigene Berechnungen

„Die Sieger bei Ringkämpfen für unser Kondom ‚Foula‘ werben zu lassen, war entscheidend für den Erfolg der Kampagne“, sagt Mohamed Abdoulaye, Direktor von Animas-Sutura. Dazu gehören unter anderem Radiospots, zum Beispiel das Minihörspiel „Die Abenteuer von Foula“, das viele Menschen in Niger verfolgen. Inzwischen ziehen auch bekannte Sängerinnen mit und werben für die Verhütungspille „Sutura“.

Quelle
Cover CHANCEN „Innovation“

Der Artikel ist erschienen in CHANCEN Frühjahr/Sommer 2018 „Neue Ideen erhellen die Welt“.

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Der Geschäftsbereich der KfW Entwicklungsbank unterstützt die Arbeit von Animas-Sutura seit der Gründung im Jahr 2007. Im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung fördert er das Sozialmarketing von Verhütungsmitteln und die Aufklärung über die Übertragungswege von HIV.

„In dem islamisch geprägten Land war es lange Zeit nicht leicht, offen über Sexualität und Verhütung zu sprechen“, sagt KfW-Projektmanager Julien Morel. Noch im Jahr 1995 setzten aufgebrachte Marabouts, muslimische Geistliche, der ersten Kampagne gewaltsam ein Ende, indem sie Werbetafeln zerstörten. Sie sahen darin einen Angriff auf die Moral der Gesellschaft.

Es dauerte noch Jahre, bis die hohe Geburtenrate und die Gefahr der HIV-Infektionen als ein Entwicklungshemmnis im öffentlichen Bewusstsein angekommen waren. 2007 verabschiedete die Regierung ein Gesetz zur nationalen Bevölkerungspolitik. Animas-Sutura ist heute eines der zentralen Instrumente, um sie umzusetzen.

Auf KfW Stories veröffentlicht am: Dienstag, 24. Juli 2018

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