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Smart Cities

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Arnsberg macht es anders

Fünf Kommunen in Südwestfalen zeigen, wie sich die Digitalisierung auch an die ländlichen Belange anpassen muss – und wie man schneller sein kann als große Städte. Sie gehören zu den 13 Städten und Gemeinden, die in der ersten Runde des Wettbewerbs „Modellprojekte Smart Cities“ ausgewählt wurden.

Stadt Arnsberg

Die größeren Stadtteile des waldreichen Arnsberg liegen entlang der Ruhr. Die sauerländische Stadt bildet mit vier Nachbarkommunen den Smart-City-Verbund „5 für Südwestfalen“.

Parkschein bezahlen per Handy? Vor zehn Jahren in Arnsberg schon eingeführt. Grundstückskartierung, hochaufgelöste Luftbilder und Analyse raumbezogener Daten des Stadtgebietes frei verfügbar auf der Webseite der Stadt? Gab es dort noch früher. Mit einigen digitalen Dienstleistungen ist Arnsberg seiner Zeit voraus. In Frankfurt am Main etwa ist es erst seit November 2019 möglich, den Parkschein per App zu bezahlen. Das Beispiel zeigt, wie unterschiedlich das Tempo der Digitalisierung in deutschen Kommunen ist.

In Arnsberg nimmt der technologische Wandel jetzt noch mehr Fahrt auf. Die Stadt im Sauerland gehört im Rahmen einer kommunalen Kooperation zu den ersten 13 ausgewählten Kommunen des Wettbewerbs „Modellprojekte Smart Cities“, den das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) und die KfW mit Zuschüssen in einer Gesamthöhe von 750 Millionen Euro ausstattet. Das Geld geht an einzelne Gemeinden, aber auch an Landkreise oder kommunale Kooperationen. „5 für Südwestfalen“ ist so ein Verbund. Er besteht aus Arnsberg (75.000 Einwohnerinnen und Einwohner), Menden (52.000), Soest (48.000), Olpe (25.000) und Bad Berleburg (20.000). Jede Stadt vertritt einen der fünf Landkreise, die den Lebensraum Südwestfalen ausmachen. 13 Millionen Euro bekommt das Smart-City-Quintett von der KfW und stockt die Investition mit Eigenmitteln auf 17,5 Millionen Euro auf.

5 für Südwestfalen

Die fünf Städte bilden zusammen mit der Südwestfalen Agentur GmbH ein Projektkonsortium. „5 für Südwestfalen: digital, nachhaltig, authentisch“ – das ist ihr Motto. „Wir wollen die digitalen Möglichkeiten in der integrierten Stadtentwicklung nutzen und exemplarisch für die Region Smart-City-Strategien sowie nachhaltige Projekte entwickeln und umsetzen“, sagt Stephanie Arens von der Südwestfalen Agentur.

Karin Glingener, Stadt Arnsberg, Organisation / Projektmanagement Digitale Stadt

Karin Glingener leitet die Stabsstelle Digitale Stadt in Arnsberg.

Die fünf Städte wollen jetzt zunächst eine Digitalisierungsstrategie erarbeiten, die auf bereits vorhandenen Grundsatzpapieren zur Stadtentwicklung aufbaut. Bei der Umsetzung konkreter Projekte wird jede Stadt eigene Akzente setzen. Olpe wird unter anderem beim Neubau seines Rathauses New-Work-Konzepte verwirklichen und ein „House of Learning“, ein digitales Selbstlernzentrum, entwerfen. Bad Berleburg legt den Fokus auf eine Digitalisierung, die den Menschen nützt und eine nachhaltige Entwicklung unterstützt. Die „Stadt der Dörfer“, wie sie sich selbst nennt, setzt auf digitale Lösungen für einen attraktiven Arbeits- und Lebensraum. Menden plant beispielsweise den Aufbau einer offenen Plattform für lokale Daten und eine Werkstatt für digitale Ideen.

Soest wurde 2018 von der Landesregierung als eine von fünf digitalen Modellregionen in Nordrhein-Westfalen ausgewählt. 30 Projekte in den Bereichen E-Government und Smart Cities wurden seither entwickelt. Zentrale Vorhaben werden die Beteiligung der Stadtgesellschaft, die Entwicklung einer ressortübergreifenden Datenstrategie sowie der Aufbau eines Stadtportals sein. Und in Arnsberg will man sich – anknüpfend an bereits abgeschlossene Projekte zur digitalen Transformation – um Themen wie Infrastruktur, Bildung, Mobilität und Bürgerbeteiligung kümmern.

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Preisträger gesucht

Die „Modellprojekte Smart Cities“ sind ein Förderwettbewerb des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat (BMI) für Städte und Gemeinden in Zusammenarbeit mit der KfW. Das BMI vergibt dafür Zuschüsse über die KfW in einer Gesamthöhe von 750 Millionen Euro, verteilt auf vier Staffeln. Im vergangenen Jahr wurden in der ersten Runde 13 Projekte ausgewählt. Bewerbungen für die zweite Staffel können bis zum 20. April 2020 eingereicht werden.

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Individuelle Verkehrsanbindung

„Wir denken nicht von digitalen Werkzeugen her, sondern schauen, wo die Herausforderungen liegen“, sagt Karin Glingener, Leiterin der Stabsstelle Digitale Stadt bei der Stadt Arnsberg, und illustriert den Ansatz am Beispiel Nahverkehr. Man habe andere Anforderungen als zum Beispiel große Städte und könne daher „von diesen nicht ohne Weiteres Konzepte übernehmen“. Arnsberg besteht aus 15 Ortsteilen. Sie haben zwischen 200 und 23.000 Einwohner und verteilen sich auf einer Fläche von der Größe Nürnbergs, das aber sieben Mal so viele Einwohner hat wie Arnsberg.

Nur mit Bus und Bahn funktioniere die individuelle Verkehrsanbindung nicht, sagt Glingener: „Eine intelligente Steuerung der verschiedenen Mobilitätsformen ist gefragt.“ Auch die Topografie beeinflusst die Wahl eines Verkehrsmittels. Das Arnsberger Stadtgebiet, das zu fast zwei Dritteln aus Wald besteht, ist hügelig. Deswegen nehmen viele Bewohner für den Weg zum Bahnhof das E-Bike. Sie erwarten aber, dass ihr vergleichsweise teures Zweirad dort sicher untergebracht werden kann. Auch so etwas wird bei einem integrierten Mobilitätskonzept berücksichtigt.

Karin Glingener
„Eine intelligente Steuerung der verschiedenen Mobilitätsformen ist gefragt.“

Karin Glingener, Leiterin der Stabsstelle Digitale Stadt in Arnsberg

Erweiterter Bürgerservice

Ein intelligentes Parkleitsystem mit Echtzeitdaten für ihre vier Parkhäuser hat die Kommune im Sommer 2019 in Betrieb genommen. Mehrere Tafeln im Stadtgebiet zeigen, wie viele Plätze wo frei sind. Auf diese Weise werden der Suchverkehr und damit die Schadstoffbelastung reduziert. In Metropolen mag so ein System Standard sein, für eine Kommune von der Größe Arnsbergs jedoch ist es ungewöhnlich. Mitarbeiter der Stadtwerke, die die Parkhäuser bewirtschaften, können diese per Tablet oder Smartphone kontrollieren und beispielsweise auch Schranken aus der Ferne öffnen. Der Parkservice wird auch Teil der von der Stadt entwickelten Arnsberg-App.

Schon seit 2005 ist das Geografische Informationssystem der Stadt (GIS) in die Webseite der Kommune integriert. Es enthält neben anderem hochaufgelöste Luftbilder des gesamten Stadtgebietes, aufgenommen in mehrjährigen Abständen während der vergangenen zwei Dekaden. „Rund 80 Prozent der städtischen Daten haben einen Geobezug“, sagt GIS-Koordinator Andreas Wolf. Die GIS-Informationen erweitern, in aufbereiteter Form, den Bürgerservice der Stadtverwaltung. Auf detaillierten Quartierskarten finden sich die Standorte von Kitas, Spielplätzen, Bushaltestellen oder auch Glascontainern, was Wohnungsuchenden als Entscheidungshilfe dienen kann. Oder: Städtische Mitarbeiter können sich anhand der Luftbilder einen Eindruck von einem Problem verschaffen und müssen nicht alles selbst vor Ort in Augenschein nehmen.

Südwestfalen ist eine der wirtschaftlich starken Regionen Deutschlands. Die zuständige Industrie- und Handelskammer listet sage und schreibe 166 Hidden Champions auf, Marktführer in der Welt oder in Europa. Aber, sagt Glingener, „unsere Global Player beschäftigen weniger Menschen als früher“. Einst hieß Neheim, der größte Stadtteil Arnsbergs, „Stadt der Leuchten“. Führend in der Lampenbranche war die Firma Kaiser. An ihrem alten Firmensitz wird an der Welt 4.0 gearbeitet: Im Kaiserhaus, das der Wirtschaftsförderung Arnsberg gehört, hat ein Coworking Space eröffnet, die klassische Arbeitsumgebung für Start-ups. Aus der Stadt der Leuchten wird eine Smart City.

Auf KfW Stories veröffentlicht am 11. Februar 2020.